20.06.2010 · Derzeit rechnen die Wetterdienste mit acht bis vierzehn schweren Wirbelstürmen im Nordatlantik, die theoretisch auch den Golf von Mexiko erreichen könnten. Das würde das Ausmaß der Umweltkatastrophe noch erhöhen. In Amerika wurde neue Kritik an BP-Chef Hayward laut.
Die bevorstehende Hurrikan-Saison im Nordatlantik könnte die Lage im Golf von Mexiko weiter verschärfen. Die Wetterdienste rechnen mit acht bis vierzehn schweren Wirbelstürmen, normal wären sechs. Sollte einer davon den Golf von Mexiko erreichen, könnte er den dortigen Ölteppich auf die amerikanische Küste zutreiben und so das Ausmaß der Umweltkatastrophe noch erhöhen.
Zugleich warnen Wissenschaftler um William Teague vom Naval Research Laboratory in Mississippi vor Sturmschäden an den Ölpipelines, die den Golf durchziehen. Die Forscher haben Daten von Unterwasser-Sensoren ausgewertet, über die im Sommer 2004 zufällig der Hurrikan Ivan hinweggezogen war. Demnach verursachen solche Stürme auch am Meeresboden so starke Wellen, dass sie unterseeische Rohrleitungen zerstören können. Teague fordert daher, Ölpipelines künftig im Meeresboden zu vergraben.
Neue Kritik an BP-Chef Hayward
Der Besuch einer Segelregatta hat dem umstrittenen BP-Chef Tony Hayward neue Kritik in den Vereinigten Staaten eingetragen. Das sei die letzte in einer Reihe von Fehlleistungen im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko, sagte Präsident Obamas Stabschef Rahm Emanuel am Samstag im Fernsehen. „Um Hayward zu zitieren, er hat sein altes Leben zurück.“ Emanuel nahm damit eine heftig kritisierte Äußerung des Konzernchefs auf, er sehne sich nach seinem Leben vor dem Unglück zurück. Eine BP-Sprecherin teilte mit, nach wochenlangem Einsatz gegen die Umweltkatastrophe habe Hayward mit seinem Sohn das Sportereignis vor der Isle of Wright besucht.
Hayward war auch bei seiner Anhörung im amerikanischen Repräsentantenhaus massiv von Abgeordneten kritisiert worden. Die Politiker warfen dem Konzernchef vor, extreme Risiken zulasten der Sicherheit eingegangen zu sein. Hayward entschuldigte sich für die Explosion und den Untergang der Bohrplattform „Deepwater Horizon“, bei der am 20. April elf Arbeiter getötet worden waren. Das Unglück hat die schwerste Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte verursacht.
BP zahlte bereits Millionen-Entschädigungen
Der britische Konzern BP hat nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko bereits 104 Millionen Dollar (knapp 84 Millionen Euro) an Entschädigungen gezahlt. BP habe bereits 64.000 Klagen erhalten, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Es sei das Ziel des Konzerns, dass all diejenigen, „die wegen der Ölpest kein Geld verdienen konnten“, entschädigt würden, hieß es in der Erklärung. Dies betreffe vor allem Fischer und Garnelenfischer.
Nach Angaben von BP ist ein Team von rund tausend Angestellten mit der Bearbeitung der Flut an Schadenersatzforderungen beschäftigt. In den von der Ölpest betroffenen Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida seien insgesamt 33 Außenstellen dafür eingerichtet worden.
Teilhaber an „Deepwater Horizon“ will keine Mitverantwortung
Der amerikanische Erdölkonzern Anadarko, der zu einem Viertel an der untergegangenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" beteiligt ist, warf BP vor, die schlimmste Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte sei "das direkte Ergebnis rücksichtsloser Entscheidungen und Aktionen von BP". Der britische Konzern wies die Kritik zurück. Anadarko weigere sich, seine Mitverantwortung für die Ölpest anzuerkennen, teilte das Unternehmen mit.
Der amerikanische Präsident Barack Obama und die Republikaner hielten sich derweil am Samstag gegenseitig Versäumnisse vor. Obama sagte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache, die Opposition sperre sich gegen die Abschaffung der bisherigen Haftungsobergrenze von 75 Millionen Dollar für Ölfirmen. Die Republikaner kritisierten im Gegenzug, Obama habe viel zu langsam reagiert.