26.08.2004 · Die Olympischen Spiele beeinflussen Europas Königshäuser nachhaltig: König Carl Gustaf lernte dort seine Silvia kennen, Kronprinz Frederik seine Mary. Nun sind sie wieder alle dabei.
Ihre enge Beziehung zu Olympischen Spielen stellen die Vertreter von Europas Königshäusern auch in Athen wieder mit unermüdlichem Einsatz in Stadien und beim Après-Sport unter Beweis. Abend für Abend feuerten Schwedens Regent Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia in der Galatsi-Tischtennishalle den früheren Weltmeister Jan-Ove Waldner bis ins Halbfinale an, Spaniens Königin Sofía war treue Glücksbringerin für Spaniens erfolgreiche Basketballer, und Kronprinz Frederik wechselte die Rolle als Fan der dänischen Handballerinnen und Segler fast so oft wie andere den TV-Kanal.
Königin Silvia bekannte 32 Jahre nach ihrer Olympia-Premiere als Münchner VIP-Betreuerin namens Silvia Sommerlath, daß ihr Herz ohne Wenn und Aber Schwedisch schlägt. „Ich bin für Waldner“, sagte sie, als der Schwede die deutsche Medaillenhoffnung Timo Boll im Viertelfinale schlug. Noch zur Zeit der Spiele in Barcelona 1992 hatte die gebürtige Heidelbergerin majestätisch-neutral auf die Frage geantwortet, ob sie denn nun für Boris Becker oder Mats Wilander sei: „Der Bessere soll gewinnen.“
Kleine Panne bei Anne
Ehemann Carl Gustaf filmte derweil hochkonzentriert ein Pingpong- Spiel mit seiner Digitalkamera. Daß das verboten war, störte die sonst in solchen Fällen ruckzuck handelnden Organisatoren nicht. Könige dürfen auch in Athen als verwöhnte Lieblingskinder der „Olympischen Familie“ ein bißchen mehr als andere.
Nachsichtig wurde auch eine kleine royale Fehlleistung der britischen Prinzessin Anne zurechtgerückt. Als IOC-Mitglied drückte sie Medaillengewinnern ihren Olivenzweig zunächst in die Hand statt auf den eigentlich vorgesehenen Körperteil. Später klappte es dann. „Sie hat ihn mir richtig auf den Kopf gedrückt“, berichtete die am Ende so dramatisch um zwei Goldmedaillen gebrachte Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy.
Folgenreiche Begegnungen
Dänemarks Königsfamilie brachte ihre royale Yacht „Dannebrog“ mit zu den Spielen und machte neben dem martialisch aussehenden, aber nur noch als Museum genutzten griechischen Schlachtschiff „Averow“ fest. Königin Margrethe II. und Ehemann Prinz Henrik bekamen hier Gesellschaft von Kronprinz Frederik und Prinzessin Mary, dem mit Abstand „hottesten“ Paar unter allen Olympia-Prominenten.
Der Prinz und seine Reitsport begeisterte australische Frau hatten sich während der Olympischen Spiele in Sydney 2000 bei einer Party kennen gelernt, was Zweifler von der Bedeutung der zahlreichen Cocktailparties, Empfänge und Galaessen für die VIPs überzeugen müßte. Frederik entzückte bei einem Abstecher ins Olympische Dorf von Athen mit seiner Antwort auf die Frage, ob bis zu den Spielen in Peking 2008 mit Familienzuwachs zu rechnen sei: „Da sollten schon gern ein paar kleine Känguruhs im Beutel sein.“
All das Anfeuern, Feiern und Formulieren flotter Sprüche bleiben aber auch bei den Royalen nicht ohne Spuren. Nach drei Wochen Olympia in Sydney war Frederik so erholungsbedürftig, daß er als „ganz normaler Urlauber“ erstmal sechs Wochen mit Prinzenbruder Joachim im Mietwagen kreuz und quer durch Australien fahren mußte.