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„Connected Living“ Ein Haus wie ein Computer

03.03.2010 ·  Waschen, Kochen, Musik hören - im vernetzten Haus wird alles das zentral gesteuert. Was lange Utopie war, könnte bald ein gutes Geschäft sein. „Das vernetzte Haus“ wird seit Jahren propagiert. Denn die Technik steht vor der Tür.

Von Thiemo Heeg, Hannover
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Das Thema begleitet die Cebit wie ein ungeliebter Gast, den man nicht loswird, vielleicht deshalb, weil er so viel verspricht. „Das vernetzte Haus“ wird seit Jahren propagiert, ohne dass sich außerhalb der Hannoverschen Messehallen Revolutionäres in deutschen Küchen, Schlaf- und Wohnzimmern getan hätte. Selbst Microsoft-Spitzenmanager Achim Berg muss zugeben: „,Connected Home', das wurde schon mindestens zehnmal auf der Cebit angekündigt.“ Der Internet-Kühlschrank, der das Handy klingeln lässt oder selbständig nachbestellt, sobald Eier, Milch oder Käse knapp werden - er wurde zum Sinnbild von Technik, die die Welt nicht braucht.

Dabei sind die Deutschen technischem Fortschritt keineswegs abgeneigt. Selbst so extreme Dinge wie einen unter die Haut implantierten Computerchip schließt immerhin ein Viertel der Bevölkerung laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom für sich nicht aus. Und schon in einer rund sieben Jahre alten Erhebung des Berliner Instituts für Sozialforschung zum „intelligenten Haus“ gaben 94 Prozent an, sie fänden es praktisch, wenn sich bei Abwesenheit die Zimmertemperatur automatisch reduzierte.

Stehen solche Funktionen jetzt vor dem Durchbruch in den Massenmarkt? Wird bald die Immobilie genauso „intelligent“ sein wie die Mobilie, das mit Elektronik vollgestopfte Auto? Die Unternehmen auf der Cebit hätten es jedenfalls gerne so. 25 Mitglieder zählt das Netzwerk „Connected Living“, zu dem sich Forschungseinrichtungen und Anbieter wie die AOK, die Bundesdruckerei, Cisco, die Deutsche Telekom, Loewe und Miele zusammengeschlossen haben.

Ihre „Vision der einfachen Heimautomatisierung“ klingt so: „Endlich Feierabend. Wer abends die Tür seines vernetzten Heims öffnet, kann sich freuen. Die Wäsche ist gerade fertig gewaschen, das Wohnzimmer gemütlich warm und der Auflauf im Ofen braucht nur noch 20 Minuten. Genauso lange wie nötig, um die Einkäufe in den intelligenten Kühlschrank zu verstauen und den Stress des Tages auf dem Heimtrainer mit Hilfe des virtuellen Assistenten abzustrampeln.“ Die Computermesse hat sich in diesem Jahr dem Slogan „Connected Worlds“ verschrieben, da passt „Connected Living“ gut ins Konzept. Stutzig macht jedoch, dass das Thema in den „Future Parc“ der Ausstellung verbannt ist.

Steuerung von unterwegs - per Smartphone

Dort zeigen die Hersteller ihre Vorstellung vom „Haus der Zukunft“, 400 Quadratmeter groß ist die Ausstellung. In der Küche sehen die Besucher, wie sich ein Brotbackautomat mit anderen Geräten verbinden lässt. Der „4 Star Cooking Assistant“, ein elektronischer Butler, schlägt Rezepte vor, die sich an den Vorlieben der Nutzer orientieren. Seine Einkaufslisten lassen sich auf einem Handy in den Supermarkt mitnehmen. So geht es weiter durch die anderen Räume: Im Gesundheitszimmer steht ein Heimtrainer, der darüber wacht, dass das Fitnessprogramm korrekt absolviert wird. Er kontrolliert Herzschlag und Blutdruck und stellt individuelle Trainings- und Ernährungspläne zusammen.

Im Wohnzimmer befindet sich die Schaltzentrale: Dort lässt sich über einen PC, ein Notebook oder einen Fernseher das Heimnetzwerk steuern - zur Not auch von unterwegs per Smartphone. Verbunden wird das alles durch die „Connected Living Home Service Platform“, kurz HSP. Ähnlich dem Betriebssystem eines Computers übernimmt die Software die Steuerung der Haushaltsgeräte: Die Startzeit für ein bestimmtes Waschmaschinenprogramm, die Regulierung der Backofentemperatur, das Erkennen einer versehentlich offen gelassenen Kühlschranktür.

Einfache Benutzerführung wird versprochen

Wie realistisch ist das nun? „Die heutige Heimvernetzung ist sehr teuer, wenn man auf bestehende Lösungen setzt“, sagt Sahin Albayrak, der Vorsitzende von Connected Living. Daher setzt der Unternehmens- und Wissenschaftszusammenschluss auf einen einheitlichen Standard, der verschiedene Vernetzungsarten ermöglicht. Mittelfristiges Ziel sei die kostengünstige Vernetzung mehrerer Haushalte. Unterdessen machen andere schon Nägel mit Köpfen.

Der Fertighausbauer Schwörer will in Zusammenarbeit mit Microsoft und dem Technologieunternehmen High Def schon Ende des Jahres ein, so heißt es, bezahlbares Angebot für „intelligentes Wohnen der nächsten Generation“ im Katalog haben: einen in die Wand integrierten Bildschirm, mit dem sich Haustechnik und Unterhaltungsfunktionen zentral steuern lassen. Mit seinem gemütlichen schwäbischen Idiom macht Firmenchef Thomas Schwörer nicht den Eindruck eines abgehobenen Technikfreaks. Er gibt vielmehr den bodenständigen Praktiker. Aber warum, deutet er rhetorisch an, solle ein Hausbauer nicht ein wenig von der Automobilindustrie lernen: „Man fährt durch einen Tunnel, und das Licht geht an. Im Haus muss man noch immer zum Schalter laufen und das Licht anmachen, wenn's dunkel wird.“

Vielleicht schon bald nicht mehr. In einem Video ist zu sehen, wie eine Frau sämtliche Funktionen zentral bedient: Musik - läuft - Wohnzimmer. Licht - eingeschaltet - Kinderzimmer. Fenster - geöffnet - Arbeitszimmer. Die einfache Benutzerführung mache es für Menschen jeden Alters einfach, die Anlage zu bedienen, verspricht Thomas Schwörer. Das System baut auf Gestensteuerung mit den Fingern und auf Microsoft: Grundlage ist das neue Betriebssystem Windows 7. Selten war das vernetzte Haus so nah und so konkret wie in der Kooperation von Schwörer und Microsoft. Jetzt müssen nur noch die Häuslebauer mitziehen. Zur nächsten Cebit wissen wir mehr: Entweder hat die Technik dann eingeschlagen. Oder sie ist weiterhin ein Fall für den „Future Parc“.

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