13.09.2009 · Hybrid-Autos wurden einst belächelt. Doch nie zuvor war die Branche so stark auf ein Thema fixiert wie auf dieser IAA. Immer mehr Hersteller bieten Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor an. Ist das nachhaltig oder nur eine Zwischenlösung?
Von Boris SchmidtIn dieser Woche beginnt in Frankfurt die Internationale Automobilausstellung. Nie zuvor war die gesamte Branche so stark auf ein Thema fixiert wie dieses Mal: Das Auto mit alternativem Antrieb – sei es mit Hybridtechnik oder Elektromotor –, wird der Star der Messe sein.
Kaufen kann man allerdings in Jahresfrist noch keinen einzigen Elektro-Stromer, von Exoten wie dem Tesla-Roadster oder anderen weniger bekannten Kleinserien-Produkten mal abgesehen. Wer hierzulande elektrisch fahren will, kann dies nur, wenn er sich auf ein gemischtes Doppel einlässt. Hybrid lautet gemeinhin das Zauberwort, und als größter Protagonist dieser aufwendigen Technik, bei der eine Benzinmaschine mit einem (oder bis zu drei) E-Motor(en) kombiniert ist, darf sich Toyota fühlen. Schon seit 1997 ist der Prius – der inzwischen als „das“ Hybrid-Auto gelten kann – in Japan auf dem Markt. Seit dem Jahr 2000 kann man ihn auch in Deutschland und in anderen Ländern kaufen.
Erst vor wenigen Tagen konnte Toyota stolz melden, dass die Zahl der in der Welt abgesetzten Toyota-Hybriden die Marke von zwei Millionen überschritten hat. Nach Europa fanden bisher gut 200.000 Toyota- und Lexus-Hybrid-Fahrzeuge. (Lexus ist eine Nobelmarke von Toyota.)
Für das Festhalten am Hybrid-Konzept belächelt worden
Jahrelang war Toyota von der Konkurrenz für das Festhalten am Hybrid-Konzept belächelt worden. Die aufwendige Technik sei viel zu teuer, die Energiebilanz nicht besser (weil das Herstellen der Batterien die Umwelt belaste, ganz abgesehen von der Frage der Entsorgung), und Kraftstoff sparen könne man mit einem Dieselmotor mindestens ebenso gut, hieß es immer.
Diese Argumente gelten auch heute noch. Nur haben sich inzwischen die Prioritäten verschoben. Die Möglichkeit, mit einem (Voll-)Hybrid rein elektrisch fahren zu können, gewinnt in Zeiten gesperrter oder mautpflichtiger Innenstädte (London) an Bedeutung, wenn auch die heute käufliche Technik maximal nur einige Kilometer elektrische Fahrt ermöglicht.
Außerdem kann ein ausschließlich unterstützender Motor, ein sogenannter Mild-Hybrid offenbar doch ein Weg sein, den Kraftstoffbedarf zu drosseln, nämlich bei großen Limousinen. Dann wird nur ein relativ kleiner E-Motor verbaut (20 bis 30 PS), die erforderliche Batterie- und sonstige Technik ist ebenfalls überschaubarer.
Der einzige deutsche Hybrid auf dem Markt
Auf diese Lösung setzt Mercedes-Benz seit dem Sommer im Oberklasse-Mobil S 400 Hybrid. Er ist immer noch der einzige deutsche Hybrid auf dem Markt (bald kommen der 7er-BMW und andere dazu). Die Hybrid-S-Klasse kombiniert den bekannten 3,5-Liter-V-Sechszylindermotor (279 PS) mit einem kleinen Elektromotor (20 PS). So könne der Kraftstoffbedarf um bis zu 20 Prozent auf einen Normverbrauch von 7,9 Liter gesenkt werden.
Wobei das Benzinsparen so eine Sache ist. Was tatsächlich verfeuert wird, hängt nahezu ausschließlich vom Einsatzbereich des Fahrzeugs ab. In der Stadt kann ein (Voll-)Hybrid seine Stärken am besten ausspielen. In der Regel fährt er rein elektrisch an, und der Benzinmotor stoppt, wenn der Wagen steht oder rollt und kein Gas gegeben wird. Wer es darauf anlegt, kann über Hunderte von Meter das Fahrzeug bei rund 50 km/h nur mit der Kraft aus der Batterie in Bewegung halten. Diese wird beim Bremsen und Verzögern aufgeladen (Rekuperation) oder durch den Verbrennungsmotor.
Mehr als zwei Tonnen schweres SUV
Ein aktuelles Beispiel: Mit einem Lexus RX 450 h kamen wir im Stadtverkehr auf einen Durchschnitt von exakt 7,0 Liter auf 100 Kilometer. Das ist für ein 4,77 Meter langes und mehr als zwei Tonnen schweres SUV mit Allradantrieb ein sehr guter Wert. Wer auf der Autobahn den Kräften freien Lauf lässt – 249 PS aus einem V6-Benzinmotor und 167 PS aus dem E-Werk –, kommt schnell auf 14,4 Liter.
Weil sich bei großen Autos in absoluten Zahlen mehr sparen lässt, sind im Autoland Amerika viele große Geländewagen als Hybrid zu haben. Alle großen Hersteller haben das Feld besetzt, auch Mercedes-Benz ist mit dem ML 450 (Voll-)Hybrid seit einigen Monaten dabei. Audi wird mit dem Q7, BMW mit dem X6, Porsche mit dem Cayenne und VW mit dem Touareg noch 2010 nachziehen. Diese Autos (und der Porsche Panamera Hybrid) kommen auch nach Deutschland, auf andere wie den Cadillac Escalade oder den Chevrolet Tahoe werden wir vergeblich warten.
Fast alle Hybrid-Geländewagen sind Voll-Hybride. Eine opulentere Batterie ist in den großen Wagen viel leichter unterzubringen. Dagegen ist die Batterie in der „milden“ S-Klasse nicht größer als ein herkömmlicher Starter-Akku.
Vor allem das amerikanische Bundesland Kalifornien hat das Hybrid-Auto hoffähig gemacht. Viele Stars und Sternchen schmückten und schmücken sich mit dem Prius. Doch bei allem Hype um die „grünen Autos“: Auch im amerikanischen Markt spielen sie allenfalls eine Nebenrolle: Zwar sind mehr als 310.000 verkaufte Einheiten im vergangenen Jahr aus deutscher Sicht gigantisch, doch der Marktanteil liegt nur bei mageren 2,35 Prozent.
Mittlerweile wird schon die dritte Generation des Toyota verkauft
Bemerkenswert: Mehr als die Hälfte aller Doppelmotor-Autos in den Vereinigten Staaten waren Toyota Prius: 158.884 Käufer vertrauten 2008 auf den Urvater der Stromer. Das weitere Ranking: Toyota Camry (46.322), Honda Civic (31.297), Toyota Highlander (19.391) und Ford Escape (16.927 Einheiten). Dagegen wurden in Deutschland 2008 nur 3407 Prius verkauft, bis einschließlich August waren es in diesem Jahr 2104 Einheiten, das ist bislang ein Rückgang um acht Prozent. Der im Frühjahr gestartete Honda Insight, ein Mild-Hybrid der Golf-Klasse mit einem Basispreis von „günstigen“ 19.900 Euro, kam bisher auf 989 Neuzulassungen. Er ist (noch) die einzige Alternative zum Prius, der einen Basispreis von 24.950 Euro hat. Mittlerweile wird schon die dritte Generation des Toyota verkauft, vom Nutzwert her ist auch er mit einem VW Golf zu vergleichen. Der Normverbrauch beträgt 3,9 Liter, was ihm immer wieder erste Plätze in Öko-Rankings einbringt. Die Zulassungszahlen von Lexus (GS 450, RX 450 h und LS 600h) bewegen sich um die 1500, Hybrid ist auf dem deutschen Markt also eigentlich noch kein Thema. Schon zwei Prozent Marktanteil wären gut 60.000 Zulassungen.
Sobald sich aber die deutschen Hersteller der Sache annehmen, wird sich das ändern. Volkswagen arbeitet an einem Golf Hybrid, der einen Dieselmotor mit einer E-Maschine kombiniert, Peugeot entwickelt ein ähnliches Fahrzeug in der Kompaktklasse. Kia zeigt auf der IAA einen Hybrid, der mit einem Erdgasmotor zusammenarbeitet. Auch Toyota pusht das Thema weiter: In Frankfurt steht ein Auris Hybrid, der 2010 kommen soll, und den Prius wird man bald auch an der Steckdose aufladen können.
Ein Benzinmotor dient aber „nur“ als Generator
Opel glänzt auf der IAA mit dem Ampera, der ebenfalls mit Doppelmotor aufwartet. Ein Benzinmotor dient aber „nur“ als Generator, gefahren wird immer mit der Kraft eines Elektromotors. Aber die Batterie kann auch von außen geladen werden (Plug-in-Hybrid), so ist eine rein elektrische Reichweite bis zu 60 Kilometer möglich. Mercedes-Benz zeigt in Frankfurt eine ähnliche Lösung, dazu gibt es eine S-Klasse als Voll-Hybrid, die bis zu 30 Kilometer elektrisch fahren kann. BMW ist mit dem futuristischen „Vision Efficient Dynamics“ vertreten, ein Dieselhybrid nach ebenfalls „klassischem“ Muster, jedoch mit zwei E-Motoren, einer vorn, einer hinten. Ein kleiner Dreizylinder-Diesel (1,5 Liter Hubraum) kann auch allein die Hinterachse antreiben, rein elektrisch sind bis zu 50 Kilometer Reichweite möglich. Dank der Kraft aus gleich drei Herzen sind bis zu 356 PS und eine Spitze von 250 km/h machbar, und das bei einem Normverbrauch von 3,76 Liter Diesel.
Es tut sich viel in der Welt der Hybride. Doch die letztgenannten Autos sind Studien, der Ampera soll 2011 marktreif sein. Oft wird gesagt, die Technik sei nur eine Zwischenlösung. Doch solche Lösungen haben manchmal ihren Charme – vor allem, wenn es keinerlei Probleme mit der Reichweite und etwaigen Ladezeiten gibt.
Die Autoindustrie tut nur etwas was die Politik von ihr fordert
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 13.09.2009, 15:14 Uhr
Marktanteil der Hybridautos ca. 0,2 Prozent
Marvin Parsons (mapar)
- 14.09.2009, 12:31 Uhr
geiser123
Frank Geiser (geiser123)
- 14.09.2009, 14:38 Uhr
Was ist so toll am E-Auto? Der Luftwiderstand natürlich!
Wolfgang Kotowski (roederwolf)
- 16.09.2009, 13:23 Uhr