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Bilanz der IAA Die ausgebremste Autoschau

27.09.2009 ·  Weniger Besucher und weniger Staus: Wo früher auf der IAA in Frankfurt kaum ein Durchkommen war, blieb in diesem Jahr viel Platz zum ungestörten Betrachten. Trotz 100 Premieren ernüchtert die Bilanz. Neuheiten für den Massenmarkt fehlen.

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt
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Alteingesessene Bewohner Frankfurts neigen dazu, den Erfolg der Internationalen Automobilausstellung IAA am Verkehrsaufkommen zu messen: Je mehr Staus es in der Stadt gibt, desto besser läuft die Messe - und in diesem Jahr blieben die Staus weitgehend aus. Das liegt zwar nicht nur am Rückgang der Besucherzahlen, sondern auch am besseren Parkplatzmanagement mit mehr Stellplätzen im weiteren Umkreis und regelmäßig fahrenden Shuttle-Bussen.

Die Bilanz unmittelbar vor dem Ende der IAA am Sonntag fällt recht ernüchternd aus: 850.000 Besucher hat die Autoschau nach Frankfurt gelockt. Trotzdem gab sich Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbands und Messeveranstalters VDA, naturgemäß zufrieden. Das dürfte an seinen bescheidenen Erwartungen gelegen haben, die „deutlich übertroffen“ worden seien. „Die weltweit wichtigste Mobilitätsmesse hat sich in einem sehr schwierigen Umfeld als Publikumsmagnet erwiesen“, sagte er nun. 2007 hatte die alle zwei Jahre stattfindende Schau noch 900.000 Menschen angelockt. „Der Rückgang hat aber eine verkraftbare Größenordnung“, beschwichtigte Wissmann noch am Freitag. Im Krisenjahr 1993 seien nur 700.000 Besucher gekommen. Andere Automessen seien ganz ausgefallen oder hätten - wie etwa die Tokioter Schau - nur mit regionaler Beteiligung stattgefunden.

Es werden 100 Weltpremieren gezeigt - ein Spitzenwert

Wo früher auf der IAA kaum ein Durchkommen war, blieb in diesem Jahr viel Platz zum ungestörten Betrachten. Offen ist, ob das eher dem Auslaufen der staatlich finanzierten Abwrackprämie, der Wirtschaftskrise oder einem gemäßigten Interesse am Auto zuzuschreiben ist. Am Angebot kann es laut VDA jedenfalls nicht gelegen haben: Die Zahl der Aussteller liegt mit 781 nur um 7 Prozent unter dem Niveau von 2007. Es werden 100 Weltpremieren gezeigt - ein Spitzenwert -, davon mehr als die Hälfte von deutschen Ingenieuren entwickelt.

Der Wermutstropfen: Ausgerechnet die führenden Hersteller von Elektroautos, der am meisten diskutierten Innovation der Messe, fehlen überwiegend. So verzichteten die japanischen Pioniere Nissan, Honda und Mitsubishi aus Kostengründen auf einen Stand. Und während von den japanischen Herstellern überhaupt nur noch Toyota, Mazda, Suzuki und Subaru vertreten waren, fehlten die chinesischen Konzerne dieses Mal vollständig.

„Sieht gut aus, sitzt sich gut“

Im Vergleich zu früheren Ausstellungen blieben zudem die volumenträchtigen Neuvorstellungen überschaubar. Die größte Bedeutung im Massensegment hat wohl der neue Opel Astra. Und das gilt nicht nur, weil sich kurz vor der Bundestagswahl die Kanzlerin, diverse Minister(-präsidenten) und Landespolitiker sowie mäßig bekannte Starlets und Gewerkschafter gerne am Stand des gerade „geretteten“ Unternehmens filmen oder ablichten ließen, um so ihr Engagement unter Beweis zu stellen. Unvergessen der Augenblick, als Angela Merkel selig lächelnd dem neuen Astra mit den Worten entsteigt: „Sieht gut aus, sitzt sich gut.“

Neben dem Astra haben jedoch nur wenige der neuen Modelle das Zeug zu größeren Stückzahlen - dazu gehören vielleicht der Kompaktgeländewagen BMW X1, das Mercedes E-Klasse T-Modell oder der Kompakt-Van Citroen C3. Zu den Neuheiten aus der Nische mit überwiegendem Image-Effekt zählen indes das Coupe Audi A5 Sportback, die Limousine BMW 5GT oder der kleine, rundliche Citroen DS3 als Konkurrent für den Mini. Für Furore sorgen sonst nur noch einige kaum erschwingliche Luxusautos wie der spektakuläre Mercedes-Flügeltürer SLS AMG, der Porsche Panamera oder der Ferrari 458 Italia.

„Das müssen wir gemeinsam voranbringen“

Was natürlich an keinem Stand fehlen darf, ist ein Elektroauto oder wenigstens ein Hybrid. Doch werden die mit extern aufladbarer Batterie betriebenen Vehikel der Zukunft meist nur als Studie gezeigt - mit Serienproduktionsstart am hinteren Ende des nächsten Jahrzehnts. Wie wenig sich die deutschen Hersteller von Elektroautos erhoffen, machte deren Leitwolf, VW-Chef Martin Winterkorn, gleich am Vorabend des Messestarts deutlich, als er den Marktanteil der neuartigen Vehikel für 2020 auf „1,5 bis 3 Prozent“ bezifferte. Rätselhaft bleibt, ob es sich dabei um Wunschdenken der in der Batterietechnik gegenüber den asiatischen Konkurrenten zurückgefallenen Deutschen handelt - oder schlicht um eine reelle Prognose.

Da jedoch die IAA nicht zuletzt als riesiges Diskussionsforum dient, hat sie die Branche einige Schritte vorangebracht auf dem Weg zur Elektrifizierung: „Das müssen wir gemeinsam voranbringen“, rief Angela Merkel dem versammelten Messe-Adel in ihrer Eröffnungsrede zu - und lud die Branche zu einem Autogipfel nach der Bundestagswahl ins Kanzleramt ein. Das Ziel, so die Kanzlerin, müssten Absprachen zur Normierung der neuen Technik für Elektroautos sein. Das dürfe man nicht der Konkurrenz aus Asien überlassen. Erstmals haben sich deshalb die Entwicklungschefs aller sieben deutschen Autohersteller auf der IAA auf einen gemeinsamen Stecker für Elektroautos geeinigt. „Jetzt wollen wir unsere europäischen Nachbarn, aber auch die Hersteller in Nordamerika und Asien dafür gewinnen“, sagte VDA-Präsident Wissmann dieser Zeitung. „ Wenn wir weltweit Erfolg haben wollen, brauchen wir auch weltweit einheitliche Schnittstellen.“ Einen „Steckersalat“, wie bei Handys, dürfe es beim Auto nicht geben.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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