Home
http://www.faz.net/-gcp-13s16
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Schein und Sein auf der IAA Kniestrümpfe, Chrom und unbequeme Schuhe

17.09.2009 ·  Chromblitzende Autos und schöne Frauen: Für viele Männer gehört das seit jeher zusammen. An den beiden Pressetagen der IAA sollen professionelle Models für die passenden Bilder sorgen, abgestimmt auf das Markenimage der Hersteller.

Von Philipp Elsbrock, Frankfurt
Artikel Bilder (10) Lesermeinungen (0)

Chromblitzende Autos und schöne Frauen: Für viele Männer gehört das seit jeher zusammen. An den beiden Pressetagen der IAA sollen professionelle Models für die passenden Bilder sorgen, abgestimmt auf das Markenimage der Hersteller. Für die Frauen heißt das: Posieren, lächeln und mit den Fotografen und Kameraleuten flirten. Für technische Details sind sie hingegen die falschen Ansprechpartner. Wer etwas zu PS-Zahlen, Beschleunigung oder Verbrauch wissen möchte, wendet sich an die Hostessen. Sie sind im Gegensatz zu den Models auch dann noch da, wenn die großen Fernsehanstalten wieder verschwunden sind und die Messe für Privatbesucher öffnet.

Die Damen am Lamborghini-Stand geben sich temperamentvoll: Ihre dunklen Locken fallen offen über die Schulter, und schwarze Spaghettiträger, üppige Dekolletés ziehen Blicke auf sich. Dazu die kapriziösen Autos, etwa der Reventon Cabrio mit den optischen Anleihen eines Tarnkappenbombers, von dem nur 20 Exemplare gebaut werden sollen. Zweimal am Tag wechseln die Models zur Modenschau, auf der sie Kleidung aus der hauseigenen „Collezione Lamborghini“ präsentieren. Bikinis, wie zu hören ist, werden aber nicht ausgestellt.

Kühler Schulmädchencharme

Eleganz prägt den Auftritt des Konkurrenten Maserati: Auf einer Drehscheibe rotiert die Weltpremiere Gran Cabrio, darin sitzt die vierundzwanzigjährige Julia aus Berlin. Indirektes Licht setzt sie in Szene, zuweilen steigt für eine Runde ein Besucher hinzu, manchmal wird das Dach ausgeklappt. Sie trägt ein violettes Kleid mit langer Schleppe, lasziv lehnt sie ihre langen Beine aus der geöffneten Tür. Aus der Musikanlage dröhnt den ganzen Tag italienische Musik, Julia hat sich darauf eingestellt: Esprit und gute Laune müsse man bei ihrer Automarke mitbringen. Klingt nach einem angenehmen Arbeitsalltag. Doch hinter vorgehaltener Hand klagen die Models über lange Arbeitszeiten und unbequemes Schuhwerk. Julia ist um 3.30 Uhr aufgestanden und hat sich auf dem Weg in die Maske gemacht. Die aufwendige Frisur braucht ihre Zeit, genauso wie das Schminken.

Darüber gibt es Beschwerden am Stand von Alfa Romeo. Professionell sei das Makeup nicht, sie sei anderes gewohnt, sagt die Brünette im weinrot-schwarzen Kleid von Vivienne Westwood. Es passt farblich zum Interieur des Kleinwagens Mito, den sie bewirbt. Am Standort Frankfurt ist sie noch gefragt – an Modeplätzen wie Mailand oder Paris gilt sie mit ihren Maßen von 93-63-92 bei 1,83 Meter Größe als zu dick, wie sie sagt. „Da bin ich out.“ Die siebzehnjährige Tschechin am Stand des Geländewagenherstellers Jeep ist davon wohl noch weit entfernt. Ihr Kleid wurde nicht nach der Wagenfarbe, sondern passend zu ihren Augen ausgewählt. Olivgrün ist es, von Dolce & Gabbana. Schulmädchencharme hingegen beim Kleinwagenhersteller Fiat: Hier ist die Schuluniform zurück, Kniestrümpfen und Krawatten gibt es nebenan bei Lancia.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen