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Tablet-Computer auf der IFA Die Konkurrenz bläst zum Angriff auf das iPad

03.09.2010 ·  Tablet-Computer gelten als der Wachstumsmarkt schlechthin. Samsung stellt sein Modell Galaxy Tab auf der IFA in Berlin vor, Apple soll demnächst ebenfalls einen kleineren Tablet-Computer anbieten. Weitere Unternehmen werden folgen. Nur Sony zögert und hat eigene Pläne.

Von Thiemo Heeg, Berlin
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Muss sich Apple jetzt Sorgen machen? Die Konkurrenz bläst verstärkt zum Angriff auf das erfolgreiche iPad. Der südkoreanische Elektronikriese Samsung präsentierte am Donnerstag auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin erstmals ein mit Spannung erwartetes Tablet-Gerät, das dem iPad Paroli bieten könnte. Vom Galaxy Tab getauften Modell will Samsung im kommenden Jahr 10 Millionen Stück absetzen und damit ein Drittel des Weltmarktes erobern.

Analysten zeigen sich jedoch skeptisch, ob dieses Ziel erreichbar ist. Das iPad wird nach Ansicht des Marktforschers iSuppli den Markt mindestens bis Ende 2012 dominieren. Auch das Marktforschungsunternehmen Gartner bewertete die Aussichten zurückhaltend. Fraglich sei, wie viele Apps für das Samsung-Modell verfügbar sein werden, hieß es. Die verfügbare Anwendungssoftware gilt als ein maßgeblicher Erfolgsfaktor. Das iPad werde trotz der wachsenden Konkurrenz auch 2011 noch einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent haben, schätzen die Experten. In den ersten 80 Tagen nach Markteinführung hatte Apple 3 Millionen Stück des flachen Computers verkauft.

Bildschirm deutlich kleiner als der des iPad

Dabei scheint das Galaxy Tab alles zu bieten, was das iPad bietet – und noch ein bisschen mehr. Unter anderem unterstützt das Gerät die neueste Version der für viele Internetseiten wichtigen Flash-Software von Adobe, die für die Darstellung von Online-Videos wichtig ist. Apple-Chef Jobs gilt als erbitterter Flash-Gegner und verweigert Adobe den Eintritt in die Apple-Welt. Damit bleiben viele Internet-Videos für iPad- und iPhone-Besitzer unzugänglich.

Samsung setzt beim Galaxy Tab auf Google. Das Gerät läuft mit der neuesten Version 2.2 des Google-Betriebssystems Android – ein im Gegensatz zu Apples iOS relativ offenes System. Der Bildschirm ist mit 7 Zoll deutlich kleiner als der des iPad, dessen Diagonale 9,7 Zoll misst. Damit ist das 380 Gramm schwere Samsung-Gerät besser geeignet für das Arbeiten unterwegs als das 680 Gramm schwere iPad. Apple soll jedoch demnächst ebenfalls einen kleineren Tablet-Computer anbieten. Viele Beobachter sehen in dem aktuellen Modell eher eine Surf-Station für das Sofa zu Hause. Mit dem neuen Tablet-Computer von Samsung lässt sich auf den „Android Market“ zugreifen, eine Sammlung von Apps – ähnlich wie in Apples App-Store.

„Social Hub“, „Media Hub“ und „Music Hub“

Damit relativieren sich die Bedenken von Skeptikern, zumal es diese Android-Programmsammlung inzwischen mit rund 120.000 Software-Schnipseln beinahe mit Apples Angebot aufnehmen kann.

Interessant sind auch die vorinstallierten Samsung-Anwendungen wie der „Readers Hub“, über den sich E-Books, Magazine und Zeitungen lesen lassen. Bei Markteinführung stünden mehr als 2 Millionen Bücher in 25 Sprachen sowie mehr als 1600 Zeitungen und mehr als 3000 Magazin-Titel zur Verfügung, hieß es. Mit einem „Social Hub“, einem „Media Hub“ und einem „Music Hub“ lassen sich über das Galaxy Tab zudem soziale Netzwerke verwalten sowie auf Filme und auf mehr als 10 Millionen Musiktitel zugreifen. Details nannte Samsung zunächst nicht. Die Verfügbarkeit variiert von Land zu Land; so soll der Media Hub zunächst nur in den Vereinigten Staaten zugänglich sein.

Sony wider Erwarten zurückhaltend

Diese Anwendungen zeigen, dass es Samsung nicht nur um die Hardware geht. Die Südkoreaner haben sich offensichtlich Gedanken gemacht, wie man Apple auch im Bereich von Online-Musik und -Filmen Paroli bieten kann. Ob sie damit gegen das beliebte iTunes-Programm punkten können, wird freilich erst die Praxis zeigen. Samsung ist nicht der erste und nicht der einzige Anbieter, der auf das iPad abzielt und den Markt für Tablet-Computer als große Wachstumschance sieht. Die Berliner Firma Neofonie dürfte im September mit dem We-Tab, das einen größeren Bildschirm besitzt als das iPad, auf den Markt kommen. Dell hat mit dem Modell Streak vor Wochen ein Gerät präsentiert, das mit seinem Fünf-Zoll-Display eher an ein Smartphone erinnert als an einen Tablet-Computer. Und bis zum Weihnachtsgeschäft wollen noch zahlreiche weitere Unternehmen, darunter Hewlett-Packard, Toshiba und Research in Motion, eines der flachen Geräte in das Produktportfolio aufnehmen.

Wider Erwarten zurückhaltend zeigte sich dagegen Sony. Firmenchef Howard Stringer sagte zwar, wenn ein Gerät „schön und wettbewerbsfähig“ sei, werde er damit starten. Doch bislang sind die Japaner offensichtlich noch nicht fündig geworden. Sie wollen zunächst mit einer Online-Multimedia-Plattform namens Qriocity gegen Apples iTunes Konkurrenz machen. Samsung dagegen hat schon weitere Hardware-Pläne. Im kommenden Jahr sollen weitere Tablet-Computer in unterschiedlichen Größen erscheinen. Zu den Preisen machte das Unternehmen bislang keine Angaben.

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