02.09.2009 · Der Melkus ist zurück. Gut vier Jahrzehnte ist es her, als der RS 1000 präsentiert wurde. Der neue Prototyp des kleinen Sportwagens wird auf der IAA zu sehen sein. Künftig sollen jährlich 25 Einheiten in Dresden in einer Art Manufaktur gebaut werden.
Von Michael ErnstGut vier Jahrzehnte ist es her, dass der Dresdner Autonarr und Amateur-Rennfahrer Heinz Melkus, der sich als Konstrukteur und Inhaber einer Fahrschule über Wasser hielt, den Melkus RS 1000 präsentierte. Genau 101 dieser Fahrzeuge entstanden bis 1979. Für Aufsehen sorgte neben den Flügeltüren und der ansprechenden Hülle vor allem die Tatsache, dass solch ein Ausnahme-Mobil in der DDR überhaupt möglich war. Jetzt feiert der kleine Sportwagen sein Comeback, auf der IAA wird der erste Prototyp stehen. Künftig sollen jährlich 25 Einheiten in Dresden in einer Art Manufaktur gebaut werden - fast so wie früher, als Heinz Melkus „sein“ Auto montierte - mit einem Wartburg-Motor und einer Plaste-Karosserie aus dem Robur-Werk in Zittau.
Melkus starb 2005 im Alter von 77 Jahren. Nach der Wende hatte er in seiner Heimatstadt die erste BMW-Vertretung in den neuen Ländern eröffnet. Heute führt Enkel Sepp Melkus die Geschäfte, kümmert sich aber nicht nur um BMW, sondern auch um das Produkt, das seinen Namen trägt.
Aluminium, Carbon und Glasfaserkunststoff bilden die Grundlage
Der Melkus des Jahres 2010 setzt wie sein Vorgänger konsequent auf Leichtbau. Aluminium, Carbon und Glasfaserkunststoff bilden die Grundlage dafür, das Leergewicht auf weniger als eine Tonne zu drücken. Der Motor hat vier Zylinder und 1,8 Liter Hubraum, unterstützt durch einen mechanischem Strömungslader. Das reicht für knapp 200 kW (270 PS). In 4,5 Sekunden soll der Zweisitzer auf Tempo 100 beschleunigen, und auf der Autobahn sind 250 km/h möglich.
Wer den Motor beisteuert, ist noch ein kleines Geheimnis, man mag auf VW/Audi oder natürlich BMW tippen. Jedenfalls sitzt das Triebwerk der Besatzung fast hautnah im Rücken. Wie im historischen Vorbild ist es quer in der Mitte eingebaut. Das Design stammt von einem Berliner Büro und wurde in Dresden überarbeitet.
Bei allen Anleihen am historischen Vorbild, die Technik ist brandneu und auf der Höhe der Zeit. Also werden an Reifen, Felgen, Bremsen und Sportstoßdämpfern nur die besten Komponenten verbaut, die namhafte Hersteller derzeit anbieten (zum Beispiel Bilstein, Brembo, Eibach).
Feines Leder für Sitze und Innenraumverkleidung
Beim Interieur ist bei der geplanten Jahresproduktion von 25 Fahrzeugen höchste Individualität vorgesehen. Das feine Leder für Sitze, Innenraumverkleidung und auf den zum Ein- und Aussteigen unabdingbaren Seitenschwellern wird von Betrieben der Region vernäht. Und auch auf eine Klimaanlage, gute Musik und exakte Navigation soll niemand verzichten müssen, verspricht Melkus, in dessen Manufaktur am Stadtrand sogar wieder einige der Werker zurückgekehrt sind, die schon für den Großvater geschraubt haben. Derzeit schuftet das kleine Team wie besessen von ihrem neuen „Baby“ in Sieben-Tage-Wochen. Kurzarbeit im Automobilbau sieht anders aus.
Gleich nach dem IAA-Debüt soll die Serienproduktion anlaufen. Spätestens dann will Sepp Melkus nichts mehr vom „Ferrari des Ostens“ oder vom „Zonen-Porsche“ hören, wie Großvaters Sportflitzer gern tituliert wird. Die DDR sei seit 1990 Vergangenheit, und die Legende RS 1000 liege schon 30 bis 40 Jahre zurück. Der RS 2000 von heute sei unvergleichlich, aber eben ein Melkus.
Wegen der Autokrise macht man sich in Dresden keine Gedanken. Zwar brauche niemand einen geschlossenen, zweisitzigen Sportwagen mit Flügeltüren, aber Sepp Melkus ist nicht bange. Die Zahl der Vorbestellungen sei schon sehr motivierend.
Wunderbar....
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 09.09.2009, 15:12 Uhr