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Unterwegs in Südafrika Wegezoll bei Blaulicht

18.06.2009 ·  Besucher des Confederations Cup und der Fußball-WM in Südafrika sollten sich mit den landestypischen Gepflogenheiten vertraut machen. Das schützt vor unliebsamen Überraschungen und hilft, den Aufenthalt genießen zu können.

Von Roland Zorn, Bloemfontein
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Eines langen Tages Reise durch die Nacht schien fast vorbei, da sah der englische Fußballreporter Mike Collett Blaulicht vor sich – fünf Minuten vor der Zielankunft in einem Hotel im feinen Johannesburger Stadtteil Sandton. Der welterfahrene Sportjournalist der Nachrichtenagentur Reuters wurde nun aber am frühen Montagmorgen auf dem Rückweg vom Confederations-Cup-Spiel Spanien gegen Neuseeland in Rustenburg angehalten.

Zwei Polizeibeamte fragten ihn, ob er etwas getrunken habe. „Nein, ich bin Auto gefahren“, lautete die Antwort, „aber jetzt will ich weiter zu meinem Hotel.“ „Das finden Sie nie“, entgegneten die Uniformierten. „Warum nicht“, entgegnete Collett, „ich bin mit einem Navigationsgerät ausgerüstet.“ Nach diesem noch harmlosen Vorspiel kamen die Ordnungshüter zur Sache. „Wo sind Ihre Dollar- oder Pfundnoten“, wollten sie von dem Londoner wissen, in der festen Absicht, eine Art Wegezoll einzutreiben.

Eine der gefährlichsten südafrikanischen Straßen bei Nacht

Collett gab an, nur ein paar südafrikanische Rand dabei zu haben und händigte nach einigen Diskussionen jedem der inzwischen gar nicht mehr freundlichen Wachleute jeweils 200 Rand (circa 20 Euro) aus. Dann konnte er endlich seine Fahrt fortsetzen. Dachte er. Denn schon wenig später sah er aufs Neue das Blaulicht im Rückspiegel. Wieder stoppten ihn dieselben Polizisten – diesmal aber, um ihn zu seinem Hotel zu eskortieren. Als Collett dort endlich angekommen war, riefen ihm die Schutzmänner noch ein paar fürsorgliche Worte hinterher. „Gute Nacht, und passen Sie beim nächsten Mal auf. Wo wir Sie antrafen, ist eine der gefährlichsten südafrikanischen Straßen bei Nacht.“

Ende eines bizarren, bedrohlichen Intermezzos, das Mike Collett drastisch vor Augen führte, dass man im Ausrichterland der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft jederzeit auch auf unangenehme Überraschungen gefasst sein muss.

Freizeitverhalten südafrikanischen Gepflogenheiten anpassen

So weit wie ein spanischer Reporter der Sportzeitung „Marca“ muss es der Neugierige indes nicht treiben. Dieser Journalist hat tausend Euro in die Hand gedrückt bekommen, mit denen er die zwei Wochen dauernde Generalprobe auf die WM 2010 inklusive Flug unbeschadet überstehen soll – und zwar in der Rolle des nichtprivilegierten Fußballfans, der sich auf eigene Faust und mit bescheidenen Mitteln durchs Land schlägt. Er überstand schon am Tag seiner Ankunft eine räuberische Attacke in einem Johannesburger Park nur mit viel Glück schadlos.

Solche Nervenkitzel können sich künftige WM-Touristen ersparen, wenn sie gut auf sich aufpassen, bestimmte Regeln einhalten und bereit sind, ihr europäisches Freizeitverhalten südafrikanischen Gepflogenheiten anzupassen.

Offiziell empfohlene Taxi-Gesellschaften nutzen

Schon bei der Ankunft am Johannesburger Flughafen Tambo ist es nicht ratsam, dem erstbesten Taxifahrer, der im großen Terminal A um Kundschaft wirbt, das Vertrauen zu schenken. Besser ist es, zu einem der Informationsstände zu gehen und nach der offiziell empfohlenen Taxi-Gesellschaft zu fragen. Deren Fahrer warten außerhalb des Ankunftsgebäudes auf ihre Gäste und stehen für Seriosität und solide Preise. Allerdings muss der Ankömmling darauf gefasst sein, dass der Johannesburger Taxipilot seine eigene Heimatstadt nur in Maßen kennt.

In Südafrika bestimmen Taxis, vorzugsweise die oft klapprigen und schon deshalb nicht empfehlenswerten Sammeltaxis, den öffentlichen Nahverkehr. Busse gibt es zu wenige, die Reise per Bahn gilt als langsam, unzuverlässig und nicht ganz ungefährlich. Fußballfans sind also gut beraten, im kommenden Jahr entweder ein Auto zu mieten oder häufiger zu fliegen, auf die Einführung des versprochenen Schnellbussystems zu hoffen und, falls nicht, Taxi zu fahren (siehe: Confederations Cup: 1:0 für die Taxiunternehmer).

Hübsche Anwesen hinter geschützten Mauern

Haben sie ihre Unterkunft erst einmal erreicht, wird sich so mancher wundern, was er in besseren Gegenden auf Schritt und Tritt sieht: hübsche Anwesen hinter hohen, von Elektrozäunen geschützten Mauern, drapiert mit Schildern wie „armed response“. Mit dem dezenten Hinweis auf bewaffnete Gegenwehr werden potentielle Eindringlinge davon abgehalten, böse Absichten in die Tat umzusetzen. Wer selbst dort, wo es nach Idylle ausschaut, dazu neigen mag, abendliche Spaziergänge im Mondlicht zu unternehmen, sollte sich, wenn überhaupt, lieber tagsüber die Füße vertreten.

Einheimische raten von Extratouren ab; die Sicherheit geht vor. Speziell in Johannesburg, wo gleich neben dem WM-Schauplatz Ellis-Park-Stadion, dort steigt am 28. Juni das Confed-Cup-Finale, das Problemviertel Hillbrow beginnt.

Warm anziehen in Johannesburg

So weit muss ja niemand gehen, da es auch in Johannesburg und mehr noch in den ruhigen, friedlichen WM-Provinzstädten Bloemfontein, Rustenburg, Nelspruit oder Polokwane genügend Möglichkeiten gibt, das Leben in diesem reizvollen und touristisch millionenfach erprobten Land zu genießen. Die Menschen sind in aller Regel liebenswert, höflich und, wo möglich, hilfsbereit. Man muss nur bereit sein, südafrikanische Grundregeln des täglichen Lebens einzuhalten, mag damit auch der persönliche Freiraum eingeschränkt sein.

Und noch etwas gilt es bei der am 11. Juni 2010 eröffneten WM zu beachten: Im deutschen Sommer ist tiefer Winter in Südafrika. Das kann tagsüber in Johannesburg liebliche Temperaturen um die zwanzig Grad bedeuten, kann aber auch, wie für die kommende Woche angekündigt, mit einer Abkühlung auf zehn bis zwölf Grad verbunden sein. Wenigstens scheint die Sonne dazu – meistens. So viel jedenfalls ist sicher: Wer 2010 zu den erwarteten 450.000 WM-Besuchern zählen wird, sollte sich warm anziehen. Und das gilt nicht allein für das zu erwartende Wetter.

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