25.06.2009 · Vuvuzela kommt von Lärmen, und die südafrikanischen Fußballtröten sind wirklich laut. Für die einen sind sie ein ohrenbetäubendes Ärgernis, für den Hersteller ein Grund zur unternehmerischen Freude.
Von Claudia Bröll, JohannesburgFür die einen sind sie ein ohrenbetäubendes Ärgernis, für die anderen der Ausdruck afrikanischer Lebensfreude - und für Neil van Schalkwyk ein gutes Geschäft. Der 36 Jahre alte Kapstädter ist mit seinem Geschäftspartner Beville Bachmann der Erste gewesen, der die jetzt in aller Welt bekannten Vuvuzelas serienmäßig produzierte.
Die 62 Zentimeter langen Tröten gehören zu einem südafrikanischen Fußballspiel wie Fan-Schals zu einem europäischen. Sie erzeugen nur einen einzigen Ton. Südafrikaner erinnert er an das Trompeten von Elefanten, viele Ausländer jedoch nur an eine nervenaufreibende Sirene. Vuvuzelas sind deswegen zum inbrünstig umstrittenen Thema während des Confederations Cup geworden - sehr zur Überraschung der einheimischen Bevölkerung und der beiden Unternehmer.
Fifa-Chef bleibt hart
Der spanische Mittelfeldspieler Xabi Alonso etwa forderte, die Vuvuzelas zu verbieten, weil sie die Konzentration der Spieler störten und nichts zur Atmosphäre beisteuerten. Fernsehkommentatoren hieben in dieselbe Kerbe. Im Stadion könne man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen, geschweige denn an die Zuschauer in aller Welt senden. Fifa-Chef Joseph Blatter jedoch blieb hart.
Er will die Lieblingsspielzeuge südafrikanischer Fußballfans nicht aus den Stadien verbannen. Vermutlich würde ein Verbot auch einem Affront für die Gastgeber gleichkommen. Nelson Mandela nahm vor einigen Jahren Hunderte Vuvuzelas nach Zürich mit, um die Bewerbung Südafrikas für die WM zu unterstützen. Auch viele Politiker lassen sich gern mit dem Traditionsinstrument fotografieren.
Ein ursüdafrikanische Produkt
Ungeachtet der Mäkeleien erlebt Schalkwyk zurzeit eine Nachfrage nach den Tröten, von der er kaum zu träumen gewagt hätte, als er vor acht Jahren das Unternehmen Masincedane Sport gründete. Der Hobbyfußballer wuchs in den Kapstädter „Cape Flats“ auf, einem Vorort, der zu Zeiten der Apartheidregierung den gemischtrassigen Südafrikanern, den sogenannten Coloureds, vorbehalten war.
Wie in den schwarzen Townships wurde Fußball dort großgeschrieben, und Kudu-Hörner oder selbstgemachte Dosentrompeten stellten bei jedem Spiel die laute Geräuschkulissse her. Ende der neunziger Jahre kam Schalkwyk im Stadion auf die Idee, die Tröten in größerem Stil aus Plastik zu produzieren. Er sicherte sich die Rechte an der Marke Vuvuzela, was von dem Zulu-Wort für „lärmen“ abgeleitet ist, und legte mit seinem Partner los. „Wir haben uns vorgestellt, wie es wäre, dieses ursüdafrikanische Produkt in aller Welt bekannt zu machen“, erzählt er.
Welch ein Krach
Mit dem Confederations Cup ist dieses Ziel schon erreicht. Und seit sich Südafrika auf die Fußball-WM vorbereitet, kommt Schalkwyk mit der Herstellung kaum nach. Bis 2007 verkaufte Masincedane Sport 30.000 Vuvuzelas pro Jahr zum Preis von umgerechnet zwei bis drei Euro. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 350.000, und vor der WM peilt der Kleinbetrieb mit 30 Mitarbeitern drei Millionen Kunststofftröten an - welch ein Krach.
„Wir Südafrikaner sind nun einmal ein lautes Volk, wenn wir feiern. Die Vuvuzela ist Teil unserer Fußballkultur und eine Art, wie wir das Leben feiern“, sagt Schalkwyk. Im Ausland scheint das nicht nur auf Ablehnung zu stoßen.
Das Interesse ist groß
Der Unternehmer berichtet von reger Nachfrage aus anderen afrikanischen Ländern, aber auch aus Europa und den Vereinigten Staaten. Das Interesse ist so groß, dass Schalkwyk die Vermarktungsrechte in der EU schon an ein deutsches Unternehmen verkauft hat, das sich von der WM ebenfalls ein lukratives Geschäft erhofft. „Wir haben Anfragen für mehrere Millionen Vuvuzelas“, erzählt Frank Urbas, Gründer der Düsseldorfer Urbas-Kehrberg-Gesellschaft. Wie viele davon tatsächlich zu Aufträgen werden, müsse man abwarten. Doch schließt der Unternehmer nicht aus, dass schon zu Beginn des kommenden Jahres die Kapazitätsgrenzen erreicht sind.
Freilich ist die Vuvuzela „made in Germany“ ausgeklügelter und etwas teurer als ihr Vorbild mit dem „Proudly-South-African“-Aufkleber. Nicht nur wird sie im aufwendigeren Spritzgussverfahren hergestellt. Auch besteht das Instrument aus drei Teilen. Dazu habe man sich aus Sicherheitsgründen entschieden, sagt Urbas. Wenn jemand mit der Vuvuzela zuschlagen wolle, zerfalle sie in die Einzelteile. Im von Kriminalität gebeutelten Südafrika macht man sich über so etwas keine Gedanken.
„Vuvuzela-Benimm-Code“
Trotz der hohen Nachfrage lässt die Aufregung über den Lärm die Produzenten nicht ungerührt. „Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst und arbeiten an einer Lösung“, sagt Schalkwyk. So arbeitet er gerade an einem „Vuvuzela-Benimm-Code“, der den Fans beim Kauf einer Tröte eingebleut werden soll. Dazu gehöre etwa die Regel, nicht während des Abspielens der Nationalhymnen herumzutrompeten.
Außerdem hat Schalkwyk mit einem Musiker Kontakt aufgenommen, der ein Vuvuzela-Orchester gegründet hat. Der Mann soll dazu beitragen, dass der Fanfare nicht nur ein Ton zu entlocken ist, sondern womöglich eine ganze Tonfolge. Geräuschempfindliche Menschen könnten das als angenehmer empfinden, mutmaßt Schalkwyk. Spieler wie Alonso und die Kommentatoren dürften sich dann auf große Vuvuzela-Konzerte während der Fußball-WM freuen.
Kurios
Johannes Müller-Wachtendonk (perello)
- 25.06.2009, 15:45 Uhr
Unterschied???
Christian Pensold (Kaffchris)
- 27.06.2009, 22:02 Uhr