07.09.2009 · Die Hersteller der Home Appliances, zu deutsch Hausgeräte, stehen auf der IFA mit einem Selbstbewusstsein, als gehörten sie schon immer dazu. Die großen Themen sind Energieeffizienz, leichte Bedienung und immer stärker das Design.
Von Monika SchrammDass die Messeleitung der IFA als Erfolg verkünden konnte, die verkaufte Fläche sei kaum geringer als im Vorjahr, hat sie der neuen Abteilung Home Appliances zu verdanken. Die Hersteller von Haushaltsgeräten haben nämlich nach ihrem spektakulären ersten Auftritt zur IFA 2008 in diesem Jahr gleich 3000 Quadratmeter mehr geordert. Es sind noch immer nicht alle Anbieter in Berlin präsent, aber deutlich mehr als im Vorjahr, und es sind nicht nur die großen, sondern auch viele kleine Unternehmen, die diese Messe als Schaubühne nutzen. Denn zu zeigen gibt es genug.
Die großen Themen nicht nur bei großen Geräten sind Energieeffizienz, leichte Bedienung und immer stärker das Design. Roland Hagenbucher, Geschäftsführer von Siemens Hausgeräte, bringt diesen Aspekt auf den Punkt: „Hausgeräte sind sexy geworden.“ Aber darüber hinaus vor allem sparsam, nicht nur mit Energie, sondern auch mit Wasser. Damit die Verbraucher künftig die Energie-Effizienzklassen besser vergleichen können, werden neue Standards eingeführt. Denn wer weiß schon, dass ein Kühlschrank mit Klasse A Schnee von gestern ist, denn es gibt mittlerweile A++, was gegenüber A 45 Prozent weniger Energie bedeutet. Das gilt aber nicht für andere Großgeräte. Künftig dürfen daher die Hersteller ihre Entwicklungsfortschritte bei jeder Art Gerät folgendermaßen vermarkten: Standard A ist definiert, wer 20 Prozent besser ist, darf sein Gerät mit A minus 20 anpreisen, bei 40 Prozent weniger Verbrauch mit A-40 und so weiter.
Verschiedene Klimazonen in Kühlschränken
Spitzenkühlgeräte schaffen derzeit A-60, und Liebherr ist einer der ersten, der hier auftrumpft: Er hat drei neue Gefrierschränke und zwei neue Gefriertruhen (jawohl, die gibt es auch noch!) mit A-60 zur Messe geschickt. Der Hersteller hat zudem eine Besonderheit im Programm: einen Lagerschrank mit 234 Liter Nutzinhalt, der auf null Grad läuft, bei Liebherr Biofresh genannt und ausgestattet mit Energiesparplatten, mit denen man leere Schubladen gegen die belegten thermisch abdichten kann: Das spart Strom. Aber erst einmal muss man ordentlich Geld ausgeben: 1049 Euro. Verschiedene Klimazonen in Kühlschränken bieten mittlerweile alle großen Hersteller, Bosch etwa in seiner brandneuen Serie Cool Professional, die zudem ihr Volumen steigern konnte, weil die gesamte Technik in den Sockel verbannt wurde. Ähnliches hat auch Bosch, und man fragt sich, warum die Ingenieure nicht schon früher auf diese geniale Idee gekommen sind. Die Inneneinrichtung wird immer variabler, es wird getrocknet und befeuchtet, mit easy lift kann man selbst beladene Böden mit einem Handgriff heben oder senken, um den Raum optimal auszunutzen, die Side-by-side-Türme vermehren sich, und einzeln stehende Kühl-Gefrier-Boliden gehen in die Breite: 70 Zentimeter sind derzeit in Mode.
Spülmaschinen nähern sich dem Trockengang: Nur noch sieben Liter braucht die modulare Bosch Active Water, sie ist in 60 und 45 Zentimeter Höhe zu haben, so dass sie etwa mit dem Kaffeevollautomaten und dem Dampfgarer auf einer Höhe eingebaut werden kann. Das könnte auch einen Trend zum Zweitspüler auslösen, was die Industrie gern sähe. Viele Geräte können stromsparend lange laufen oder schnell bei höherem Energieeinsatz. Mit einem Warmwasseranschluss geht das noch günstiger.
Siemens hat jetzt den Knebel fürs 21. Jahrhundert
Mittlerweile haben die Hersteller bei der Bedienung der Herde und Kochfelder wieder etwas zurückgerudert: Statt endlos lange zu klicken und zu tippen, kommt der gute alte Knebel wieder zu seinem – guten – Recht, auch wenn sich mancher Designer dafür genieren mag. Aber die Kunden sind es leid, mit zehn Handgriffen etwas zu tun, was mit zweien machbar ist. Siemens hat jetzt den Knebel fürs 21. Jahrhundert: Disc control heißen die glatten, magnetischen Scheiben entweder vorn oder oben an Induktions- oder Glaskeramit-Kochfeldern, die man leicht mit dem Finger berührt und bis zur gewünschten Einstellung führt. Sind Kleinkinder in der Nähe oder will man sie reinigen, nimmt man sie einfach heraus, beim Wiedereinsetzen erkennen sie selbsttätig ihre vorige Einstellung. Brat- und Kochsensoren sorgen dafür, dass auf den Kochstellen nichts überkocht.
Waschmaschinen haben ein immer größeres Volumen, ohne freilich in den Außenmaßen zu wachsen. Bis zu 12 Kilogramm passen in die Jumbos, was weniger auf die vielen Single-Haushalte zielt als vielmehr auf die Möglichkeit, voluminöse Gegenstände selber zu waschen. Denn die Maschinen erkennen die Beladung und stellen ihren Wasserverbrauch darauf ein. Auffrischen statt waschen genügt oft, dafür gibt es etwa bei AEG ein Kaltwasserprogramm, das 80 Prozent Energie spart. Allergiker haben andere Prioritäten und werden bedient mit einem Programm, bei dem das Wasser 20 Minuten lang 60 Grad heiß gehalten wird und vier statt drei Spülgänge die letzten Waschmittelreste entfernen. Wäschetrockner mit Wärmepumpentechnik, die rund die Hälfte weniger Energie als Kondenstrockner brauchen, sind auf dem Vormarsch, etwa die Ecologixx von Bosch.
Miele zeigt den ersten Hybrid-Staubsauger
Die beiden meistverkauften Hausgeräte sind nach wie vor Staubsauger und Kaffeevollautomaten. Diese haben einen kometenhaften Aufstieg hinter sich und bedienen mittlerweile Kaffee-Fans ebenso wie Design-Liebhaber, allen voran Jura, nach eigenen Angaben der Marktführer. Sein IFA-Schaustück ist die völlig neu konzipierte Schönheit Impressa Z7 in Chrom oder Alu, für die man bis zu 2290 Euro hinblättern muss. Die italienische Marke De’Longhi spielt in einer anderen Preisliga, und ihr Thema ist die Miniaturisierung. Nach Berlin schickte sie die neue Intensa, eine kleine Maschine mit großen Fähigkeiten, leise, energiesparend, mit neuer Brühgruppe und in drei Ausstattungsstufen, die günstigste für 649 Euro.
Miele zeigt den ersten Hybrid-Staubsauger, der seine Energie wahlweise aus dem Netz oder einem Lithium-Ionen-Akku holt, das macht ihn vielseitig und einsatzfähig auch an steckdosenlosen Orten oder erspart das Umstecken, denn nach dem Ziehen des Netzsteckers saugt er ohne Unterbrechung im Akku-Betrieb weiter. Im Netzbetrieb lädt er sich automatisch auf und schafft bis zu 20 Minuten mit einer Ladung. Die zweite Neuheit ist die Baureihe S7, der erste Bürstensauger mit 3,5 Meter Schlauch für großzügige Räume. Eine neue Kompaktklasse will dagegen der neue Dyson D26 Allergy eröffnen. Dank seines winzigen Digitalmotors macht er sich klein bei großer Saugleistung, die nicht nachlässt, denn er hat keinen Filter, der sich zusetzen könnte. Aus dem kleinen Gehäuse kann man fünf Meter Kabel herausziehen, was mit dem Teleskopstiel einen Radius von acht Meter ergibt. Das Gerät mit der High-Tech-Anmutung wiegt nur 3,5 Kilo und wird 399 Euro kosten.