26.07.2010 · Auf der ganzen Welt trauern Techno-Fans um die Verstorbenen und das Ende einer Rave-Institution. Auch im Internet wird viel diskutiert und virtuelle Kondolenzbücher erweisen den Opfern die letzte Ehre.
Von Anna WulffertAuch die Raver trauern um die Opfer von Duisburg – aber sie trauern auch um das populäre Musikfest. Der Techno-Pionier Sven Väth teilt mit, er sei traurig, dass die Parade „durch solch eine grobe Fahrlässigkeit ein derart dramatisches und fragwürdiges Ende findet“. Der Haupt-Act der Loveparade, David Guetta, der am Samstagmittag noch verkündete, er wolle den „biggest music livestream ever“ auf die Beine stellen, teilte seinen Fans am Abend via Facebook mit, dass er nicht auftreten werde: „Es ist herzzerreißend.“ Auch DJ Anthony Rother, der die Loveparade mit der Hymne „The Art of Love“ eröffnete, sendete via Facebook sein Beileid an die Angehörigen der Opfer. Ross Antony, der auf der Veranstaltung in einem Interview mit Moderatorin Sandy Meyer-Wölden die Atmosphäre noch „hervorragend“ fand, tweetete am Sonntag, er sei „total geschockt“.
Die entsetzten Reaktionen der Raver und DJs ergänzt Dr. Motte, der Erfinder der Loveparade, mit kühleren Worten über das endgültige Ende der Veranstaltung: „Es ist vielleicht besser so.“ Seitdem das Fest von McFit-Gründer Rainer Schaller veranstaltet wurde, sei es zu sehr „Dauerwerbesendung“ geworden. Dr. Motte war schon 2006 ausgestiegen. Vielleicht wäre der Vorschlag eines empörten Fans in seinem Sinne, der am Montag bei Facebook fordert, das Festival wieder nach Berlin zu verlegen: Dort habe es keine Absperrungen und mehr Platz gegeben.
Virtuelle Plattformen bieten Kondolenzbücher für Hinterbliebene an
Die sozialen Netzwerke beschäftigen sich ausgiebig mit der Duisburger Katastrophe. Viele Betroffene, Überlebende und Angehörige bekunden Mitleid und Entsetzen. Auf Plattformen wie „wer kennt wen“ werden zahlreiche Gruppen gegründet, wie „I survived Loveparade 2010“ oder „Loveparade 2010 im Gedenken“ mit schon 8300 Mitgliedern am Montagnachmittag. Man kann seine Trauer aber auch in eigens dafür aufgebauten virtuellen Kondolenzbüchern niederschreiben – aus Respekt vor den Opfern haben sie sogar das Zeichen des lachenden Smileys gesperrt.
In Duisburg bricht sich langsam die Trauer Bahn. Viele Menschen, unter ihnen die neue Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, haben Blumen an der Unglücksstelle abgelegt.
Doch es wird nicht nur getrauert, sondern auch ermittelt. So wurde die Seite loveparaderavercount.de gegründet, um die genaue Besucherzahl herauszufinden. Dort soll sich jeder Teilnehmer der Loveparade mit einem Klick registrieren, um dem stellvertretenden Polizeipräsidenten entgegenzuwirken, der behauptet habe, es hätten sich nur 150 000 Menschen auf dem Gelände befunden. Schon bis zum Montagabend hatten sich mehr als 50 000 Menschen registriert.