25.06.2009 · Der Confederations Cup hat ein Jahr vor der großen WM-Premiere einige Mängel offenbart. Auch ohne ständig die europäische Elle anzulegen, muss Südafrika noch viel tun, um Mindestanforderungen zu erfüllen.
Von Roland ZornVor vergleichender Eigenwerbung schrecken die Gastgeber nicht zurück. „Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010“, sagt Danny Jordaan, der Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees, „wird die größte, beste und sicherste aller Zeiten.“ Einen gewaltigen Anspruch haben sich die Südafrikaner für das bedeutendste Sportereignis des kommenden Jahres aufgebürdet. Können sie ihm auch gerecht werden?
Nach dem Verlauf der Generalprobe, des derzeit in der Republik am Kap ausgetragenen Confederations Cups, bleiben eine Reihe von Zweifeln. Sosehr sie nämlich vom Ehrgeiz beseelt sind, die traditionellen Führungsnationen des Fußballs mit einer De-Luxe-Veranstaltung erster Klasse noch zu übertreffen, so empfindlich reagieren manche der am Großunternehmen Weltmeisterschaft beteiligten Spitzenfunktionäre, aber auch die Medien des Landes auf berechtigte Kritik an kleineren und größeren Pannen, die während des am Sonntag endenden Turniers auftraten, und an Versäumnissen, die in den kommenden zwölf Monaten noch aufzuarbeiten sind. Da wird dann gern auf die Besonderheit nicht nur Südafrikas, sondern des ganzen Kontinents verwiesen und der sogenannten „ersten Welt“ dringend empfohlen, sich doch bitte schön die afrikanische Sicht zu eigen zu machen.
Generalprobe hat einige Mängel offenbart
Dabei existiert nicht einmal unter den besonders skeptischen europäischen Beobachtern des Konföderationenpokals der Eindruck, Südafrika sei in der Rolle des Gastgebers einer Fußball-Weltmeisterschaft überfordert. Das Land, das wie kaum eine andere afrikanische Nation mit natürlichem Reichtum gesegnet ist, wird das am 11. Juni 2010 beginnende und einen ganzen Monat dauernde globale Sportspektakel in zehn teils neuen, teils renovierten Stadien stemmen können. Doch die vom Internationalen Fußball-Verband (Fifa) inszenierten und vom lokalen Organisationskomitee hilfreich begleiteten Spiele sind das eine, die südafrikanische Wirklichkeit jenseits der Arenen das andere Kriterium, an denen Erfolg oder Misserfolg des Events für Milliarden gemessen wird.
Wenn sich im kommenden Jahr die erwarteten 450.000 Fußballtouristen aus aller Welt nach Südafrika aufmachen werden, dürfen sie erwarten, dass das Menschenmögliche für ihre Sicherheit, ihre Mobilität und ihre Unterbringung unternommen sein wird. In dieser Hinsicht hat der Confederations Cup als Generalprobe vor der großen WM-Premiere Südafrikas einige Mängel offenbart.
Kriminalitätsrate in Südafrika nach wie vor hoch
Auch ohne ständig die europäische Elle anzulegen und an die nahezu perfekte WM-Schau in Deutschland vor drei Jahren zu denken, muss der erste afrikanische Organisator einer Fußball-Weltmeisterschaft noch viel tun, um einige Mindestanforderungen zu erfüllen. Wenn zum Beispiel der stellvertretende südafrikanische Sicherheitsminister Mbalula das Betreten problematischer Stadtviertel in Johannesburg anheimstellt, indem er sagt, es gebe keine „No-go“-Zonen, dann ist das ein ziemlich leichtfertiger Ratschlag, der nur den schönen Schein wahren soll.
Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate in Südafrika nach wie vor hoch. Der Sicherheitsstandard für die Bürger liegt weit unter dem in fast allen europäischen Ländern. Besucher müssen darauf gefasst sein, dass sie in bedrohliche Situationen geraten könnten. Auf diese Gemengelage weisen sogar die einheimischen Medien immer wieder direkt oder indirekt hin.
Abwiegeln und Beschwichtigen
Die politischen Autoritäten Südafrikas dagegen verlegen sich dieser Tage lieber aufs Abwiegeln und Beschwichtigen. Das Problem aber bleibt ihnen erhalten, und bei der WM darf der Gast überall da, wo Vorkehrungen zu seinem Wohlbefinden erforderlich sind, Lösungen erwarten. So auch in der Transportfrage, die in diesen Wochen häufiger zu Chaos und ausweglosen Situationen geführt hat.
Schnellbusse wurden bestellt, aber durch den Einfluss der mächtigen Taxi-Syndikate fürs Erste nicht auf die Straße gelassen. Die Verkehrssteuerung zu den Stadien verursachte an den Spieltagen ein großes Durcheinander, das Park-and-ride-System funktionierte nicht. Auf die maroden Eisenbahnen wird man Fremde guten Gewissens nicht verweisen können. Die Schwierigkeiten türmen sich.
Afrika hat anderes zu bieten als Perfektionismus
Mehr als die Südafrikaner bewies die Fifa ihr Talent zur Improvisation, als sie die Tore der Stadien für die Armen öffnete und ihnen per Freikarte den Besuch der Spiele ermöglichte, damit auf den weltweit verbreiteten Fernsehbildern ein begeistertes Publikum vorgeführt werden konnte. Ob die kommende Weltmeisterschaft, mitten im tagsüber milden, abends kühlen südafrikanischen Winter, auch das zahlende Publikum begeistern wird, steht noch dahin. Die Verantwortlichen werden noch einiges tun müssen, damit diese Veranstaltung nicht im negativen Sinn unvergesslich wird.
Afrika hat anderes zu bieten als Perfektionismus. Das ist reizvoll genug. Wenn die WM-Schlachtenbummler ein bisschen besser als sonst auf sich aufpassen und die Gastgeber sich nicht nur mit Herz, sondern auch mit prophylaktischem Verstand um ihre Besucher bemühen, kann die Weltmeisterschaft 2010 zu einem großen Erfolg werden. Aber auch nur dann.