01.05.2010 · Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die Talfahrt des BP-Aktienkurses beschleunigt. Der Börsenwert des Konzerns schrumpfte um 17 Milliarden Euro. Der gesamten Branche könnten nun strengere Sicherheitsvorschriften auferlegt werden.
Von Marcus Theurer, LondonAn der Börse wächst die Angst vor den finanziellen Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko für British Petroleum (BP). Seit der Explosion einer im Auftrag des britischen Ölkonzerns betriebenen Bohrplattform vor knapp zwei Wochen ist der BP-Aktienkurs um rund 12 Prozent eingebrochen. Der Börsenwert des Unternehmens ist damit binnen weniger Tage um rund 15 Milliarden Pfund (rund 17,2 Milliarden Euro) zusammengeschmolzen.
BP-Vorstandschef Tony Hayward leitet vor Ort selbst das Krisenmanagement des Konzerns. Analysten verglichen das Unglück im Golf von Mexiko mit der Havarie des Tankers Exxon Valdez und warnten zugleich vor Panikverkäufen. Die Havarie der Exxon Valdez im Jahr 1989 vor der Küste von Alaska war bislang die schlimmste Ölkatastrophe in Nordamerika. Das Unglück kostete den Ölkonzern Exxon damals einschließlich Strafzahlungen und Schadenersatz insgesamt 3,8 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro).
Vor allem seit klar wurde, dass fünf Mal so große Ölmengen ins Meer strömen als bisher befürchtet, hat sich die Talfahrt des BP-Aktienkurses beschleunigt. Am Freitag erreichte der Ölteppich erstmals die amerikanische Küste. Damit drohen die Umweltschäden sprunghaft zu steigen. Die Regierung des Bundesstaats Louisiana rief den Notstand aus. Gelingt es nicht, rasch das rund 80 Kilometer vor der Küste in der Tiefsee gelegene Bohrloch abzudichten, könnten in knapp zwei Monaten so viel Öl ins Meer fließen, wie im Fall der Exxon Valdez.
Der amerikanische Präsident Barack Obama hat klargestellt, dass BP „letztlich verantwortlich“ für die Kosten der Katastrophe sei (Golf von Mexiko: Verzweifelter Kampf gegen Ölpest). Der Konzern ist Inhaber der Bohrlizenz am Unfallort. Die untergegangene Bohrplattform „Deepwater Horizon“ wurde allerdings vom Schweizer Dienstleister Transocean im Auftrag von BP betrieben. BP beziffert die Kosten zur Bekämpfung der Ölpest bislang auf rund 6 Millionen Dollar (4,5 Millionen Euro) am Tag bei steigender Tendenz. Das ist zwar für den Konzern nicht allzu viel, denn BP hat allein im ersten Quartal seinen Nettogewinn auf 6,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Doch die Folgekosten einschließlich Strafen, Schadenersatzzahlungen, Imageschäden und einer möglichen Einschränkung des Geschäfts durch strengere Sicherheitsauflagen sind schwer abzuschätzen.
Amerikanische Fischer und Austernzüchter klagen
Amerikanische Fischer und Austernzüchter haben inzwischen bei einem Gericht in New Orleans erste Klagen gegen BP und Transocean eingereicht. Auch der amerikanische Öldienstleister Haliburton sieht sich wegen des Unglücks mit Schadenersatzforderungen konfrontiert. Die Katastrophe im Golf von Mexiko ist für das britische Unternehmen bereits der dritte schwere Betriebsunfall binnen fünf Jahren, für das es sich in den Vereinigten Staaten verantworten muss: 2005 kam es zu einer folgenschweren Explosion in einer BP-Raffinerie in Texas, ein Jahr später verursachte eine durchgerostete Pipeline des Konzerns in Alaska große Umweltschäden.
Die jüngste Ölkatastrophe könnte dazu führen, dass der gesamten Branche strengere Sicherheitsvorschriften auferlegt werden. „Wir werden dem sicherlich nicht im Weg stehen“, sagte BP-Chef Hayward in einem Gespräch mit der amerikanischen Zeitung „Wall Street Journal“. Nach einem Bericht des Blatts hatte die untergegangene „Deepwater Horizon“ keinen zusätzlichen Notfall-Mechanismus mit dem funkferngesteuert das Ölventil am Meeresboden geschlossen werden kann. Diese knapp 400.000 Euro teuren „Akustik-Schalter“ seien bislang in den Vereinigten Staaten anders als etwa in Brasilien und Norwegen üblich nicht gesetzlich vorgeschrieben. Das Unglück wirft auch Fragen auf, ob Ölkonzerne und Aufsichtsbehörden die Risiken der technisch zunehmend schwierig werdenden Ölförderung aus der Tiefsee unterschätzt haben. Diese ist für die großen westlichen Ölkonzerne wie Exxon-Mobil, Shell und BP in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Den Ölriesen macht zu schaffen, dass leicht erschließbare neue Lagerstätten selten geworden sind und zudem oft in politisch instabilen Ländern liegen oder von Staatskonzernen kontrolliert werden. Die amerikanische Regierung hat erst vor wenigen Wochen angekündigt, die Ölsuche auch in küstennahen Gewässern freizugeben. Nach dem Unfall im Golf von Mexiko wächst allerdings der Druck auf Präsident Obama, die Entscheidung zu revidieren.
Was so ein nicht funktionieren eines Sicherheitsventiles alles anrichtet.
Bodo Weis (stranger56web.de)
- 01.05.2010, 11:31 Uhr
Huch!
jürgen beck (j.beck)
- 01.05.2010, 13:44 Uhr
Security by MBA vs. Security by Engineer
Bjorn Kulms (bgks)
- 01.05.2010, 14:08 Uhr
Es mag sein, dass Obama ...
Sabine Mersmann (Sabine2772)
- 01.05.2010, 14:29 Uhr
Wachstums-Katastrophe
Klaus Hertzschuch (arcandor)
- 01.05.2010, 14:43 Uhr