27.08.2004 · Die deutschen Springreiter haben nach dem Team-Gold eine Medaille im Einzel-Finale verpaßt. Ludger Beerbaum verfehlte sein erhofftes sechstes Olympia-Gold.
Nachdem sein Traum vom sechsten Olympia-Gold geplatzt war, drückte Ludger Beerbaum seinem „Schüler“ Marco Kutscher vergeblich die Daumen. Drei Tage nach dem Gewinn von Mannschafts-Gold konnte der Springreiter aus Riesenbeck am Freitagabend in der Einzel-Konkurrenz nicht für seinen Lehrmeister in die Bresche springen und wurde Vierter. Mit Montender leistete sich Kutscher im zweiten Umlauf neben einem Abwurf auch einen folgenschweren Zeitfehler, der ihn um einen Platz im Stechen um die Silbermedaille brachte. Olympiasieger wurde der Ire Cian O'Connor, der sich mit Waterford Crystal auf dem schweren Parcours insgesamt nur vier Fehlerpunkte leistete.
Die nach acht Strafpunkten im ersten Durchgang ohnehin nur noch geringen Chancen von Beerbaum auf einen Medaillenplatz waren endgültig dahin, als Goldfever in der zweifachen Kombination zwei Stangen riß. Mit insgesamt 20 Punkten fiel der Mannschafts-Olympiasieger aus dem westfälischen Riesenbeck auf den 16. Rang zurück. Damit bleibt Hans-Günter Winkler mit fünf Mal Gold sowie je einmal Silber und Bronze der erfolgreichste deutsche Reiter bei Olympia.
„Ein bißchen übertrieben“
„Ich nehme beide Fehler auf meine Kappe“, hatte Beerbaum nach dem ersten Durchgang gesagt. „Ich hatte das Gefühl, daß die Pferde, die am Dienstag im Nationenpreis voll gehen mußten, müder waren.“ Der fünfmalige Olympiasieger griff im zweiten Umlauf noch einmal an, war jedoch ohne Chance auf einen vorderen Platz.
„Vielleicht habe ich es ein bißchen übertrieben“, sagte Kutscher nach seinem fast fehlerfreien ersten Ritt und schwankte zwischen Freude und Ärger. „Mit dem Ritt bin ich insgesamt zufrieden, denn es war ein schwerer Parcours“, meinte der 29jährige, der als Ersatzreiter ins Team gerutscht war. „Ich bin aber auch enttäuscht, weil es ein dummer Fehler war und mehr drin war.“
Fehlerfreier Ritt beinahe unmöglich
Eindeutig war das Gefühlsleben von Otto Becker (Sendenhorst), der mit Cento im ersten Umlauf zwei Abwürfe hatte und im zweiten Durchgang sogar 13 Fehlerpunkte erritt. Dem Routinier stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Den Fehler am Wasser habe ich gar nicht gemerkt“, berichtete der 46jährige Weltcup-Sieger von 2002.
Der deutsche Parcoursbauer Olaf Petersen hatte die 12 Hindernisse mit 15 Sprüngen so hoch gebaut und elegant verteilt, daß ein fehlerfreier Ritt lange unmöglich erschien. Von 46 Paaren in der ersten Runde gelang erst Jessica Kürten mit Maike als Nummer 29 eine von zwei Nullrunden. Zweiter Null-Fehler-Reiter war Skelton, der als Einzelreiter der Briten nominiert worden war. Ohne Springfehler blieb der im westfälischen Gronau angesiedelte Neuseeländer Daniel Meech mit Diagonal, erhielt aber einen Strafpunkt wegen Zeitüberschreitung. Alle drei konnten jedoch nicht in die Entscheidung um Gold, Silber und Bronze eingreifen.
Wie schwer der Parcours war, zeigte sich bei vielen Topreitern, etwa beim Schweizer Markus Fuchs. Der Routinier, vor wenigen Wochen noch Gewinner des Großen Preises von Aachen, scheiterte mit seinem Spitzenpferd Tinkas Boy. Mit zwölf Strafpunkten gab der Weltcup-Sieger von 2001 nach dem achten Hindernis auf.