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Schweinegrippe Nur keine Panik

11.11.2009 ·  In Berlin lädt Gesundheitsminister Rösler an diesem Dienstag zum Impfgipfel, um sich mit seinen Ressort-Kollegen aus den Ländern über die weitere Vorgehensweise zu verständigen. In Hessen sind derzeit dreizehn Schulen geschlossen. Ein Fallbeispiel aus Frankfurt.

Von Caren Braun und Matthias Trautsch
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Das Händeschütteln gehört an der Freien Waldorfschule eigentlich dazu. Am Eingang des Schulgebäudes im Frankfurter Stadtteil Dornbusch steht morgens ein Lehrer, der jedes Kind per Handschlag willkommen heißt. Es ist nur ein kleines Ritual, aber es deutet an, was für viele Eltern den Unterschied zu einer herkömmlichen Schule ausmacht: An einer Waldorfschule, so sind sie überzeugt, werden Kinder nicht nur als Schüler, sondern als Menschen wahrgenommen.

Trotz aller Symbolkraft könnte es mit dem anthroposophischen Händeschütteln aber bald vorbei sein. Der Grund ist die Schweinegrippe. Das hessische Kultusministerium hat in einem Informationsblatt, das an den Schulen verteilt wurde, darauf hingewiesen: Um einer Ansteckung vorzubeugen, sollte man auf „den üblichen Händedruck und andere körperliche Kontakte bei der Begrüßung“ verzichten.

Bitte Händewaschen, beim Husten Abstand halten

Womöglich haben sich auch die Schüler der Carlo-Mierendorff-Schule beim Händeschütteln angesteckt. Vier Kinder im Alter zwischen dreizehn und sechzehn Jahren seien an der Schweinegrippe erkrankt, sagt Mechthild Wagenhoff. Nervös wirkt die Leiterin der Integrierten Gesamtschule in Frankfurt-Preungesheim deshalb nicht. „Wir versuchen das ernst zu nehmen, aber nicht aufzubauschen.“ Die Schulleiterin hat die Eltern der betroffenen Stufen über die vier Erkrankungen informiert. In dem Brief steht, was eigentlich selbstverständlich ist: Bitte Händewaschen, beim Husten Abstand halten, und kranke Kinder nicht zur Schule schicken.

Mehr ist für Frau Wagenhoff derzeit nicht nötig. Wenn sich das Virus sehr stark ausbreiten sollte, wäre eine Schließung einzelner Klassen nach ihrer Meinung zwar möglich. Das hätte dann aber keine medizinischen, sondern organisatorische Gründe: Wenn zu viele Lehrer wegen Infektionen ausfielen, fiele Unterricht aus.

„Wir werden deshalb keine Schule schließen“

In Hessen hatten am Dienstag wegen der Schweinegrippe dreizehn Schulen geschlossen. Außerdem waren 30 einzelne Klassen vom Unterricht befreit. In keinem der Fälle gehe es jedoch darum, die Infektion einzudämmen, wie das hessische Gesundheitsministerium mitteilte. Vielmehr sei aufgrund der vielen erkrankten Schüler und Lehrer ein sinnvoller Unterricht nicht mehr möglich gewesen. Derzeit sei die Situation nicht so besorgniserregend, dass bei einzelnen Influenzafällen eine ganze Schule geschlossen werden müsse.

In wie vielen Kindertagesstätten und Schulen die Schweinegrippe grassiert, kann niemand sagen. „Wir nehmen an, dass es in jeder Schule Fälle gibt“, sagt Oswald Bellinger, Infektiologe des Frankfurter Gesundheitsamts. „Wir werden deshalb keine Schule schließen. Den Einrichtungen selbst steht das allerdings frei.“ Um zumindest einen Überblick über die Lage zu haben, werde mit Hilfe des Schulamts ein internes Überwachungssystem für Krankheitsfälle aufgebaut, das aber noch ganz am Anfang stehe.

Impftermine vergeben Haus- oder Kinderärzte

Für die Frankfurter Lehrer bietet das Gesundheitsamt inzwischen Termine für Impfungen gegen das A/H1N1-Virus an. Entsprechende Anmeldelisten sind gestern an alle Schulen verschickt worden. „Wir haben kalkuliert, dass sich gut 1000 Lehrer bei uns impfen lassen werden“, sagt Bellinger. Weitere Termine für Erzieherinnen in Kindertagesstätten soll es danach geben. An alle Einrichtungen hat das Gesundheitsamt außerdem Informationsblätter verschickt, auf denen die wichtigsten Verhaltensregeln zur Schweinegrippe stehen: Kinder müssen nach der Ansteckung zehn Tage lang zu Hause bleiben, Jugendliche, die älter sind als vierzehn Jahre, sieben Tage lang, Lehrer ebenso. Gesunde Geschwisterkinder dürfen grundsätzlich weiterhin Schule oder Kindergarten besuchen. Impftermine vergeben Haus- oder Kinderärzte.

Dass bei einer weiteren Ausbreitung der Pandemie landesweit Schulen und Kindertagesstätten aufgefordert werden könnten zu schließen, hält man im hessischen Gesundheitsministerium für undenkbar. „Das hätte auch erhebliche Konsequenzen für das gesamte öffentliche Leben, da dann viele Eltern nicht arbeiten gehen könnten“, sagt Sprecherin Ulrike Grzimek.

Auf den Elternabenden der Freien Waldorfschule wird unterdessen über die Gefahren des Händeschüttelns diskutiert. Die Stimmung ist so wie überall, wo derzeit über Schweinegrippe gesprochen wird: Sie liegt irgendwo zwischen entspannt und panisch. „Jeder reagiert auf so was anders, das ist genauso wie bei den Läusen“, sagt ein Vater. Und ergänzt nach kurzem Nachdenken: „Aber im Moment sind Läuse noch das größere Thema.“

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Jahrgang 1972, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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