01.09.2010 · Eine Welle neuer Fernsehgeräte rollt auf die Verbraucher zu. Die neue Generation ist mit dem Internet verbunden und kann in 3D-Format senden. Allerdings ist die neue Technik noch teuer, kompliziert und unkomfortabel.
Von Thiemo Heeg, BerlinWenn die Deutschen sparen wollen, dann tun sie das fast überall, aber nicht bei der Unterhaltungselektronik. In diesem Jahr werden voraussichtlich so viele Fernseher verkauft wie noch nie zuvor. Mit einem geschätzten Absatz von rund zehn Millionen Stück dürfte sich jeder vierte Haushalt ein neues Gerät zulegen. Branchenverbände wie der Bitkom sprechen von einem Kaufrausch.
Da passt es perfekt, dass die Berliner Messegesellschaft am Freitag ein bemerkenswertes Jubiläum feiern kann. Zum 50. Mal startet die Internationale Funkausstellung (IFA), die weltgrößte Messe für Konsumelektronik und Haushaltsgeräte. Diesmal ist es eine Messe der Superlative: In den Hallen unter dem Berliner Funkturm werden so viele Produktneuheiten präsentiert wie noch nie.
Schon Wochen zuvor war die IFA ausgebucht, obwohl die Messe noch weitere provisorische Hallen errichtete. Mit 1423 Ausstellern wird die Spitzenzahl des Vorjahres – 1164 – deutlich überboten, die Ausstellungsfläche wächst um 11 Prozent auf 134 400 Quadratmeter, wie Messe-Geschäftsführer Christian Göke am Mittwoch sagte.
Hochauflösend und scharf - der neue Standard
Der Grund liegt in der neuen Technik. Über Jahrzehnte war der Fernseher nur – ein Fernseher. Heute ist er auf dem Weg zum digitalen Alleskönner, der zudem noch Bilder liefert, wie man sie so noch nie gesehen hat. Hochauflösend und scharf ist bei neuen Geräten schon Standard. Nun kommt die dritte Dimension hinzu sowie das Internet. HDTV und 3D heißen die Kürzel, die die Deutschen dazu bringen sollen, ihre Röhrengeräte der Elektroschrottsammlung anzuvertrauen. Es steht noch reichlich alte Technologie in deutschen Wohn- und Schlafzimmern. Der Elektroverband ZVEI geht von 25 Millionen Röhrengeräten aus.
Kritiker sprechen von einem Hype, von der Industrie geschürt. Tatsächlich ist 3D alles andere als eine Neuigkeit. Seit Jahren wird darüber diskutiert. Aber erst im vergangenen Jahr haben Branchenriesen wie Panasonic und Sony mit viel Marketingaufwand 2010 zum Jahr des dreidimensionalen Fernsehens erklärt. Noch ist das Ganze, wie immer bei neuer Technik, vor allem dreierlei: Ein wenig zu teuer, ein wenig zu kompliziert und ein wenig zu unkomfortabel. Allein die für 3D notwendige Shutter-Brille schlägt mit rund 150 Euro zu Buche. Und was im Kino funktioniert – ein Gruppenerlebnis mit Brille – mutet zu Hause eher seltsam an.
Es gibt zu wenig Inhalte
Doch Untersuchungen legen nahe, dass die dritte Dimension durchaus das Zeug zum Massengeschäft hat. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte sieht 3D als einen Megatrend, benennt jedoch gleich ein Hauptproblem. „Derzeit mangelt es noch an Inhalten.“ Das sind Fernseh-Sendungen und Filme. Die Auswahl an 3D-Filmen auf Blu-Ray-Discs, dem DVD-Nachfolger, ist noch gering. Zudem sind auch 3D-fähige Blu-Ray-Spieler noch teuer. 3D-Fernsehsender gibt es nicht.
Gegenwärtig müssen die Konsumenten mit dürren Angebotsansätzen vorlieb nehmen. Die Deutsche Telekom will zur IFA für die Kunden ihres Internetfernsehens Entertain einzelne 3D-Produktionen in ihrer Online-Videothek anbieten. Zu sehen sein sollen Kinofilme und Dokumentationen, zudem Sport-Aufzeichnungen.
So nimmt es nur wenig wunder, wenn Branchenexperten prognostizieren, dass der Abverkauf von 3D-Fernsehern in diesem Jahr gerade die 100.000-er-Marke überschreitet – das entspricht einem Prozent der Fernseher-Verkäufe in Deutschland. Aber Sorgen müssen sich die Hersteller nicht machen: Laut einer Bitkom-Umfrage wollen sich 16 Millionen Deutsche einen 3D-Fernseher kaufen.
Hybrid-Fernsehen mit Internet
Neben 3D steht auf der IFA die Verschmelzung von TV und Internet im Blickpunkt des Interesses. Angebote sogenannter Hybrid-Fernseher gibt es bereits, sie erschöpfen sich häufig in einem abgespeckten Internet, das leicht per Fernbedienung erreichbar ist. Vor allem Internet-Videos könnten künftig vermehrt auf dem Fernsehbildschirm zu finden sein – die Zuschauer sollen sich nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Filmen bewegen können.
In Deutschland geht zunächst das ZDF mit dem Hybrid-Fernsehen HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) an den Start. Der Sender will damit die Fernsehübertragungen mit Inhalten aus der Online-Mediathek verknüpfen. Auch Pro Sieben Sat 1 und RTL starten mit HbbTV-Angeboten. HbbTV ist ein neuer europäischer Standard.
3D und Internet-TV versprechen gute Geschäfte in ferner Zukunft; gleichwohl laufen die Geschäfte der Industrie schon heute ziemlich gut. Nach jüngsten Zahlen der Konsumforschungsgesellschaft GfK ist der europäische Unterhaltungselektronikmarkt im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent gewachsen.
Gewinne sind der Industrie sicher
Fernseher, so die GfK, bleiben dabei das Zugpferd der Branche. In Europa entfallen knapp drei Viertel der Konsumentenausgaben für Unterhaltungselektronik auf diese Gerätekategorie. Global betrachtet werden mit dem Fernseher dreistellige Milliardensummen umgesetzt: 2010 soll sich der Umsatz mit 252 Millionen verkauften Geräten auf rund 110 Milliarden Euro belaufen – das sind jeweils 6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Interessanterweise braucht die Industrie trotz grundsätzlich sinkender Elektronikpreise nicht um ihre Gewinne zu bangen. „Neue Technologien wie Flachbildschirme mit LED-Hintergrundbeleuchtung sowie eingebaute Festplattenrekorder tragen zu steigenden Durchschnittspreisen bei“, stellt die GfK fest. Mit durchschnittlich 540 Euro für einen LCD-Fernseher gäben die Konsumenten sogar etwas mehr aus als vor einem Jahr.
Nicht alle Elektronikunternehmen befinden sich freilich auf der Sonnenseite. „Unter Druck geraten weiterhin die vergleichsweise jungen Warengruppen der tragbaren Audio- und Navigationsgeräte“, konstatiert die GfK. Die Jahre des massiven Wachstums seien offensichtlich vorbei, beide Bereiche entwickelten sich in Europa zunehmend zu Verdrängungsmärkten.
kann in 3D-Format senden
ralph brodhar (brodhar)
- 01.09.2010, 20:29 Uhr
Alles schön und gut...
Eberhard Wedekind (wedekind3)
- 01.09.2010, 20:32 Uhr
Wozu?
Marcus Grundschok (magnuso)
- 02.09.2010, 23:08 Uhr