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Betty Heidler im Gespräch „Mit Doping allein ist niemand erfolgreich“

31.03.2009 ·  Obwohl sie Weltmeisterin ist, arbeitet sie an der Vereinfachung ihrer Technik. Betty Heidler im Gespräch mit Uwe Martin über ihre Disziplin (Hammerwerfen), ihre Lieblingsstadt (Berlin) und ihren Umgang mit Dopingsünderin Lysenko (kalte Schulter zeigen).

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Sie ist die Weltmeisterin im Hammerwurf, bei der WM vor zwei Jahren ließ sie den Hammer auf 74,76 Meter fliegen. Jetzt arbeitet sie an der Einfachheit des Wurfs - und an der Titelverteidigung (siehe: „Berlin, Berlin“: Betty Heidlers Hammer-Wildcard). Betty Heidler im Gespräch.

Sie haben Anfang März in Südafrika den Hammer mit 74,25 Meter so weit geschleudert wie seit Ihrem WM-Sieg vor zwei Jahren nicht mehr - eine überraschende Frühform?

Wir hatten in Südafrika die erste von zwei Trainingsspitzen in diesem Jahr, haben dort im Training viel mit leichten Geräten, aber auch mit dem Wettkampfhammer geworfen. Das hat sich positiv ausgewirkt. Etwas überraschend kam das Resultat letztlich doch, schließlich habe ich im Winter noch nie so weit geworfen. Ich bin im Ring etwas schneller, im Kopf lockerer geworden, und meine Technik hat sich verbessert. Ich spüre nicht mehr den Krampf, dass ich mich beweisen muss.

Ihr Trainer Michael Deyhle hat gesagt, Sie hätten im vergangenen Jahr zu viel Kopfarbeit geleistet.

Ich hatte im Wettkampf nie den Gedanken: Geh mal voll drauf! Sondern alle möglichen technischen Kleinigkeiten und zudem Druck aus dem Training im Kopf: Wie setze ich das um? Und je länger es dauert, dass man es nicht umsetzt, umso zappeliger und unzufriedener wird man.

Weltklasse-Hammerwurf als Reduzierung auf das Wesentliche, ist es das?

Ja. Weg von dem Wissenschaftlichen, hin zum Einfachen. Einfach Hammerwerfen. Nur weit werfen. Und ganz vorne sein, so oft wie möglich.

Für die WM 2009 in Berlin haben Sie das Motto „Ich will gewinnen“ ausgegeben. Gibt es noch irgendetwas hinzuzufügen?

Natürlich will ich meinen Titel verteidigen, das ist doch normal. Und dieses Ziel steht ja nicht irgendwo, so dass ich es nicht erreichen könnte. Auf Sieg werfen, so lautet der Slogan für das ganze Jahr 2009. Aber wenn ich bei der WM Silber oder Bronze gewinnen sollte, werde ich auch nicht unglücklich sein.

Denken Sie über ihren drei Jahre alten deutschen Rekord von 76,55 Meter nach?

Ich weiß, dass ich meinen Rekord verbessern werde. Aber wann das sein wird? Vielleicht bei der WM, vielleicht nächstes Jahr.

In Berlin erwartet Sie eine doppelte Herausforderung: Sie sind Titelverteidigerin, zudem findet die WM in Ihrer Heimatstadt statt.

Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wer sich schon alles Eintrittskarten gekauft hat, um mich im Stadion zu unterstützen. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich gewinne, oben auf dem Treppchen stehe und Zehntausende singen die Nationalhymne mit, das motiviert unglaublich.

Würden Sie den Satz „Ich bin eine Berlinerin“ unterschreiben?

Ja, ohne Einschränkung. Ich bin eine Berlinerin und werde es immer bleiben. Irgendwann werde ich auch zurückkehren nach Berlin. Ich bin jetzt acht Jahre in Frankfurt, aber meine Familie und meine Freunde fehlen mir schon sehr. Und das Großstadtgefühl.

Sie waren das gefeierte Gesicht der deutschen Leichtathletik bei der WM in Osaka 2007, anschließend wurde es ruhiger. Wie geht man damit um?

Damals haben viele an mir gezuppelt, ich wollte es allen Leuten recht machen. Und ich bin ein Typ, der nicht nein sagen kann, wenn mich jemand bittet. Mir ist die Reduzierung auf das Wesentliche nicht gelungen. Das, was neben dem Sport lief, war zu viel.

Wie lange haben Sie gebraucht, um den neunten Platz bei Olympia 2008 zu verarbeiten?

Ich hatte nach den Spielen sechs Wochen frei, die habe ich genutzt: Urlaub und weg. Ich wollte keine Trainingsgruppe, keinen Trainer und auch keinen Wurfhammer sehen.

Sie sind als Polizeimeisterin freigestellt und studieren seit November Jura. Andere würden argumentieren, dass Hochleistungssport anstrengend genug sei.

Das war mir zu langweilig, also musste ich etwas tun. Und das Training nimmt ja keine sieben Tage in der Woche jeweils 24 Stunden in Anspruch. Ich mache ein Teilzeitstudium, bin nicht jeden Tag an der Uni und habe nicht den Anspruch, die Beste zu sein.

Im Mai kehrt die Doping-Sünderin und Weltrekordhalterin Tatjana Lysenko in den Ring zurück. Wie treten Sie der Russin gegenüber?

Ob sie da ist oder nicht, interessiert mich weniger. Es sind im Weltklassebereich ohnehin ausreichend viele Konkurrentinnen vorhanden. Aber ich werde mich schon anders verhalten als bei anderen, die nicht gedopt haben.

Haben Sie grundsätzlich ein ungutes Gefühl, wenn von Hammerwerfen in Russland die Rede ist?

Um ehrlich zu sein: ja. Nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit Doping, denn wir haben die Russen auch im Training gesehen. Sie trainieren ziemlich hart, und nur allein mit Doping ist niemand erfolgreich. Aber wir hatten vor zwei Jahren einen Wettkampf in Moskau, und da haben wir uns richtig beschissen gefühlt. Ich habe einen meiner besten Wettkämpfe gemacht, am besten gedreht und soll nur zwischen 70 und 71 Meter geworfen haben. Diese Veranstaltung gebe ich mir nicht noch einmal. Was auch gar nicht gehen würde, denn nachdem Tatjana Lysenko positiv getestet wurde, fand Hammerwerfen bei diesem Meeting nicht mehr statt.

Das Gespräch führte Uwe Martin.

Quelle: F.A.Z.
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