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Kommentar Erdrückende Bürde in Duisburg

31.07.2010 ·  Verantwortung kann Ruhm und Ehre bedeuten, sie kann aber auch zu einer schweren Bürde werden. Ein Oberbürgermeister, der nicht auf der Trauerfeier für die Opfer des größten Unglücks erscheinen kann, kann seine Pflichten nicht mehr erfüllen.

Von Stefan Dietrich
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Konsequent ist das nicht: Ein Bundespräsident, der sein Amt vorzeitig und „unverzüglich“ aufgibt, behält seine vollen Bezüge bis zum Lebensende; ein Oberbürgermeister, der das Gleiche tut, verliert sogar seine vor dem Wahlamt erworbenen Ruhegeldansprüche. Den kommunalen Wahlbeamten Sauerland trifft jetzt mit besonderer Härte der Satz, den Bundestagspräsident Lammert am 30. Juni vor der Bundesversammlung dem zurückgetretenen und dem zu wählenden Bundespräsidenten ins Stammbuch schrieb: „Niemand muss öffentliche Ämter übernehmen. Wer kandidiert und gewählt wird, übernimmt Verantwortung, die er mit all seiner Kraft, nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen hat.“

Verantwortung kann Ruhm und Ehre bedeuten, sie kann aber auch zu einer schweren, ja erdrückenden Bürde werden. Und gerade weil das so ist, wollte der Gesetzgeber einen direkt gewählten Oberbürgermeister auch nicht einfach davonlaufen lassen, wenn die Not am größten ist. Er hat dazubleiben und die Pflichten zu erfüllen, die er übernommen hat.

Kann der Oberbürgermeister seine Pflichten noch erfüllen?

Dieses Pflichtbewusstsein sollte man auch einem Oberbürgermeister Sauerland nicht rundheraus absprechen, der seit einer Woche nicht nur um seine Pension, sondern auch um seine Ehre kämpft. Schließlich hat er nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich der Verantwortung stellen werde, der er ohnehin nicht entkommt. Ein Oberbürgermeister aber, der nicht auf der Trauerfeier für die Opfer des größten Unglücks erscheinen kann, das seine Stadt in Friedenszeiten getroffen hat, kann seine Pflichten nicht mehr erfüllen.

Bei der Aufarbeitung der Massenpanik vom vergangenen Samstag haben alle Verantwortlichen - die Medien eingeschlossen - ein geradezu abstoßendes Schauspiel geboten. Außer Fritz Pleitgen, dem Repräsentanten von Ruhr 2010, der noch am weitesten vom Geschehen entfernt war, hat niemand so etwas wie Zerknirschung darüber an den Tag gelegt, dass man diese Love Parade unbedingt, auch unter Hintanstellung begründeter Warnungen, haben wollte. Dieselben, die jetzt die Jagd auf Sauerland freigegeben haben, hätten ihn in der Luft zerrissen, wenn er dem öffentlichen Druck widerstanden hätte. Diese Verantwortungsflucht lastet schwerer auf der Trauerfeier an diesem Samstag als ein noch nicht vollzogener Rücktritt.

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