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Halbfinale im Confed-Cup Der gute Mensch Kaká

25.06.2009 ·  Kaká ist neben Ronaldo und Messi einer der drei besten Fußballer des Planeten - an Eleganz und Ballgefühl aber nicht zu übertreffen. Zudem ist seine Herzlichkeit echt. Der brasilianische Regisseur tut dem Fußball gut.

Von Roland Zorn, Johannesburg
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Seine Tore feiert er immer gleich: Arme gestreckt, Zeigefinger gen Himmel. Kaká bedankt sich Treffer für Treffer bei Gott, und er gibt dazu denen, die Not leiden, in christlicher Nächstenliebe. Zehn Prozent seines jährlich auf neun Millionen Euro geschätzten Einkommens spendet der gläubige Fußballstar einer evangelischen Kirchengemeinschaft. Ob er eines Tages auch Pfarrer wird, wie der 27 Jahre alte Brasilianer einmal angekündigt hat, mag bezweifelt werden, doch ganz sicher gehört Kaká zu jenen Protagonisten in seinem Beruf, die vorleben, was sie predigen.

Der 1,88 Meter lange Spielmacher und Genius der brasilianischen Nationalmannschaft ist ganz gewiss ein guter Mensch - auch deshalb sind sie bei den Vereinten Nationen stolz, Kaká als Botschafter im Kampf gegen den Hunger in der Welt gewonnen zu haben. Wäre er nicht ein Fußballer von hohen Gnaden geworden, der vor kurzem gegen die Mega-Ablösesumme von 65 Millionen Euro vom AC Mailand zu Real Madrid gewechselte Südamerikaner mit der Lebensart eines stil- und modebewussten Europäers hätte wohl auch als Arzt, wie es sich seine Mama einmal gewünscht hat, oder als Ingenieur wie sein Herr Papa Karriere gemacht.

An Eleganz und Ballgefühl nicht zu übertreffen

Kaká aber ist neben Cristiano Ronaldo und Lionel Messi einer der drei besten Fußballer des Planeten und an Eleganz und Ballgefühl sowieso von niemandem zu übertreffen. Derzeit zelebriert der Regisseur und Anführer der Selecao seine exquisite Kunst mit einem Lächeln auf den Lippen beim Confederations Cup in Südafrika. Und das so eindrucksvoll, dass niemand anderes als er zum Turnierende als bester Spieler ausgezeichnet werden dürfte. Erst einmal aber müssen die Brasilianer an diesem Donnerstagabend im Ellis Park zu Johannesburg ihr Halbfinalspiel gegen den Gastgeber und Ausrichter der Weltmeisterschaft 2010 gewinnen. Wie für jeden Gegner hat Kaká auch gegenüber Bafana Bafana viel Lob und Respekt geäußert, und wie immer bereitet er sich vollkommen seriös vor. Schließlich ist sein langjähriger Mannschaftskamerad, der italienische Rekordnationalspieler Paolo Maldini, sein Vorbild.

„Er“, sagt der Weltfußballer des Jahres 2007, „hat alles erreicht, was man im Fußball erreichen kann. Und doch war er jeden Tag im Training motiviert und einer der besten.“ Wie Maldini auf der zur Mannschaftsdienlichkeit verpflichtenden Position des Linksverteidigers ist Kaká auch in der Regisseursrolle ein Vorkämpfer des Ensembles. Geradezu uneitel hat er in den drei siegreich gestalteten brasilianischen Gruppenspielen des Konföderationenpokals mit seinen Tempodribblings Lücken gerissen und Räume gefunden, in denen er seine mitgelaufenen Kameraden anspielen konnte. Wenn die dann wie Mittelstürmer Luis Fabiano vollstreckten, was der Kopf der Mannschaft eingeleitet hatte, war Kaká überglücklich. Selbst kann er, der es bisher auf zwei Tore in diesem Wettbewerb brachte, auch noch Torschützenkönig des Confed-Cups werden, doch ist ihm das nicht besonders wichtig. „Wo andere eine Sackgasse sehen, erspäht er einen Horizont“, haben sie in Brasilien einmal über Ricardo Izecson dos Santos Leite, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, geschrieben und damit sein magisches Auge für den besten Pass zum richtigen Zeitpunkt und gemeint.

Sein Nationaltrainer Carlos Dunga hat Kaká zum alleinigen Mittelfeldchef gemacht, nachdem dessen langjähriger Nebenmann Ronaldinho in eine Schaffenskrise geriet und sich auf zu vielen Egotrips verirrt hatte. Kaká bringt die neue, kristallene Klarheit ins oft genug verwirrend bis betörend anmutende Spiel der Selecao. „Er ist nicht nur ein Fußballer, er ist auch ein Athlet“, schwärmt Dunga, einst ein eher rustikaler Leader in der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1994. Dabei sprach in seiner Jugend wenig dafür, dass sich dieser behütete Sohn aus gutem Elternhause einmal dem professionellen Fußball hingeben würde. Erst mit zwölf Jahren begann er zu kicken und wurde dann beim aristokratischen FC Sao Paulo angemeldet. Als Schüler war er so fleißig und begabt, dass er jedes Studium der Welt hätte in Angriff nehmen können. Vor der Wahl zwischen dem, was ihm im Blut lag, und dem, was sein Kopf ihm vorgab, entschied Kaká sich dann mit 17, es ein Jahr lang auf Probe mit der Kunst am Ball zu versuchen. Dann gab es keine Umkehr mehr, mochte sich das Ausnahmetalent auch mit 18 bei einem Sprung in einen viel zu flachen Swimming Pool einen Halswirbelbruch zugezogen haben.

Halswirbelbruch mit 18

Er hatte Glück, die Ärzte bekamen ihn wieder hin. Kaká arbeitete dann so emsig an sich, dass aus dem höflichen, zart gebauten und besaiteten Jungen auch ein harter Kämpfer in den Duellen um Balleroberung und Ballbesitz wurde. Er reifte schnell und faszinierte durch sein strategisch kluges und dazu unangestrengtes Spiel. „Einen wie ihn“, sagte sein früherer Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira, „findest du nur alle fünfzig Jahre.“ Inzwischen hat er, der beim brasilianischen WM-Triumph 2002 gerade mal 18 Minuten auf dem Platz stand, 68 Länderspiele auf dem straffen Buckel. Inzwischen hat er seine Jugendliebe Caroline Celico geehelicht, ihr gemeinsamer Sohn Luca ist ein Jahr alt, und „Mr. Nice Guy“, wie der Mann ohne Skandale heißt, hat sich überall auf der Welt Freunde gemacht.

Kaká, den Bayer Leverkusen einst verpflichten wollte, schätzt den deutschen wie den englischen Fußball, doch er liebt den Calcio. Seine sechs Jahre beim AC Mailand haben ihn entscheidend geprägt. Dort wurde er nicht nur Meister (2004) und Champions-League-Gewinner (2007), dort fühlte er sich sehr schnell heimisch. Eben deshalb fiel Kaká der Abschied von Milan schwer. „Ich bin dem Land und dem Verein zu großem Dank verpflichtet“, sagte er zum Abschied, „in mir sind viele Eigenschaften des italienischen Fußballs, und ich bin glücklich darüber.“ Auch deshalb war es ihm am Sonntag in Pretoria eine Selbstverständlichkeit, unmittelbar nach dem 3:0-Triumph des fünfmaligen Weltmeisters Brasilien über den WM-Titelverteidiger Italien in die Kabine der schwer geschlagenen und niedergeschlagenen Azzurri zu gehen, um mit den alten Weggefährten aus der Serie A noch einmal zusammenzukommen. „Auf dem Platz waren wir Gegner, aber die Kameradschaft geht weiter“, sagte Kaká danach. Er wird auch für die Südafrikaner, sollten sie an diesem Donnerstagabend erwartungsgemäß verlieren, tröstliche Worte oder Gesten aus vollem Herzen übrig haben. Eine Herzlichkeit, die echt ist und dem mit vielen Fouls, Tricks und Gemeinheiten verhafteten Fußballsport gut tut. Böse kann ihm, der in Brasilien über 250 Fanklubs hat, niemand sein. Der bibelfeste Kaká ist ein Geschenk Gottes.

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