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Confederations Cup Akustische Anarchie

18.06.2009 ·  Das schlichte Gesamtkunstwerk namens Vuvuzela nervt die Fußballspieler in Südafrika. Doch Sepp Blatter, der selbsternannte Afrikaner aus dem Wallis, beschwichtigt: „Wenn man nach Afrika geht, ist es eben laut.“

Von Roland Zorn
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Laut, lauter, Vuvuzela: Das ist die lärmende Wirklichkeit in Südafrikas Fußballstadien. Das Instrument, das nur einen Ton hervorbringt; die Tröte, die so aussieht wie die Blashörner in Hollywoods Ritterfilmen; der Sound, der die einen an trompetende Elefanten, andere an das Geräusch riesiger Bienenschwärme erinnert – dieses schlichte Gesamtkunstwerk namens Vuvuzela nervt.

Natürlich nicht die Einheimischen, die ihren armlangen Stimmungsmacher bei allen Spielen des Confederations Cups stets griffbereit dabei haben; gestört fühlen sich vor allem manche Stars. Xabi Alonso, der spanische Mittelfeldantreiber des FC Liverpool, schleuderte dem ohrenbetäubenden Geschmetter auf den Rängen als Erstes ein deutliches „Basta“ entgegen. Nach dem eigentlich stimmungstötenden 1:0-Geduldssieg über den Irak in Bloemfontein predigte Xabi tauben Ohren: „Die Vuvuzelas sind ein Ärgernis und tragen nichts zur Atmosphäre bei. Sie sollten verboten werden.“

„Wenn man nach Afrika geht, ist es eben laut“

Für den Confed-Cup sind sie erst einmal erlaubt, auch weil sich der Internationale Fußball-Verband (Fifa) von dem kollektiven Tribünen-Gebläse akustisch eine speziell afrikanische Note erhofft hatte. Inzwischen denkt wohl auch Fifa-Präsident Joseph Blatter gelegentlich wie jemand, der sich mit den Worten „Ich höre wohl nicht recht“ abgrenzt.

Blatter aber ist ein selbsternannter Afrikaner aus dem Wallis und schon deshalb mit dem tiefen Wohlklang des Alphorns vertraut. Vielleicht stellt er sich dieser Tage auch vor, wie es wäre, wenn man den „Hopp-Schwyz“-Fußballfans das Mitbringen von mächtigen Kuhglocken untersagte.

Also überhört die Fifa fürs Erste die Klagen der sich belästigt fühlenden Fußballstars. Blatter sagt zwar, „die Vuvuzelas machen ziemlich viel Lärm, und die Fifa ist durchaus besorgt über den Lärm, der auch im Fernsehen dauernd zu hören ist“; er gibt dann aber zu bedenken: „Wenn man nach Afrika geht, ist es eben laut. Ich habe immer gesagt, Fußball ist Trommeln, Rhythmus, Tanzen.“

Im Stadion blasen alle ins gleiche Horn

Getrommelt wird in den Confederations-Cup-Arenen von Johannesburg, Pretoria, Rustenburg und Bloemfontein auch noch, und rhythmisch bewegt tanzen ganze Fanklubs durch die Spiele dieser Generalprobe für die WM 2010. Dass Südafrikas Fußballfans dazu die Backen aufblasen und ins Plastikhorn stoßen, ist eine beachtliche Energieleistung. Man sollte diesen Blase-Bälgern ihr Lieblingsspielzeug besser nicht wegnehmen.

Im Stadion blasen alle ins gleiche Horn, und auf dem Rasen müssen alle denselben Lärm ertragen. Die kakophonischen Blasorchester der südafrikanischen Geräusch-anarchisten spielen vermutlich auch bei der WM auf. Wer sie nicht mehr hören kann, sollte sich die Ohren zu- oder den Ball flach halten – eine Spezialität der spanischen Fußballstars, deren Fans in Madrid oder Barcelona auch gern Krach machen. Anders halt, aber auch unüberhörbar.

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