25.08.2004 · Die Niederländerin Anky van Grunsven setzte sich in der letzten Prüfung im Dressur-Einzel vor die deutsche Favoritin und holte sich den Olympiasieg. Für Ulla Salzgeber blieb nur Platz zwei.
Topfavoritin Ulla Salzgeber hat bei der Abschiedsvorstellung ihres lettischen Wallachs Rusty das Nervenduell im Dressurviereck gegen die Niederländerin Anky van Grunsven verloren und die Krönung zur Dressur-Königin der Olympischen Spiele verpaßt.
Vier Jahre nach Bronze in Sydney und vier Tage nach dem Equipesieg in Athen reichte es für die 46jährige aus Bad Wörishofen und den 16 Jahre alten Rusty nur zu Silber im Einzel.
„Die Silbermedaille ist ja auch was“
Ihr Traum, Rusty mit Doppelgold in den Ruhestand zu verabschieden, blieb unerfüllt. „Ich bin froh, daß alles vorbei ist“, sagte sie. „Rusty ist in seiner letzten Prüfung sehr gut gegangen, und die Silbermedaille ist ja auch was. Ich kann nicht mehr dazu sagen, ich habe Anky und ihre Kür nicht gesehen.“ Kritik an der Bewertung konnte sie sich allerdings nicht verkneifen: „Gegen solch eine Richterei kann man nicht anreiten“, sagte sie und klagte namentlich den polnischen Punktrichter Wojciech Markowski an, der sie zwei Tage zuvor im Grand Prix Spezial ihrer Meinung nach zu schlecht bewertet hatte.
In der abschließenden Kür zu Musik aus Carl Orffs Carmina Burana verlor Salzgeber ihren Vorsprung aus Grand Prix und Special und lag in der Endabrechnung mit einem Durchschnittswert von 78,833 Prozentpunkten hinter der Olympiasiegerin von Sydney mit Salinero (79,278) und vor der Spanierin Beatriz Ferrer-Salat mit Beauvalais (76,667). Hubertus Schmidt (Borchen-Etteln) mit Wansuela Suerte (74,899) und Martin Schaudt (Albstadt) mit Weltall (69,656) belegten die Plätze fünf und 15.
Im Grand Prix hatte Salzgeber zunächst die versammelte Konkurrenz mit einem herausragenden Ergebnis von 78,208 Prozentpunkten geschockt. Im Special hingegen hatte das Paar völlig enttäuscht, Rusty ließ sich von Wind und flatternden Fahnen nervös machen. Salzgeber war anschließend beinahe sprachlos, hatte zur Beruhigung ein Paar Zigaretten geraucht und die einfache Formel gefunden: „Ein Wechselbad der Gefühle. Jetzt muß ich wieder angreifen.“
„Schon damit gerechnet“
Das tat sie, nachdem sie im Anschluß an eine nahezu perfekte Kür von Anky van Grunsven und ihrem zehnjährigen Salinero als letzte ins Viereck mußte. Rusty gab alles, er tanzte, er flog, er war kraftvoll, wirkte manchmal spielerisch, doch es reichte nicht. Ulla Salzgeber nahm es mit großer Gelassenheit: „Wenn es so sein soll, dann soll es so sein. Es trifft mich nicht so hart, weil ich nach dem Special schon damit gerechnet habe.“
Es war der silberne Schlußpunkt unter die letzten 24 Monate, die nicht unbedingt die einfachsten in Salzgebers Karriere waren. In Jerez 2002 verhinderte ein tagelanges Reisefieber einen ernsthaften Wettstreit um den ausgerechnet von Dauerrivalin Nadine Capellmann mit Farbenfroh gewonnenen WM-Einzeltitel. Ein Rückschlag in der Planung der auch als Ausbilderin auf ihrem Hof in Bayern tätigen Berufsreiterin. Der nächste folgte im März 2003 nach dem vermeintlich gewonnenen Weltcup-Finale in Göteborg.
„Als ich die Nachricht von der positiven Medikationskontrolle bekam, war ich wie betäubt“, erinnert sich die begeisterte Motorradfahrerin. Nach einer Hauterkrankung war Rusty behandelt worden und hatte im Wettkampf erhöhte Testosteronwerte aufgewiesen. Mit Anwälten, denen sie schließlich nach dem Einsatz von über 100.000 Euro wieder das Mandat entzog, kämpfte sie um ihr Recht. Sie fühlte sich als Opfer einer Verkettung von Fehlern und wurde nach monatelangem Hickhack vom nationalen Verband für zwei Monate gesperrt.