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Cloud Computing Eine Wolke aus Daten braut sich zusammen

02.03.2010 ·  In den Messehallen der Cebit in Hannover ist Cloud Computing eines der Schlagworte. Die Politik will Datensammlungen begrenzen, IT-Konzerne wie Google setzen aber auf das Cloud Computing.

Von Stephan Finsterbusch, Hannover
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Draußen stürmt es, und drinnen sprechen sie viel und oft von Wolken - von großen Wolken, von Riesenwolken, von Datenwolken. In den Messehallen der Cebit in Hannover ist Cloud Computing eines der Schlagworte. Während die Politik in Berlin gerade Front gegen die Folgen der globalen Digitalisierung, gegen das großangelegte Sammeln, Speichern und Auswerten umfangreicher Kundendaten durch private Unternehmen und gegen die Marktmacht von Konzernen wie Google, Apple oder Yahoo macht, rüsten Unternehmen wie Microsoft, IBM und Hewlett-Packard technisch auf.

Das stößt in Berlin auf viele Bedenken und noch mehr Befürchtungen. Vom Kanzleramt über das Ministerium für Verbraucherschutz bis zum Bundesinnenministerium gibt es Pläne, die Datensammelleidenschaft privater Unternehmen zu beschneiden und zu begrenzen. Mit Blick auf die Verbreitung verbotener Inhalte oder den Datenmissbrauch müsse die Politik sich mit Gefährdungen des Internets auseinandersetzen, ließ sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Internetauftritt vernehmen. Ilse Aigner (CSU), Ministerin für Verbraucherschutz, erklärte: „Alles hat seine Grenzen.“

Bei manchen Erfindungen wie der Gesichtserkennungs-Software für Fotohandys zur Identifizierung von Menschen läuft es der Ministerin nach eigenen Worten kalt den Rücken hinunter. „Selbst George Orwell hätte sich das nicht träumen lassen“, meinte Aigner. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigt sich da etwas gelassener. Er eröffnete Anfang des Jahres einen Dialog mit der Branche und schlägt jetzt vor, dass IT-Unternehmen einmal im Jahr den Bürgern Auskunft über die gespeicherten Daten geben sollten. Martin Jetter, Deutschland-Chef von IBM, sagte: „Wir gehen doch von einem mündigen Bürger aus.“ Es sei in der Verantwortung jedes Einzelnen, sensibel mit den eigenen Daten umzugehen.

„Wir haben Datenschutzgesetze, und die sind sehr eng und sehr gut“

„Jeder, der heute die über ihn gesammelten Daten einsehen will, muss das auch können und dürfen, und er kann und darf das in vielen Teilen ja auch“, sagt Jetter. „Wir haben Datenschutzgesetze, und die sind sehr eng und sehr gut.“ Daher sei die Stimmungsmache in Berlin gegen Entwicklungen wie etwa Cloud Computing fehl am Platz. „Cloud ist der Trend der Zeit“, urteilt Patrick Schmidt, Deutschland-Chef für Virtualisierung des Netzwerkausrüsters Cisco. Es mache Geschäftsprozesse effizienter, Analysen in den Unternehmen schneller und senke die Kosten für elektronische Datenverarbeitung.

Wer aus dem unternehmerischen Mittelstand sich keinen eigenen Serverpark leisten kann, wer von den Konzernen seine IT-Kosten senken will, mietet sich für die Abwicklung der Datenprozesse auf einer der Computerfarmen ein - er geht in die Wolke. Dafür stellen Konzerne wie Google Microsoft, IBM, T-Systems oder Amazon riesige Rechenzentren mit gigantischen Kapazitäten bereit. Die Beobachter von International Data Corporation (IDC) schätzen das Marktvolumen für diese Datenwolke auf 42 Milliarden Dollar. Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch gingen vor zwei Jahren in ihrer Studie „Der Kampf um Cloud“ gar von 160 Milliarden Dollar aus. Diese Schätzung wird von Fachleuten mit viel Vorsicht genossen.

„Mit Cloud erleben wir die Rückkehr der Großcomputer“

Nach einer Umfrage des Analystenhauses Gartner unter den Technikchefs von 1500 Großunternehmen in der Welt steht Cloud Computing auf der IT-Agenda der Konzerne an Nummer zwei. Nummer eins ist die bessere Auslastung der Rechenzentren. „Das geht mit Cloud Hand in Hand“, meint der Chef von Cisco Deutschland, Schmidt. „Mit Cloud erleben wir die Rückkehr der Großcomputer in neuer Form“, sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Verbandes Bitkom. Der Trend sei nicht mehr zu stoppen. Marc Fischer von IBM erklärt: „Wir werden in den kommenden Monaten die Rückkehr zentraler Rechnersysteme sehen.“ Die waren vor der Rundumausstattung vieler Büros mit Personal Computern (PCs) schon einmal da - in den sechziger Jahren, als Unternehmen begannen, auf Computer zu setzen, um die Daten ihrer Betriebsabläufe zu verarbeiten. Die Maschinen hießen Mainframe, waren groß wie Schränke, brummten wie ein heraufziehendes Gewitter, wurden mit Wasser gekühlt und fanden sich in den achtziger Jahren von kleinen, preiswerten PCs verdrängt. Banken und Versicherungen arbeiten aufgrund der Zuverlässigkeit der alten Großrechner jedoch noch heute mit ihnen. So gibt es derzeit noch 40.000 solcher Mainframe-Systeme auf der Welt. IBM ist Marktführer und will es bleiben.

Wie beim Mainframe liegen auch beim Cloud Computing die Rechenleistung und die gespeicherten Daten nicht auf den einzelnen Computern, sondern auf dem zentralen Netzwerkrechner. Der kann über das Internet jederzeit von jedem Ort mit einem kleinen Laptop angesteuert werden. Diese Zentralisierung lässt eine bessere Nutzung der Kapazitäten zu. „Cloud ist eine neue Form von Mainframe und wird getrieben von der Optimierung der Ressourcen in den Rechenzentren“, sagt Schmidt von Cisco.

Vor allem die Amerikaner massieren ihre Kräfte - von der Hardware über die Software bis hin zu den IT-Dienstleistungen. So haben Cisco, VMware und EMC gerade eine Cloud-Allianz gegründet. Microsoft und Hewlett-Packard bauen ihre Kooperation aus. Der Softwareanbieter Oracle hat gleich den ganzen Computerbauer Sun Microsystems gekauft, nicht zuletzt um auch im Cloud Computing vorn zu sein.

Darauf blicken Politiker in Europa mit viel Skepsis. In Berlin und Paris wächst das Unbehagen. Die Bürokraten in Brüssel scheinen kalifornische IT-Konzerne wie Microsoft oder Oracle unter besondere Beobachtung gestellt zu haben. Um den Amerikanern das Wachstumsfeld Cloud Computing nicht völlig zu überlassen, drehen europäische IT- und Softwareanbieter wie T-Systems oder SAP gerade ihre Geschäftsmodelle. T-Systems will den Anschluss halten. SAP will weg von der Lizenzierung und hin zur Vermietung von Software. Schaffen die Europäer die Wende nicht, werden sie einen schweren Sturm über sich hereinbrechen sehen.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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