Das Auto als Multimedia-Spektakel mit immer mehr Funktionen: So kann man die Entwicklung der Kommunikationstechnik in den vergangenen Jahren zusammenfassen. Doch nun erweist sich die IAA als Wendepunkt. War zwischenzeitlich in mancher Oberklasse-Limousine die Bedienungsanleitung für Navigation, Unterhaltung und Telefonie umfangreicher als die für den Rest des Autos, hatte man verzweifelt im Dickicht der Menüs nach der Prozedur für das Umschalten von einem Radiosender zum nächsten gesucht, rudern die großen Hersteller nun zurück.
Sie besinnen sich darauf, dass feine Technik doch in erster Linie die Aufgabe haben soll, dezent im Hintergrund den Fahrer zu unterstützen, und nicht die Hauptrolle spielen darf. Beispielhaft zeigt das BMW mit seinem grundlegend überarbeiteten iDrive, das früher ein zentralistisches System der Ein-Knopf-Bedienung mit strenger Menüstruktur war und heute einen Pluralismus der Bedienmöglichkeiten und unterschiedlicher Wege zum Ziel bietet. Weniger ist mehr, und so ist in den Frankfurter Messehallen eine erfreuliche Rückbesinnung auf die bedienbare Technik zu beobachten. Warum nicht das Navi-System im Auto vor der Fahrt am heimischen PC fernprogrammieren? Wie BMW arbeitet nun auch Citroën mit Google Maps zusammen, die Adresse lässt sich heraussuchen und bequem an das Telematiksystem Navi Drive schicken.
Kooperation zwischen BMW und der TU München
„Less is more“ ist auch die Maxime einer Kooperation zwischen BMW und der Technischen Universität München, die darauf ausgerichtet ist, die IT-Architektur des Fahrzeugs zu straffen. Die zunehmende Komplexität der Sensoren und Steuergeräte führt immer häufiger zu Fehlern. Eine neue IT-Struktur mit einheitlicher Software-Basis soll automatisch den Datenverkehr auf andere Recheneinheiten umleiten, wenn es zu einer Störung kommt.
Einfacher wird auch die sogenannte Mensch-Maschine-Interaktion, also der Umgang des Fahrers mit Anzeigen und Bedienelementen. In den Oberklasse-Modellen von Audi, BMW und Mercedes-Benz hat sich die Sprachbedienung bewährt - nicht bei simplen Aufgaben wie der Einstellung der Klimaanlage, sondern bei jenen Tätigkeiten, die bisher stark vom Verkehrsgeschehen ablenkten, etwa der Eingabe von Navigationszielen. Auch Volkswagen rüstet sein Premium-Navi RNS 510 mit Spracherkennung aus. Aber nicht nur das: Musste man bislang in einem Dialog Land, Ort und Straße in einzelnen Schritten vorsprechen, kommt bei BMW und Mercedes-Benz ein neues System von Marktführer Nuance zum Einsatz, das die vollständige Zieladresse (“Frankfurt am Main, Hellerhofstraße 2“) als Ganzes erfasst. BMW führt die Spracheingabe auch in der Musikabteilung ein, man kann nach Genre, Interpret, Album oder Titel suchen, und hier werden mehrere Sprachen parallel erkannt, damit sich auch der englische Titel eines deutschen Sängers finden lässt. Gesten ergänzen die Sprache: Die berührungsempfindlichen Anzeigen im Auto erkennen Hand oder Finger schon vor der eigentlichen Berührung, selbst aus ungenauen Gesten wird das beabsichtigte Kommando identifiziert.
Eines der Ziele der Car-to-Car-Kommunikation
Dass man auf dem Display demnächst noch viel mehr sieht und vor allem vor Gefahren in der Umgebung gewarnt wird, das ist eines der Ziele der Car-to-Car-Kommunikation, die mit pfiffigen Ideen aufwartet. Bei Audi wird über die Funkverbindung von Fahrzeug und Ampeln nachgedacht sowie über eine Anzeige im Cockpit, die jene Geschwindigkeit anzeigt, mit der eine Kreuzung ohne Halt überquert werden kann. Wer sich zu schnell auf die rote Ampel zubewegt, erhält eine Warnmeldung. Weitere Entwicklungen bieten dem Fahrer einen Vorausschauhorizont, der auf Situationen hinweist, die noch nicht im unmittelbaren Blickfeld liegen, etwa das Ende eines Staus.
Spektakulär sind die Dual-View-Anzeigen, die Mercedes-Benz in der S- und E-Klasse auf den Markt bringt, Range Rover und Jaguar folgen im nächsten Jahr. Die Doppelbildschirme zeigen auf ein und demselben Monitor verschiedene Bilder für Fahrer und Beifahrer. Achtet der eine auf die Anweisungen des elektronischen Kopiloten, kann der andere eine DVD sehen. Der Trick ist eine optische Maske, welche die Pixelzeilen abwechselnd für die linke und die rechte Seite verbirgt. Nur müssen sich Fahrer und Beifahrer darauf einigen, welches Tonsignal über die Lautsprecheranlage übertragen wird.
Nicht nur für den Feinschmecker
Opel präsentiert auf der IAA feine neue Navigationsziele, nicht nur jene für den Feinschmecker. Denn das Top-Produkt DVD 800 kommt von Zulieferer Bosch und enthält die digitalen Reiseführer von Merian. Für 26 Länder Europas sind mehr als 100.000 Ziele im digitalen Kartenmaterial hinterlegt, neben Restaurant-Bewertungen gibt es Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, Museen oder Theater. Auch im Volkswagen sind diese hochwertigen Reiseführer demnächst nutzbar. Die Merian-Daten kann man, wenn es nach BMW geht, in Zukunft sogar „on demand“ als Zusatzmodul ins iDrive-System holen. Eigenständige Applikationen lassen sich übers Internet laden. Außer dem Merian-Reiseführer sind auch Podcasts und Anwendungen für Netzwerke à la Facebook, Twitter oder Xing zu sehen: wohl eher eine Spielerei für die Mitreisenden.
Passagiere, die hinten im Fahrzeug ernsthaft mit ihrem Notebook arbeiten, dürfen sich bei Mercedes-Benz über eine bessere Funkversorgung freuen: Die E- und S-Klasse werden vom Oktober an zum „In Car Hotspot“: Eine Mobilfunkeinheit stellt den Kontakt nach außen her und leitet mit Wireless-Lan in den Innenraum weiter. Gute Verbindungen demnächst auch bei Opel: Die Rüsselsheimer nehmen eine hochwertige Mobilfunkeinheit mit dem Sim-Access-Profil ins Angebot. Auch hier ist ein eigenständiges Funkmodul im Einsatz, das Handy wird während der Fahrt „schlafen gelegt“.
Bosch-Technik ist auf der IAA nicht nur in den Opel-Modellen zu sehen, sondern zeigt ein neues Multimedia-“Referenzsystem“. Mit diesem ungemein schick aussehenden Prototyp, der auf dem Betriebssystem Linux basiert, sollen alle nur denkbaren Dienste besonders einfach und günstig unter einem Dach vereint werden. Fiat und Tom Tom fahren jetzt zusammen: Die ältere „Blue & Me“-Einheit, an deren Entwicklung Microsoft beteiligt war, wird mit Navigationstechnik der niederländischen Nachrüstspezialisten aufgewertet. Die neue Anlage, die zuerst im Fiat Bravo erhältlich ist, setzt auf einen berührungsempfindlichen Bildschirm und bietet wie gehabt das Analysesystem „Eco Drive“, das nach der Auswertung von Fahrdaten hilfreiche Tipps zum Benzinsparen gibt. Peugeot modernisiert Navigation und Unterhaltung. Die neuen Geräte heißen WIP (“World in Peugeot“) und bieten Navigation, Telematik, Bluetooth-Freisprechanlage sowie viel Entertainment mit einer 40-Gigabyte-Festplatte für alles Multimediale.
Nur mal so am Rande...
(bleeding_gums)
- 25.09.2009, 21:24 Uhr
ich hätte gerne...
Dirk Kampschäfer (dk26)
- 26.09.2009, 11:42 Uhr
ich hätte gerne...
Dirk Kampschäfer (dk26)
- 26.09.2009, 12:40 Uhr
