27.08.2004 · Durch Niederlagen gegen den Nordkoreaner Kim Song-Guk im Federgewicht und den Kubaner Yuriorkis Gamboa im Fliegengewicht haben die beiden deutschen Boxer den Einzug ins Finale verpaßt.
Die deutschen Hoffnungen auf das erste olympische Box-Gold seit zwölf Jahren sind geplatzt.
Europameister Vitali Tajbert (Velbert) und der EM-Dritte Rustam Rahimov (Schriesheim) verpaßten am Freitag in Athen den Einzug ins Finale des olympischen Turniers. Federgewichtler Tajbert unterlag dem Nordkoreaner Song Guk Kim mit 24:29 nach Punkten, Fliegengewichtler Rahimov hatte gegen Yuriorki Gamboa (Kuba) mit 11:20 das Nachsehen. Für beide bleibt es damit bei Bronze. Schon vor dem Erreichen der Medaillenränge waren Sebastian Köber (Frankfurt/Oder, Superschwer) und Lukas Wilaschek (Leverkusen/Mittel) gescheitert.
Hoffnung auf zumindest einen Endkampf
Deutschlands Faustkämpfer sind damit wie schon 2000 in Sydney in den Finals nur Zuschauer. „Das ist bedauerlich. Ich hätte schon gedacht, daß mindestens einer der beiden bis in die Endkämpfe vordringen könnte“, meinte Verbandspräsident Paul Forschbach (Ernsgaden). Letzter olympischer Box-Finalteilnehmer aus Deutschland war 1996 in Atlanta Halbweltergewichtler Oktay Urkal (Berlin), letzter Goldmedaillengewinner 1992 in Barcelona Federgewichtler Andreas Tews (Schwerin).
Der WM-Zweite Tajbert war am ehesten zugetraut worden, in die Fußstapfen von Tews zu treten. Der 22 Jahre alte Sportsoldat fand aber gegen den in der Reichweite überlegenen Nordkoreaner nie ein Mittel, um die Punktrichter zu beeindrucken. Der Deutsche lag lediglich mit dem Schlußgong der zweiten Runde in Führung. Die glich Kim jedoch postwendend aus und hatte Mitte der letzten Runde eine Vorentscheidung erzwungen. „Vitali war zwar der vielseitigere und flüssigere Boxer, aber der Koreaner hat seine Stärken in der Reichweite wie befürchtet besser zur Geltung gebracht. Das Urteil ging in Ordnung“, sagte Chef-Bundestrainer Helmut Ranze.
Zuvor war bereits das Vorhaben von Rustam Rahimov, nach drei dritten Rängen erstmals ein Finale bei internationalen Meisterschaften zu erreichen, fehlgeschlagen. In einem taktisch geprägten Gefecht mußte der Schützling von Trainer Valentin Silaghi unablässig einem Rückstand hinterherlaufen, konnte aber kaum offensive Akzente setzen. „Ich bin enttäuscht, ich hatte mich vorn gesehen. Aber ich danke Gott, daß ich nicht mit leeren Händen nach Hause komme. Damit ging ein Lebenstraum für mich in Erfüllung“, meinte Rahimov trotz des Ausscheidens gefaßt.
„Tajbert werden wir heute nicht wiedersehen“
Tajbert verließ die Halle hingegen fluchtartig und wollte mit niemandem reden. „Den werden wir heute auch nicht wiedersehen“, sagte Heimtrainer Conny Mittermaier mit Tränen in den Augen. Ranze zog trotz seiner Enttäuschung ein versöhnliches Fazit. „Insgesamt ist das Ergebnis positiv: Wir fangen alle vier Jahre mit einem „Kindergarten“ an. Daraus haben wir immerhin zwei Medaillengewinner gemacht. Das war schwer genug. Nur das i-Tüpfelchen fehlt leider“, bekannte er.
Ranze wird auch nach Athen praktisch wieder von vorn beginnen müssen. Tajbert und Wilaschek haben mehrfach erklärt, ins Profi-Geschäft wechseln zu wollen. Köber hat sich noch nicht entschieden. Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl, der das deutsche Olympia-Quartett im Universum-Team Gold gefördert hat, saß als aufmerksamer Beobachter am Ring. Lediglich Rahimov hat bereits in Athen bekundet, weiter im olympischen Lager bleiben zu wollen.