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Tablet PCs auf der IFA Forscher Wettstreit der flachen Webpads

05.09.2010 ·  Bei den Tablet-PCs gilt das iPad als Maß aller Dinge. Die IFA zeigt ein buntes Potpourri neuer Flachmänner. Doch es ist nicht einfach, einem Unternehmen wie Apple Paroli zu bieten, das sich der Perfektion verschrieben hat.

Von Michael Spehr
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Sich im Erfolg von Apple sonnen und einen tollen iPad-Konkurrenten auf den Markt bringen: Dieser fixen Idee haben sich ungezählte Hersteller in den vergangenen Monaten verschrieben - und einige sind mit ihren Schnellschüssen schon gescheitert. Der Internetanbieter 1&1 beendete unlängst die kurze und unrühmliche Karriere seines erst im Juli vorgestellten Smartpad: dieser Tablet PC war einfach nur Murks. Doch nun zeigt die Internationale Funkausstellung ein buntes Potpourri neuer Flachmänner. Die Ankündigungen überschlagen sich geradezu, und man hat den Eindruck, als ob alle Welt jahrelang nur auf die Tablets mit Fingerbedienung gewartet hätte. Eine Enttäuschung jedoch gleich vorab: Der mit großem Rummel angekündigte deutsche iPad-Rivale namens We Tab des Berliner Herstellers Neofonie soll zwar noch in diesem Monat in den Handel kommen, ist aber kurioserweise noch nicht so weit, dass man ihn dem Messepublikum vorführen kann. Es ist eben alles andere als einfach, einem Unternehmen Paroli zu bieten, das sich der Perfektion verschrieben hat. Und jeder neue Tablet PC wird sofort mit dem iPad verglichen, auch wenn man ganz andere Zielgruppen und Ansprüche im Visier hat.

Mit bloßer Nachahmung ist es also nicht getan, vielmehr sind neue Akzente gefragt, und die setzen vor allem jene Geräte, die mit dem Android-Betriebssystem aus der Smartphone-Welt ausgerüstet sind. Beispielsweise das Galaxy Tab von Samsung mit 18-Zentimeter-Display - deutlich kleiner als das Apple-Pendant, in der Bildschirmauflösung aber auf Augenhöhe (1024 × 600 Pixel) und im Vergleich mit dem großen Vorbild weniger schwer. Das Samsung wiegt nur 380 Gramm, während man beim iPad-Einsatz auf dem Sofa satte 700 Gramm in der Hand zu halten hat. Die Akku-Laufzeit soll stolze sieben Stunden betragen (hier liegt das iPad mit mehr als 10 Stunden klar vorn), aber in den technischen Details holt Samsung wieder auf. Das Galaxy Tab kann auf zwei Kameras zugreifen (3 und 1,3 Megapixel), ist also für Videotelefonie gerüstet. Der je nach Modellvariante 16 oder 32 Gigabyte große Speicher lässt sich mit Micro-SD-Karten erweitern, das ganz neue Bluetooth in der Version 3.0 ist eingebaut, und Wireless Lan sowie Mobilfunk mit UMTS sind ebenfalls dabei. Wie beim iPad sorgt der 1-Gigahertz-Prozessor für ein flottes Arbeitstempo. Das Samsung-Pad läuft mit dem aktuellen Android 2.2 und kommt Anfang Oktober in den Handel, stolze 800 Euro soll die kleinste Variante kosten.

Design-Modell aus Cupertino oder Android-Pad?

Wenn das Galaxy Tab, mit dem man übrigens auch telefonieren kann, als typisches Beispiel für die neue Generation der Webpads gelten darf, setzt sich nun der Wettstreit der Betriebssysteme auf einer neuen Hardware-Ebene fort: Bei den Smartphones sind Android und Apples iOS jene Platzhirsche, die in der Gunst der Kunden ganz weit vorn stehen. Wie bei den Smartphones wird man künftig auch bei den Tablets eine Grundsatzentscheidung treffen: lieber das schöne Design-Modell aus Cupertino, bei dem Apple jedes Detail und jede „App“ kontrolliert, oder das Android-Pad: nicht ganz so schick, aber mit mehr Schnittstellen und Funktionen ausgestattet, bislang frei von Gängelung und Restriktionen. Beide Plattformen zielen auf die gleichen Nutzungsszenarien, für beide sind Zusatzprogramme (“Apps“) in geradezu erdrückender Zahl erhältlich - und beide ersetzen keinen Notebook oder PC.

Das Android-Betriebssystem verwendet auch der französische Hersteller Archos, der sage und schreibe fünf Tablets mit Display-Größen bis 25 Zentimeter in Berlin vorstellt. Das günstigste (“28 Internet Tablet“) ist zwar eher ein Smartphone, kostet aber nur 100 Euro. Das Topmodell heißt „101 Internet Tablet“, bietet eine Auflösung von 1024 × 600 Pixel und ein schickes Metallgehäuse. Auch hier fehlt es an nichts: 1-Gigahertz-Prozessor, Kamera für Videotelefonie, HDMI-Ausgang zur Wiedergabe von Videos auf dem Fernsehgerät, Speichererweiterung mit Micro-SD-Karten. An den USB-Anschluss können nicht nur Festplatten angeschlossen werden, sondern auch Maus oder Tastatur. Vom Oktober an soll diese 480-Gramm-Flunder zu Preisen von 300 Euro an in den Handel kommen.

3D ohne lästige Zusatzbrille

Zum gleichen Zeitpunkt will auch der amerikanische Hersteller Viewsonic mit seinem Android-Tablet „Viewpad 7“ an den Start gehen. Für 400 Euro erhält man einen Apparat mit 18-Zentimeter-Display. UMTS, GPS-Satellitenempfang und Wireless-Lan gehören zur Serienausstattung. Zwei Kameras sind gute Voraussetzungen für Videotelefonie, und vermutlich ist sogar ein Telefonmodul eingebaut.

Dem aktuellen Trend zum Dreidimensionalen will sich die Tablet-Welt ebenfalls öffnen. Am Stand des chinesischen Unternehmens Rockchip sieht man eine Studie für 3D ohne die lästige Zusatzbrille, das Display nutzt eine ähnliche Technik wie die mobile Spielekonsole Nintendo 3DS. Aus Taiwan schließlich kommt ein Flachcomputer des Herstellers Hannspree: Ein 25-Zentimeter-Bildschirm und ein Gewicht von 800 Gramm deuten bereits die üppige Ausstattung an. Hochaufgelöste Videos sollen dank 1-Gigahertz-Prozessor flüssig laufen; über den Mini-HDMI-Ausgang soll man sie zudem auf einem Fernsehgerät ausgeben können.

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