01.03.2010 · Am Dienstag beginnt in Hannover die Computermesse Cebit. Die Ausstellung steckt in der Krise: immer weniger Aussteller, immer weniger Besucher. Zum Auftakt versprach die Kanzlerin, steuerliche Anreize für Investitionen in Forschung und Entwicklung zu schaffen.
Von Thiemo Heeg und Stephan FinsterbuschDie Bundesregierung wird steuerliche Anreize für Investitionen in Forschung und Entwicklung schaffen. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Eröffnung der IT- und Computermesse Cebit am Montag in Hannover. Damit solle Deutschland seine Position als zentrales Glied in der internationalen Arbeitsteilung festigen. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero als oberster Vertreter des diesjährigen Cebit-Partnerlandes verwies während der Eröffnungszeremonie am Abend auf die erheblichen Fortschritte Spaniens in der Informationstechnologie und betonte: „Ein großes Thema unserer EU-Präsidentschaft ist unsere europäische Wirtschafts- und Wachstumsstrategie 2020.“
Einen Tag vor dem offiziellen Cebit-Start versprühte die Branche unterdessen Optimismus. Die Nachfrage vor allem in der Informationstechnik ziehe an, der Investitionsstau in den Unternehmen löse sich auf, sagte der Präsident des Branchenverbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer. Nach einer Umsatzstagnation im laufenden Jahr wird 2011 ein spürbares Wachstum erwartet. Scheer äußerte sich zuversichtlich, dass in der Bevölkerung die Bereitschaft vorhanden sei, technologischen Fortschritt zu schätzen. CDs und DVDs würden bald verschwinden, die Tapete werde zum Flachbildschirm, prognostizierte er. „Viele werden mit einem Computerchip unter der Haut herumlaufen; schon heute wäre jeder vierte bereit, das zu tun“, zitierte er aus einer Umfrage des Verbandes.
Dem Bitkom zufolge ist 2010 ein Jahr der Richtungsentscheidungen für die Computerwelt. Als wichtigstes Thema gilt das sogenannte Cloud-Computing. Dabei geht es darum, IT-Dienste über Netzwerke zur Verfügung zu stellen und die Daten auf Rechnern im Internet zu speichern. Bitkom will eine Initiative für eine „deutsche Cloud“ starten.
Die Cebit soll der Branche neuen Schwung verleihen: Fachleute erwarten, dass in den Messehallen Geschäfte im Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro angeschoben werden. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz der Informationstechnologie und Telekommunikation (ITK) in Deutschland um 4,3 Prozent auf 139,5 Milliarden Euro. 2010 sieht Bitkom als geschäftliches „Übergangsjahr“, für 2011 wird mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 141,8 Milliarden Euro gerechnet.
Der Branche scheint es damit noch besser zu gehen als der Cebit selbst. Nach dem kräftigen Einbruch im Wirtschaftskrisenjahr 2009 verliert die Messe 2010 weiter an Boden. Die Hightech-Ausstellung steckt in der Krise: immer weniger Aussteller, immer weniger Besucher, immer weniger vermietete Hallen. Die 1986 gegründete Cebit ist mit 4157 Ausstellern und 184000 Quadratmetern auf das Niveau des Jahres 1990 zurückgefallen. In guten Jahren waren es 6200 Aussteller und rund 310.000 Quadratmeter. Die Besucherzahl brach auf zuletzt 400.000 ein, nach fast 800.000 in den besten Jahren.
Kanzlerin Merkel stärkte der Messe zumindest rhetorisch den Rücken. Man spüre zwar den Hauch der Wettbewerber. „Aber die Bundesregierung möchte, dass die Cebit die weltgrößte Computermesse bleibt“, fügte sie hinzu.