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Golden League Zweikampf im Schatten des Phantoms

10.07.2009 ·  Für Tyson Gay und Asafa Powell ist Usain Bolt allgegenwärtig - auch wenn er nicht am Start steht. Gleichwohl versuchen beide vor dem Golden League-Meeting, ihren übermächtigen Gegner klein zu reden.

Von Claus Dieterle, Rom
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Nein, Usain Bolt ist nicht in Rom. Er wird definitiv nicht beim Golden-League-Meeting an diesem Freitag Abend im Startblock sitzen. Das war nie geplant. Aber dennoch ist der schnellste Sprint-Jogger der Welt in der Ewigen Stadt allgegenwärtig. Wer wüsste das besser als Tyson Gay und Asafa Powell, seine beiden hartnäckigsten Verfolger.

Der dreifache Weltmeister aus den Vereinigten Staaten und der frühere Weltrekordhalter aus Jamaika treten in Rom über 100 Meter gegeneinander an, ein Duell, das noch vor einem Jahr die Leichtathletik-Fans elektrisiert hätte. Aber nach dem, was Bolt bei den Olympischen Spielen in Peking veranstaltet hat, ist es zum Zweikampf im Schatten des Phantoms geschrumpft - über das die beiden mehr reden müssen als über sich selbst. Weil sie ständig nach dem Sprintphänomen gefragt werden.

Ob Bolt sie frustriert oder motiviert, ob sie nicht chancenlos seien? Da muss man gegenhalten. „Usain ist ein Konkurrent wie jeder andere“, behauptet Gay, und Powell pflichtet ihm bei: „Er ist einer von sieben anderen im Startblock.“ Es ist im eigenen Interesse, einen scheinbar übermächtigen Gegner, der die Weltrekorde über 100 (9,69 Sekunden) und 200 Meter (19,30) hält, auf Normalgröße zu bringen.

„Er ist lang, ich bin kurz“

Und da gibt es auch noch die uramerikanische Gewinnermentalität, auch wenn sie in Peking ein wenig gelitten hat. Tyson Gay, dem selten mehr als zwei Sätze über die Lippen kommen, reicht auf die Frage, ob er Bolt schlagen könne, ein einziges Wort. „Ja“, sagt er schlicht. Es klingt weder kämpferisch noch übertrieben selbstbewusst, aber der Amerikaner hat schon zweimal in dieser Saison deutliche Signale der sportlichen Art an Jamaikas Sprintwunder gesendet. Mit jenen 19,58 Sekunden über 200 Meter Ende Mai in New York, die immer noch Jahresweltbestzeit sind, und knapp vier Wochen später bei den amerikanischen WM-Ausscheidungen in Eugene, als ihn allerdings zu starker Rückenwind zu 9,75 Sekunden über die halbe Distanz trieb (siehe: Tyson Gay: Gesundheits-Check in 9,75 Sekunden).

Der Mann ist einerseits richtig gut in Form, obwohl seine Saison jetzt mit Rom erst ernsthaft beginnt. Andererseits hat er sich auch schon wieder beeindrucken lassen. Denn das Phantom hat am Dienstag mit 19,59 Sekunden für die 200 Meter in Lausanne zurückgeschlagen. „O ja, ich habe mir diesen Lauf angesehen“, sagt Tyson Gay und kann nicht verhindern, dass sein Urteil fast schon schwärmerisch klingt. „Er sah verdammt gut aus.“

Aber deswegen Angst vor Usain Bolt? „Nein, wirklich nicht. Jeder ist schlagbar“, sagt Gay und behauptet, seine Chancen, im August in Berlin Weltmeister zu werden, seien genauso groß wie die von Bolt. Und auf den größten Unterschied zwischen dem Jamaikaner und ihm angesprochen, sagt er augenzwinkernd: „Er ist lang, ich bin kurz.“ Nein, viel wichtiger als das sei doch der Unterschied zwischen dem Tyson Gay des Jahres 2008 und dem von heute. „Damals war ich lange nicht richtig fit und bin mit zu wenig Rennpraxis nach Peking gekommen. Heute bin ich zu hundert Prozent gesund.“

Erst verkrampft der Kopf, dann die Beine

Das würde auch Asafa Powell gerne von sich behaupten. Der Mann, der mit 9,72 Sekunden seinem Landsmann Bolt bislang am nächsten gekommen ist, ist nach einer Knöchelverletzung erst „so bei 85 Prozent“ angekommen. „Für mich geht es darum, mich bei den Meetings in Form zu laufen“, sagt er. Aber sein eigentliches Problem liegt weiter oben. Powell ist der Mann, der nur ohne Druck schnell rennen kann. Bei Großereignissen verkrampft erst der Kopf, dann verkrampfen die Beine. „Ich arbeite jetzt mit einem Mentaltrainer zusammen“, sagt Powell, der am Dienstag in Lausanne über 100 Meter von Regen und Gegenwind auf 10,07 Sekunden heruntergebremst wurde.

Umso erstaunlicher, wie Bolt 19,59 Sekunden über 200 Meter laufen konnte. Vielleicht klingt Powell deshalb etwas vorsichtiger, wenn es um den Verdrängungswettbewerb an der Spitze geht: „Usain hat uns eine Marke gesetzt, und wir wissen, was wir tun müssen. Aber es ist definitiv möglich, unter 9,7 zu laufen.“ Er hält nichts von der These des unschlagbaren Supermannes. Er hat da so seine Erfahrungen gemacht. „Früher, als ich noch den Weltrekord hatte“, sagt Powell, „habe ich mich auch gefühlt wie Supermann.“ Bis Usain Bolt kam.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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