30.06.2009 · DFB-Chefscout Urs Siegenthaler beobachtete den Confederations Cup in Südafrika. Diese Woche wird er Bundestrainer Joachim Löw seine Erkenntnisse mitteilen. Im FAZ.NET-Interview verrät der Schweizer schon vorab einige Geheimnisse.
DFB-Chefscout Urs Siegenthaler beobachtete den Confederations Cup in Südafrika. Diese Woche wird er Bundestrainer Joachim Löw seine Erkenntnisse mitteilen. FAZ.NET hat er seine Lehren schon jetzt mitgeteilt.
Brasilien hat den Confederations Cup gewonnen - sind die Brasilianer damit auch Favorit für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr?
Die Topteams der Welt werden die Weltmeisterschaft unter sich ausmachen. Wenn sich Deutschland seriös vorbereitet, Italien an seine Leistungsgrenze kommt, Frankreich sein Potential ausspielt und England unter Trainer Capello seine Klasse zeigt, werden es auch die Brasilianer schwer haben.
Ist die Qualität des internationalen Fußballs weiter gestiegen?
Alle Mannschaften haben Fortschritte gemacht, keine Frage. Vor allem in der Offensive. Wir haben jetzt Cup einige Erklärungen auf viele unserer Fragen gefunden. Viele Teams spielen bewusst offensiv und machen das sehr zielstrebig. Man hat gesehen, dass Mannschaften Lösungen gefunden haben, die nicht auf Zufall basieren. Aber nicht nur die Spitze mit den besten zwanzig Nationen hat sich verbessert. Die Teams zwischen Platz zwanzig und 120 haben den Abstand verringert. Das hat man auch in den Qualifikationsspielen zur WM gesehen. Wenn man sich beim Confederations Cup die Begegnung der Spanier gegen den Irak angeschaut hat, konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Spanier nach 34 Spielen ohne Niederlage glaubten, auch mit 80 bis 90 Prozent gegen den Irak gewinnen zu können. Das haben sie mit einem 1:0 auch geschafft. Aber wenn die Leistungsbereitschaft nicht mehr vollständig vorhanden ist, gibt es nur "Zittersiege" - und manchmal nicht einmal die.
Muss sich die deutsche Mannschaft Sorgen vor dem Trend zum Offensivfußball machen?
Es ist Aufgabe von Joachim Löw zu sagen, ob das für uns gefährlich ist. Wenn man die Resultate der letzten Zeit Revue passieren lässt, dann fallen aber die Unterschiede auf. Das Endspiel beim Confederations Cup endete 3:2, das Spiel um den dritten Platz auch. Spanien gewinnt 5:0 gegen Neuseeland, Frankreich gewinnt Spiele 5:0 und 6:1 Die Trainer sind mittlerweile auf ein 3:2 aus - nicht mehr auf ein 1:0.
Das gefällt Ihnen?
Absolut. Es ist eine Freude.
Wie schaffen es Mannschaften - zum Beispiel Spanien oder im Klubfußball Manchester United -, die Leistungsbereitschaft ständig hoch zu halten?
Das ist genau die zentrale Frage. Warum haben Mannschaften so eine Konstanz? Warum können sie immer Höchstleistungen abrufen. Was spielt sich da ab? Die Frage nach der ständigen Leistungsbereitschaft haben wir in der Wirtschaft - und sie hat jetzt auch den Fußball erreicht.
Weil sich die Unterschiede zwischen den Mannschaften immer weiter nivellieren, wird die ständige Leistungsbereitschaft wichtiger?
Exakt. Aber darüber muss ich erst mit dem Bundestrainer reden.