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FAZ.NET-Übersteiger Die Welt zu Gast bei Vuvuzela

28.06.2009 ·  Die Vuvuzela schafft es beim Confed-Cup in Südafrika über neunzig Minuten spielend, den Europäern den Nerv zu rauben. Doch auch ohne die armlange Plastiktröte wird den Afrikanern längst der europäische Marsch geblasen.

Von Michael Horeni
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Die Vuvuzela, manchmal auch Lepatata genannt, bedeutet „Krach machen“. Vuvuzela ist Zulu und macht genau das, was sie bedeutet: Krach. Die armlange Plastiktröte schafft es über neunzig Minuten spielend, den Europäern den Nerv zu rauben. Überall bei den Fernsehstationen beschweren sich Zuschauer wegen dieses seltsamen Geräuschs, das mit dem Confederation Cup eine unüberhörbare Verbindung eingegangen ist.

Bis zu 105 Dezibel soll ein einziges Ding laut werden können, und das summende Geräusch hat das Zeug dazu, auch zum weltweit verbreiteten südafrikanischen Sommer-Sound des kommenden Jahres zu werden. Die Welt zu Gast bei Vuvuzela.

Eine WM und selbst ihr kleiner Bruder Confed dürfen kulturell vielleicht ein bisschen bunter sein als ein, sagen wir, einheitströtender Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne. Ist natürlich nicht so. Ein südafrikanisches Blatt hat wegen der Vuvuzela-Proteste (in Deutschland heißt das: „Gegen Vuvuzelas - pro Stimmung“) wütend vermerkt, ob Europa nicht aufgegangen sei, dass sie nicht mehr die Kolonialherren seien.

Fehlanzeige: Richtiges Bier und richtige Autos

Nun sollte man um ein paar Tröten vielleicht nicht einen solchen Lärm machen. Aber es stimmt schon: Vielen wäre es ganz lieb, wenn kulturelle Unterschiede bei einer WM vor dem Tor blieben. Oder im Kulturprogramm. Die Individualität eines Ausrichterlands wird ohnehin bis zur Unkenntlichkeit beschnitten. Sponsorenrichtlinien können das besonders gut (2006 in Deutschland gab es nicht mal richtiges Bier und richtige Autos.)

Aber seien wir mal ehrlich: Wer möchte das eigentlich wirklich - der Welt mehr als eine dekorative Gastrolle zugestehen? Nationalteams schotten sich in ihren Quartieren in quarantänehafter Weise von Gastgeberländern ab. Für Stars spielt es keine Rolle, ob ein Turnier in der Schweiz oder Südafrika stattfindet. Oder Sponsoren bei Olympia. Sie laden ihre Gäste in deutsche, kanadische oder österreichische Häuser, um hübsch unter sich zu bleiben. Oder wir Touristen. Wir wollen im Club-Urlaub in der Ferne alles genauso haben, wie wir es kennen und schätzen. Indonesien im letzten Sommer: Total super. Oder war es Tunesien?

Früh anmelden - und die Tröte zu Hause lassen

Den Afrikanern wird auch ohne Tröte längst der europäische Marsch geblasen. Sie können nicht mal richtig Tickets kaufen. Die Südafrikaner, so heißt es kopfschüttelnd, seien es gewohnt, zum Stadion zu gehen und sich kurz vor dem Spiel eine Karte zu holen. Daran müssten sie dringend arbeiten bis zur WM. Es soll Zeiten gegeben haben, da sind Fans in Europa zum Stadion gelaufen und haben sich eine Karte gekauft. Einfach so. Aber das ist lange her. Also, Südafrikaner, für das nächste Mal: Schön früh anmelden (schriftlich) - und die Tröte zu Hause lassen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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