12.02.2010 · Berlinale-Auftakt: Renée Zellweger war jede Entschuldigung recht, um nach Berlin zu kommen. Mario Adorf wollte keine Filme hören. Und Til Schweiger hat nur aus Tradition die SPD gewählt und verrät, was es beim nächsten Mal sein wird.
Von Marie Katharina Wagner, BerlinIst Berlin nun eine Weltstadt oder nicht? Dafür spricht: Während der Berlinale wird sogar das Obdachlosen-Magazin „Straßenfeger“ in den S-Bahnen auf Englisch angeboten. Dagegen: Bucklige Eislandschaften auf jedem Gehweg, auch am Potsdamer Platz, so dass Festivalgäste im Entenmarsch ankommen. Nun hat die Berlinale-Leitung private Räumdienste engagiert - die Stars müssen auf High Heels also nicht verzichten.
Auch nicht Jury-Mitglied Renée Zellweger, die bei der Eröffnungs-Pressekonferenz sagte, ihr sei jede Entschuldigung recht, nach Berlin zu kommen. Auch für Jury-Präsident Werner Herzog ist Berlin Weltstadt: Seitdem Dieter Kosslick die Berlinale leite, habe sich das Festival immer besser entwickelt und gehöre mittlerweile zu den drei wichtigsten der Welt.
Ein klitzekleines Politikum
Lange vor der pompösen Eröffnung begann die Party Crowd damit, den Film, die Stadt und sich selbst zu feiern. Am Montag eröffnete das „Zeit“-Magazin eine Ausstellung im KaDeWe: 40 Jahre Magazin, 60 Jahre Berlinale, viele Titelbilder, die mit Film zu tun hatten. Ein extrem lässiger Til Schweiger (“Wieso siezen sich denn hier alle?“) ohne Begleitung genoss die Aufmerksamkeit, die er von Iris Berben ab- und in seine Richtung lenkte. Redselig wurde er erst nach dem zweiten zügig geleerten Glas Champagner, und emotional, als es um Politik ging. Nur aus Tradition habe er noch SPD gewählt. Beim nächsten Mal werde es bestimmt die CDU werden. Ein klitzekleines Politikum auch auf einer weiteren Warm-up-Party.
Im „Strandhaus“ erschien Frank-Jürgen Weise, um sich mit Brötchen-Imperator Heiner Kamps zu unterhalten. Fotos des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit im Hartz-IV-fernen Ambiente waren nicht erwünscht.
Strubbelfrisur und Schmollmund
Wenig Öffentlichkeit wollte auch Nachwuchsschauspielgöre Jana Pallaske (“12 Meter ohne Kopf“), die schon nach einer halben Stunde mit Strubbelfrisur und Schmollmund in einer Berlinale-Limousine verschwand. Mario Adorf und Marius Müller-Westernhagen samt Frau Romney einträchtig am Tisch von Kamps. Das Thema des Abends: nacherzählter Film.
Regisseur Dietrich Brüggemann (“Renn, wenn du kannst“) erzählte einen Zombie-Film nach, den er am selben Abend gesehen hatte. Nach einer halben Stunde Totentanz sagte er: „Man muss den Film übrigens nicht sehen.“ Das brachte Mario Adorf auf: „Entweder ich sehe einen Film, oder ich sehe ihn nicht“, knarzte er, „aber ich will ihn doch nicht hören.“
Marius Müller-Westernhagen sagte, ständig bekomme er Drehbücher zugeschickt. Will er wirklich mal schauspielern? Antwort, so selbstbewusst wie Berlin: „Die Frage ist, ob ich die Leute vergessen machen kann, wer ich bin.“ Leider mangele es in Deutschland an guten Autoren. Vielleicht sollte man ihm erzählen, dass Mario Adorf an einem Drehbuch schreibt. Marie Katharina Wagner