27.07.2010 · Es kann kein Zweifel bestehen, dass bei Planung und Genehmigung der Loveparade schwere Fehler begangen wurden. Die Verantwortung dafür trägt der Oberbürgermeister - ob ihm persönliches Verschulden nachzuweisen ist oder nicht. Er muss daraus die Konsequenz ziehen.
Von Stefan DietrichDem Duisburger Organisationschaos mit absehbar katastrophalem Ausgang folgt nun ein ebenso fatales Kommunikationschaos. Während sich die Verantwortlichen für die Love Parade hinter staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen verstecken, denen sie „nicht vorgreifen“ wollen, werden in den Medien Zeugenaussagen und Dokumente herumgereicht, die dem Ergebnis seriöser Ursachenerforschung erheblich vorgreifen.
Der Anmelder der Veranstaltung erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei; und zu allem Überfluss mehren sich auch noch die Stimmen Unberufener, die schon lange vorher gewarnt haben wollen, es aber offenbar nicht laut genug und nicht an der richtigen Stelle taten. Der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger etwa kann zwar für sich in Anspruch nehmen, dass auch er als SPD-Vorsitzender von Duisburg die Love Parade kritisiert habe, allerdings nur wegen der Kosten für die Stadt.
Am Ende erschien eine Absage als die größte denkbare Katastrophe
Ansonsten gab es vor dem Unglück allenfalls kleinlaute Bedenken, aber sehr viele Stimmen, die Oberbürgermeister Sauerland dazu beglückwünschten, die „größte Party der Welt“ nach Duisburg geholt zu haben. Über Wochen wurde in den größten Zeitungen des Ruhrgebiets und auf den Kanälen des öffentlich-rechtlichen Regionalsenders die Werbetrommel dafür gerührt. Die Kulturhauptstadt Ruhr schmückte sich mit dem Ereignis und auch Innenminister Jäger stand noch am Freitag voll und ganz dahinter. Man hatte sich derart in diesen Event hineingeredet, dass am Ende eine Absage als die größte denkbare Katastrophe erschien.
Nach allem, was inzwischen durch Augenzeugen oder Indiskretionen ans Licht gekommen ist, kann kein Zweifel bestehen, dass bei der Planung und Genehmigung dieser Großveranstaltung schwere Fehler begangen wurden. Die Verantwortung dafür trägt in solchen Fällen der Oberbürgermeister als Chef der Verwaltung - unabhängig davon, ob ihm persönliches Verschulden nachzuweisen ist oder nicht, und auch unabhängig davon, ob er seine Bereitschaft bekundet, „sich der Verantwortung zu stellen“, wie Sauerland es getan hat. Vergeblich schaut er sich um nach Mitverantwortlichen, die ihn in dieses Abenteuer hineingetrieben haben. Die Verantwortung, die er trägt, ist aber nicht teilbar. Es wäre kein unzulässiger Eingriff in die Ermittlungen, daraus die Konsequenz zu ziehen.