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IFA Der Reiz von Tiefenwirkung und Web-TV

05.09.2010 ·  Dreidimensionales Fernsehen und das Zusammenrücken von Rundfunk und Internet stehlen vielen anderen Themen auf der IFA die Schau. Doch alle großen Anbieter gehen mit eigenen technischen Lösungen ins Netz.

Von Wolfgang Tunze
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Preisfrage: Wenn gefühlte fünf Hundertschaften mit düsteren Brillen auf der Nase in einer abgedunkelten Halle sitzen - was ist das? Ein Mafia-Kongress? Nein, es ist eine Pressekonferenz auf der Internationalen Funkausstellung, kurz IFA, die noch bis zum kommenden Mittwoch unter dem Berliner Funkturm alles versammelt, was in der Welt der bunten Bilder und der starken Töne Rang und Namen hat. Ob Panasonic oder Sony: Die Botschaften bewährter Größen der Zunft wirken auf den bebrillten Gast, als gäbe es gar kein anderes Thema mehr. Das ist natürlich ein Zerrbild, aber Tatsache ist: Die Tiefenwirkung der Bilder fasziniert, und wir tragen zusammen, was die IFA wirklich Neues zum Thema bringt.

Interessante Heimkino-Ausrüstung kommt von Sony: Neben seinen 3D-Fernsehern stellt der Hersteller erstmals auch einen 3D-Projektor vor. Der VPL-VW90ES genannte Bildwerfer zeigt die plastischen Bilder mit der uneingeschränkten HD-Auflösung von 1080 Zeilen im Vollbildmodus. Zur genussvollen Betrachtung bedarf es derselben Shutterbrillen, die auch für 3D-Fernseher zur Pflichtausrüstung zählen. Die Bildfrequenz von 240 Hertz sorgt für glatte, ruckfreie Bewegungsabläufe. Natürlich taugt der Beamer auch für die normale 2D-Wiedergabe, und wenn er soll, errechnet er für klassisches zweidimensionales Material sogar die Tiefendimension. Im November soll das starke Stück in die Läden kommen. 3D auch auf dem Notebook gefällig? Dazu bietet sich ein neues Vaio-Modell von Sony an, das in Berlin allerdings erst als Prototyp zu sehen ist. Die Shutterbrille ist auch hier ein Muss; die Größe des Bildschirms, sie beträgt immerhin fast 40 Zentimeter, legt diese Technik nahe.

Lebensnahe Formate

Panasonic klotzt mit schierer Größe: Ein 3D-Plasma-Schirm des Herstellers, der locker ein Pferd in Lebensgröße abbildet, setzt eine Rekordmarke. 152 Zoll Diagonalmaß melden die Datenblätter, das sind fast 4 Meter. Für so manches Wohnzimmer (und so manche Stromrechnung) ist das etwas zu üppig. Deshalb kündigt der Hersteller neben seinen 50 und 65 Zoll großen 3D-Kalibern nun auch noch Plasma-Geräte mit 42 und 46 Zoll an (das entspricht 107 und 117 Zentimetern). Über diese lebensnahen Formate werden sich viele 3D-Freunde besonders freuen, denn die Plasma-Technik, da sind wir ausnahmsweise parteiisch, eignet sich ganz besonders gut zur Darstellung der dritten Dimension.

Ebenfalls neu: 3D-Brillen gibt es bei Panasonic nun sogar in drei verschiedenen Größen - zugeschnitten auf Familienmitglieder aller Altersstufen. Interessant sind auch die Utensilien für eigene 3D-Werke: Mit dem Modell HDC-SDT750 zeigt Panasonic den ersten Camcorder, der in 3D filmt. Und mit einer speziellen Vorsatzlinse will der Hersteller auch seine Foto-Systemkameras vom Typ Lumix G Micro 3D-fähig machen.

HbbTV als Standard

Samsung sorgt mit einer ersten 3D-tauglichen Aufnahmemaschine für Furore. Genauer: Es ist eine Kombination aus einem HD-Satellitenreceiver, der auch 3D-Bilder einfangen kann, einer 500 Gigabyte großen Festplatte zum Mitschneiden und einem 3D-tauglichen Bluray-Laufwerk, das dreidimensionale Hollywood-Werke abspielt. BD-C8900S heißt das gute Stück. Interessant ist auch, was Sky zum Thema meldet. Vom Oktober an will der Abo-Sender über Astra und das Netz von Kabel Deutschland Höhepunkte aus seinen Sport-, Film-, Dokumentations- und Unterhaltungsprogrammen in 3D ausstrahlen, darunter die Uefa Champions League und den DFB-Pokal.

Ein anderes wichtiges Thema auf der IFA ist das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet auf einem Bildschirm. Bunte Bildschirm-Tasten, die den iPhone-Apps ähneln, holen die Angebote aus dem World Wide Web auf die Mattscheibe - als Programmalternativen, die nur noch einen Klick vom Fernsehprogramm entfernt sind. Allerdings: Ob Sony, Panasonic oder Samsung - alle großen Anbieter gehen mit eigenen technischen Lösungen ins Netz und definieren so ihre eigenen Portale, die dann natürlich auch nur ein begrenztes Angebot an Inhalten erschließen. Abhilfe soll ein Industriestandard schaffen, der HbbTV heißt und den Diskussionen auf der IFA spannende Nahrung liefert: Lässt sich die Industrie auf Gemeinsamkeiten ein? Philips, Loewe, LG, Metz, Sharp und Toshiba jedenfalls unterstützen den Standard bereits, ebenso wie die Settop-Boxen-Hersteller Videoweb, Volksbox, Smart und Humax.

HbbTV lässt auch Verknüpfungen von Fernsehprogrammen und inhaltlichen Zusatzangeboten im Internet zu: Funkt der Sender eine Art Link, so genügt ein Druck auf die rote Taste der Fernbedienung, um die passende Website auszurufen. So taugt der Standard auch dazu, den betagten Videotext durch opulenter gestaltete HTML-Seiten zu ersetzen. Welcher Ansatz den größeren Charme entfaltet - die eher geschlossenen Portale oder der offene Standard, ist vorerst völlig offen. Denn die Protagonisten der eigenen Portale strengen sich mächtig an, deren Angebote immer vielseitiger und attraktiver zu machen und damit die Gerätemarke zu profilieren. Welche Tendenz also gewinnt die Oberhand? Mehr werden wir wissen, wenn in zwölf Monaten die nächste IFA zur Berlin-Reise ruft.

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