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Öl im Golf von Mexiko Kein Kunde an der Angel

10.05.2010 ·  Nach dem Verlust seines Charterboot-Unternehmens durch den Wirbelsturm Katrina hat sich der Amerikaner Peace Marvel gerade wieder eine Firma aufgebaut. Nun könnte er sie durch den Ölteppich wieder verlieren: Er fischt trotz Öl weiter - er muss.

Von Patrick Welter, Venice
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„Ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, wie ich mir und meinen Kapitänen helfen kann“, sagt Peace Marvel. „Es hilft niemandem, zu jammern oder verrückt zu werden.“ Der leicht rötliche Haarschopf Marvels, eines Charterbootkapitäns in Venice, der kleinen Stadt im Südosten Louisianas an der Flussmündung des Mississippi, verrät die irische Abstammung. Er spricht mit fester Stimme, die seine Anspannung nur mühsam verdeckt.

Das sich ausbreitende Öl im Golf von Mexiko ist für den 43 Jahre alten Unternehmer nach dem Wirbelsturm Katrina der zweite Schlag in fünf Jahren. Als damals auch nach neun Monaten die Kundschaft noch zurückkommen wollte, drückten die Schulden so stark, dass er sein Charterboot-Unternehmen „Reel Peace Charter“ verkaufen musste. Im vergangenen Jahr hatte Marvel damit begonnen, ein neues Unternehmen aufzubauen. „Dieser Sommer sollte es bringen“, sagt er. Daraus wird wohl nichts. Die Reservierungen, die sonst im Mai für die Hochsaison bis zum August eingehen, fehlen diesmal. „Es ruft niemand an, wegen der schlechten Presse“, sagt Marvel. „In der Öffentlichkeit ist der Eindruck entstanden, dass man von Venice aus nicht mehr fischen kann.“ Das stimme zwar nicht, aber der Ruf sei beschädigt: „Das wird ein schlechtes Jahr.“

Schon im Winter Umsatzeinbußen von 60 Prozent

Zwei Töchter hat er, ein drittes Kind, der erste Sohn, ist unterwegs. „Ich muss diesen Sommer Geld machen, ich muss“, sagt er beschwörend. Drei Boote besitzt er, zwei davon sind groß genug für den Einsatz vor der Küste. Vier Charterkapitäne beschäftigt Marvel als Subunternehmer. Schon der außergewöhnlich schlechte Winter habe Umsatzeinbußen von 60 Prozent gebracht. Von September bis Februar seien die Winde so stark gewesen wie noch nie. Ausfahrten waren nur selten möglich. Marvel hat bei BP seinen Antrag auf Schadensersatz eingereicht, und er hat sich darum beworben, im Auftrag des Ölkonzerns mit seinen Schiffen bei den Reinigungs- und Rettungsarbeiten zu helfen. Bislang hat er noch keine Antwort erhalten. „Die sind wohl mit Anträgen überhäuft“, sagt er mit einem gewissen Verständnis.

Normalerweise ist der Kapitän im Mai mehr als die Hälfte seiner Zeit vor den Chandeleur-Inseln unterwegs, einem unbewohnten Riff vor der östlichen Küste Louisianas. Dorthin bringt er seine Kunden zum Wattangeln. Die Chandeleur-Inseln mit ihren vielen Pelikanen sind eine wichtige Brutstätte für Vögel. Jetzt sind sie für die Fischerei gesperrt. Zum Ende der Woche trieb dort der erste Ölfilm an Land. Auch dem Charterkapitän Marvel bleibt jetzt nur der Fischfang weiter draußen auf dem Meer. Am Freitag war er das letzte Mal mit Stammkunden dort, westlich der Unglücksstelle der Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Gut ein Dutzend Thunfische brachte die Angelgesellschaft mit zurück in den Yachthafen von Venice. Marvel zerteilte sie geschickt vor den Kameras wartender Journalisten. „Sagt allen, dass wir immer noch fischen“, rief er trotzig. Der Ölteppich, der sich etwa fünf Meilen in Nord-Süd-Richtung erstrecke, sei nur noch zwei Meilen von der Küste vor Venice entfernt gewesen, berichtet der Kapitän. Er komme näher. Auf die wissenschaftlichen Berechnungen zur Ausbreitung der Ölpest gibt er wenig. „Eines habe ich in meiner Zeit als Fischer gelernt“, sagt Marvel. „Man kann die Strömungen nicht voraussagen, auch die Wissenschaftler können es nicht.“

Marvel ist Fischer durch und durch. „Fish hard – die rich“ steht auf seiner Visitenkarte, wer immer fleißig fischt, stirbt reich. Schon mit acht Jahren kam er nach Venice zum Fischen. Mit seinen 15 Dienstjahren gehört er zu den ältesten Charterkapitänen in der Stadt. „Wer weiß, was wird?“ Marvel nimmt seine kleine Tochter Eimhear in den Arm und sagt: „Es wird alles gut, solange wir zusammen sind.“

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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