15.09.2009 · Auf der IAA wagt Daimler den Spagat und stellt den eleganten Flügeltürer SLS neben den Elektroautos der Zukunft vor. Derweil fürchtet die Belegschaft zu Hause allerdings um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze.
Von Susanne PreußDaimler-Vorstandschef Dieter Zetsche hofft, die Belegschaft des Stuttgarter Konzerns dank der staatlich unterstützten Flexibilität bei der Arbeitszeit durch die Krise hindurch an Bord behalten zu können. „Das ist die Wunschvorstellung. Aber die Zukunft ist unklar“, sagte Zetsche kurz vor der Eröffnung der Automesse IAA. Derzeit seien keine Programme zum Arbeitsplatzabbau geplant, sagte er: „Im Moment ist nichts in Vorbereitung.“
Die Belegschaft im größten Mercedes-Werk Sindelfingen fürchtet gleichwohl mittelfristig einen großangelegten Personalabbau. Die nächste Generation der C-Klasse, die im Jahr 2013 oder 2014 auf den Markt kommen werde, solle möglicherweise nicht mehr in Sindelfingen gebaut werden, so die Befürchtung. Stattdessen soll das Modell in Bremen gefertigt werden. Die ausländischen Märkte sollen aber auch von Werken in China, Südafrika oder den Vereinigten Staaten aus beliefert werden. Das sehe die Produktionsordnung der Zukunft vor, wie sie der Produktionsvorstand Rainer Schmückle derzeit entwerfe, sagte eine Sprecherin des Betriebsrats.
Zetsche: „ganz normaler Vorgang“
Am Standort Sindelfingen, wo derzeit gut 20.000 Mitarbeiter in der Produktion tätig sind, sind noch 4000 Beschäftigte mit Rohbau, Montage und Lackierung der C-Klasse befasst. Es geht also etwa um jeden fünften Mitarbeiter. Denn als Ausgleich soll nach Schmückles Plänen lediglich die Produktion des Luxuswagens Mercedes SL nach Sindelfingen verlagert werden - dieses Fahrzeug aber ist ein reines Nischenprodukt. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sagte dazu, es sei ein „ganz normaler Vorgang“, dass man überprüfe, ob der Status quo der beste Weg sei. Es sei aber noch keine Entscheidung gefallen.
Die bestehenden Kapazitäten wird Mercedes in nächster Zeit nicht auslasten können, denn die Verkäufe in diesem Jahr werden im zweistelligen Prozentbereich unter denen des vergangenen Jahres liegen, bestätigte Zetsche in Frankfurt. In den nächsten Monaten werde das Minus in den einstelligen Bereich gehen, vielleicht werde sogar ein kleines Plus erreicht, stellte er in Aussicht. Mit einer nennenswerten Erholung des Marktes für Premiumfahrzeuge rechnet Zetsche aber erst im Jahr 2011. Dann werde der chinesische Markt an Bedeutung gewonnen haben, während der amerikanische Markt kleiner sein werde.
„Wir halten, was Carl Benz schon versprochen hat“
Für die sich verändernde Nachfrage der Kunden fühlt sich der Stuttgarter Konzern gut gerüstet. „Kein anderer Premiumhersteller verfügt über so gute Voraussetzungen für nachhaltige Mobilität“, erklärte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche am Vormittag bei der Vorstellung der Neuheiten und Produktplanungen des Konzerns. „Wir halten, was Carl Benz schon versprochen hat“, sagte Zetsche unter Verweis auf den Erfinder des Autos: „Wir bieten vom Guten das Beste.“ Und, so fügte er hinzu: „Auch vom Grünen das Beste.“ Die „grüne Offensive“, die Daimler bei der zurückliegenden IAA 2007 versprochen habe, werde eingelöst. So sei der Mercedes-Benz S 400 Hybrid, das weltweit erste Hybridauto mit Lithium-Ionen-Batterie, einer der Starts der IAA 2007 gewesen und komme nun schon unter den Verkäufen der S-Klasse auf einen Anteil von 20 Prozent. Und, so erklärte Zetsche später, Daimler verdiene mit dem S Hybrid auch Geld.
Mit der nächsten Generation der S-Klasse soll dann der S 500 Hybrid auf den Markt kommen. „Ein Drei-Liter-Auto im S-Klasse-Format - das hätte doch bisher keiner für möglich gehalten“, sagte Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber. Mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 74 Gramm je 100 Kilometer werde der Mercedes S 500 Hybrid sogar noch besser sein als der Smart.