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Ölpest im Golf von Mexiko Kein Fischfang an Amerikas Südküste mehr

03.05.2010 ·  Amerika muss wegen des Ölunglücks den Fischfang im Golf von Mexiko fast komplett stoppen. Auf den britischen Ölkonzern BP kommen gewaltige Forderungen zu. Allein die Kosten der Aufräumarbeiten werden auf bis zu 7 Milliarden Dollar geschätzt.

Von Patrick Welter, Washington
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Die amerikanische Bundesregierung hat in weiten Bereichen der Gewässer östlich der Mississippi-Mündung den Fischfang untersagt. Die Sperre, welche die Küstenstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida betrifft, werde mindestens zehn Tage dauern, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Zunehmend greift die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko damit in das Wirtschaftsleben der Küstenregion ein.

Die Hauptlast des Unglücks liegt auf Louisiana. Der Staat hat nach Alaska die zweitgrößte Fischwirtschaft der Vereinigten Staaten. Der Wert des kommerziellen Fischfangs wird für Louisiana auf rund 2,4 Milliarden Dollar geschätzt, bei einem gesamten Bruttoinlandsprodukt von rund 145 Milliarden Dollar. Krabben, Austern und Krebse gehören zu den beliebten Produkten. Nach unterschiedlichen Angaben trägt in Louisiana mindestens ein Fünftel zur heimischen Produktion an Meeresfrüchten in den Vereinigten Staaten bei. Mehr als 1800 Fischer und Farmer sind in Louisiana im kommerziellen Fischfang und in der Austern- und Krebszucht tätig. Der Tourismus wirft rund 8,3 Milliarden Dollar im Jahr ab. Inwieweit die Reisebranche von der Ölkatastrophe getroffen wird, ist unklar. New Orleans informiert auf seiner Internetseite darüber, dass der Tourismus in der Stadt seinen gewohnten Gang gehe.

Der Vergleich mit der Exxon-Valdez-Katastrophe hinkt

Die Kosten der Ölkatastrophe sind derzeit nicht solide abzuschätzen. Unklarheit besteht schon darüber, wie viel Öl derzeit aus den drei Bruchstellen der Pipeline täglich in das Wasser fließt. Ursprünglich wurden 1000, dann 5000 Barrel (159 Liter) am Tag genannt. Dies entspräche 80.000 Litern am Tag. Die amerikanische Regierung fürchtet, es könnten bis zu 100.000 Barrel, also 159 Millionen Liter am Tag sein. Genaues weiß aber niemand. Die Unsicherheit verdeutlichen Schätzungen von Analysten von Investmenthäusern, die sich allein für die Aufräumarbeiten auf zwischen 1,1 bis 7 Milliarden Dollar belaufen.

Ein Vergleich, der gerne herangezogen wird, ist das Unglück des Öltankers Exxon Valdez, die 1989 vor Südalaska auf ein Riff lief. Die Kosten für Aufräumarbeiten oder Verdienstausfälle wurden damals auf rund 3,8 Milliarden Dollar geschätzt,. Das entspricht nach heutigem Geldwert mehr als 5 Milliarden Dollar. Auch zahlte Exxon nach Festlegung durch den Obersten Gerichtshof 507 Milliarden Dollar Schadensersatz. Der Vergleich mit der Exxon-Valdez-Katastrophe im kalten und nahezu menschenleeren Alaska hinkt freilich. Vom jetzigen Unglück sind mehr Menschen betroffen, während andererseits das wärmere Wetter dazu beitragen dürfte, dass das Öl sich schneller zersetzt.

Bislang spricht BP von 6 Millionen Dollar am Tag

Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, dringt in Washington auf Geld für Umschulungen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Das Unglück ist besonders schwer für die Fischer zu ertragen, die erst vor fünf Jahren vom Hurrican Katrina getroffen wurden. Die Austernfarmen haben sich gerade erst einigermaßen von den damaligen Schäden erholt. Der britische Ölkonzern British Petrol (BP) stellt in den betroffenen Regionen temporär Hunderte von Fischern ein, um bei den Säuberungsarbeiten zu helfen. Was auch als gut gemeinte Hilfsmaßnahme vor Ort gemeint ist, hat dem Konzern einen Imageschaden verpasst. Proteste rief das vertragliche Verlangen von BP hervor, dass die Zeitarbeiter im Gegenzug auf Schadensersatzansprüche für Verletzungen während der Aufräumarbeiten verzichten. Am Sonntag stimmte BP nach einer Gerichtsanhörung zu, diese Passagen aus den Verträgen zu streichen.

BP, das zu 65 Prozent an dem Ölfeld beteiligt ist, bestätigte am Montag abermals, die Kosten für die durch das Unglück verursachten Schäden übernehmen zu wollen. Andere Partner an dem Macando-Ölfeld sind das amerikanische Unternehmen Anardako und das japanische Handelshaus Mitsui. Nach amerikanischem Recht sind die Besitzer einer Ölquelle für die Schäden eines Unglücks verantwortlich, inklusive der Kosten von Regierungsstellen. Hinzu kommen Schadensersatzansprüche. BP spricht bislang von 6 Millionen Dollar am Tag für die Aufräumarbeiten. Fischer und Austernzüchter haben bei einem Gericht in New Orleans schon erste Klagen gegen BP und den Betreiber der Ölplattform, Transocean, eingereicht. Auch der amerikanische Öldienstleister Haliburton, der kurz vor dem Unglück Reparaturarbeiten an der Ölquelle durchführte, steht vor Schadenersatzforderungen.

Für British Petrol ist die Katastrophe der dritte schwere Betriebsunfall binnen fünf Jahren in den Vereinigten Staaten. 2005 kam es zu einer Explosion in einer BP-Raffinerie in Texas, ein Jahr später verursachte eine durchgerostete Pipeline in Alaska große Umweltschäden. BP steht unter Druck, weil die untergegangene „Deepwater Horizon“ keinen zusätzlichen Notfall-Mechanismus hatte, mit dem das Ölventil am Meeresboden funkferngesteuert hätte geschlossen werden können. Diese knapp 400.000 Euro teuren „Akustik-Schalter“ sind indes bislang in den Vereinigten Staaten anders als etwa in Brasilien und Norwegen üblich nicht gesetzlich vorgeschrieben.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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