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Ölpest „Nationale Katastrophe“ am Golf von Mexiko

30.04.2010 ·  Nicht 160.000 Liter Rohöl, sondern fast 800.000 Liter Rohöl fließen am Golf von Mexiko täglich unkontrolliert ins Meer. Der Ölteppich treibt unaufhaltsam auf die Küste zu. Das Abfackeln der Öls bezeichnen Umweltschützer als „reine Verzweiflungstat.“

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Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko scheint aussichtslos: Die Rettungsarbeiten der Unterwasserroboter am Bohrloch sind erfolglos, der Ölteppich treibt unaufhaltsam auf die amerikanische Küste zu. Und nun das: In 1500 Metern Tiefe ist ein drittes Leck entdeckt worden, aus dem Öl ungehindert ins Wasser strömt. Fachleute der amerikanischen Meeresschutzbehörde NOAA schätzen, dass dadurch pro Tag fast 800.000 Liter Rohöl ins Meer gelangen. Das ist fünf Mal so viel wie die bislang angenommenen 160.000 Liter täglich. Auch der Betreiberkonzern British Petroleum (BP) hat seine Zahlen inzwischen korrigiert. Der Ölteppich könnte bereits am Freitag das ökologisch hoch sensible Mississippi-Delta erreichen.

Die amerikanische Regierung hat die Ölpest am Donnerstag zur „nationalen Katastrophe“ erklärt. Nach Angaben des Weißen Hauses ordnete Präsident Barack Obama zudem an, alle verfügbaren Ressourcen zur Bekämpfung des Ölteppichs einzusetzen. Auch ein Einsatz der Armee sei möglich. Der Gouverneur des Bundesstaats Louisiana,, Bobby Jindal, hat bereits den Notstand erklärt. Dies ermöglicht es den Behörden des Bundesstaates, Notmittel einzusetzen und Unterstützung aus Washington zu bekommen.

„Das Abfackeln des Ölteppichs ist eine reine Verzweiflungstat“

Derweil begannen die Rettungskräfte mit dem kontrollierten Verbrennen einzelner Parzellen des gewaltigen Ölteppichs. Der erste „Testbrand“ dauerte 45 Minuten. Da das Abfackeln eine beträchtliche Luftverschmutzung verursache, wolle man zunächst das Ergebnis des Testbrands bewerten und erst danach über weitere Schritte entscheiden, sagte Matthew Schofield, Sprecher der amerikanischen Küstenwacht. Allerdings könnten die Versuche, den Ölteppich abzufackeln, zu spät kommen. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend. Die Winde im Golf von Mexiko werden stärker. Und viel schlimmer: ihre Richtung dreht sich und treibt den Ölteppich auf die amerikanische Küste zu.

Umweltschützer sind ohnehin skeptisch. „Das Abfackeln des Ölteppichs ist eine reine Verzweiflungstat“, sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte der Naturschutzorganisation WWF in Hamburg. „Hier geht es nur noch darum, das Allerschlimmste zu verhindern.“ Die Schadstoffe des Öls würden damit nur in die Atmosphäre verlagert. In Europa würde man in solchen Fällen das Öl an der Wasseroberfläche absammeln. Doch dafür sei es schon zu spät. „Der Ölteppich ist bereits viel zu groß.“ Er ist auf eine Größe von 160 mal 72 Kilometer gewachsen. Die amerikanische Regierung habe angeboten, die Expertise und die Ausrüstung des Verteidigungsministeriums zur Verfügung zu stellen, um die Ölpest einzudämmen, sagte Mary Landry von der Küstenwacht. Verursacht wurde die Katastrophe Anfang vergangener Woche durch eine Explosion auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Nach einem zweitägige Brand war die von BP geleaste Plattform gesunken. Seitdem strömen jeden Tag mehrere tausend Liter Rohöl ins Meer.

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