Auf der IFA vor zwei Jahren hat die Deutsche Telekom nach einigen zaghaften Anfangsversuchen ihren Angriff auf Kabel- und Satellitenbetreiber im Geschäft mit der Übertragung von Fernsehsendungen begonnen. Was zuvor ausschließlich eine Angelegenheit für technikinteressierte Freaks war, ist seither jedenfalls für den Massenmarkt geeignet: Das Fernsehen über das Internet, bevorzugt über das ebenfalls noch recht neue Glasfaser V-DSL-Netz der Telekom.
Mit dem Schritt hat die Deutsche Telekom, jedenfalls gemessen an Investitionsvolumen und Anspruch, eine Vorreiterrolle übernommen, bewegt sich aber auch nach zwei Jahren noch immer in einer Nische des Marktes. Nach den jüngsten Zahlen, die die Telekom auf der IFA offiziell bekannt geben wird, haben sich inzwischen etwas mehr als 800.000 Kunden für das aufwendig beworbene Produkt mit dem Namen „T-Home Entertain“ entschieden. Zum Halbjahresstichtag war noch von lediglich 720.000 Kunden die Rede.
Zurzeit ruht das Projekt
Die anderen Vermarkter von Internet-Fernsehen hinken weit hinterher: Vodafones inzwischen einverleibte Tochtergesellschaft Arcor hatte den Start des Internetfernsehens mehrfach verschoben. Zudem waren die Verhandlungen mit den Fernsehsendern und Rechteinhabern sehr komplex. Zurzeit ruht das Projekt; Neukunden werden im Moment nicht angenommen. Erst einmal soll das Internetfernsehen neu justiert werden, ein Kompetenzzentrum arbeitet an einen neuen Produkt, das Vodafone 2010 auf den Markt bringen will. Eine ähnliche Phase hat auch das Hamburger Telekommunikationsunternehmen Hansenet schon hinter sich. Nach der Startphase wurden unter dem neuen Geschäftsführer Paolo Ferrari zunächst einmal die Rechte neu verhandelt, um die Kosten zu senken. Inzwischen verkauft Hansenet das Internetfernsehen wieder und hat nach eigenen Angaben rund 35.000 Kunden dafür gewonnen.
Die Telekom kommt mit der Vermarktung ihres durchaus erklärungsbedürftigen Angebots also auch im Vergleich durchaus voran. Aber auch der Platzhirsch muss auf den ganz großen Durchbruch nach wie vor warten, selbst wenn ärgste Wettbewerber unter der Hand einräumen: „Das Produkt ist gut, die Technik funktioniert.“ Selbstverständlich verweisen dieselben Wettbewerber nach solchen Bekenntnissen sogleich darauf, dass das eigene Angebot auf dem Weg über das traditionelle Kabel natürlich viel preiswerter und ähnlich leistungsfähig sei.
Mindestens 44,95 Euro im Monat
Fest steht, dass der Einstieg in die Welt des Internet-Fernsehens den Kunden der Telekom mindestens 44,95 Euro im Monat kostet, kombiniert allerdings mit einer Flatrate für das Telefonieren im deutschen Festnetz und das „normale“ Surfen im Internet. In Verbindung mit einer für das hochauflösende Fernsehen (HD TV) nötigen V-DSL-Leitung steigt der Preis auf 54,95 Euro.
Nach den Angaben eines Unternehmenssprechers strebt die Telekom im laufenden Jahr an, eine Million Kunden an sich zu binden. Theoretisch erreichbar sind nach seinen Worten schon 20 Millionen Haushalte in Deutschland und damit mehr als 1000 Städte. Für das weitere Kundenwachstum gibt es also noch viel Luft, doch die Telekom hat ein Problem: Wer sich für das Fernsehen über das Internet entscheidet, muss zuvor eine hohe psychologische Hürde überwinden. Bisher war der Empfang über Kabel oder Satellit selbstverständlich, nun kommt eine völlig neue Technik ins Haus, neue Geräte, eine neue Fernbedienung, ein Angebot, das vieles möglich macht, auf den ersten Blick aber kompliziert erscheint. „Wie lange muss man denn bei so etwas warten, um von einem auf das andere Programm umzuschalten?“, ist eine der beliebtesten Fragen, die sich ein Nutzer von „T-Home-Entertain“ aus dem Freundeskreis anhören muss. Die Umschaltzeit war zu Beginn der Vermarktung tatsächlich ein Problem, konnte nach Angaben der Telekom aber auf weniger als 1 Sekunde reduziert werden. Auswählen kann der Nutzer dann nicht nur unter den üblichen Fernsehprogrammen, sondern auch unter einer Online-Videothek, die von einst 2000 auf 10 000 Titel aufgestockt worden ist, unter 2500 Internet-Radiostationen und nicht zuletzt unter den Fernsehsendungen, die auf dem Festplattenrekorder individuell aufgenommen wurden, der im Empfangsgerät der Telekom enthalten ist, in der Regel aber zusätzlich gemietet werden muss.
Zugleich will sich die Telekom als Vorreiter im Angebot hochauflösenden Fernseh-Materials empfehlen, das man braucht, wenn man die technischen Möglichkeiten der neuen Flachbildschirme auch tatsächlich nutzen will. Einen Vorteil hat das Internet-Fernsehen in dieser Hinsicht tatsächlich: Der Streit um künftige Schnittstellen zwischen Empfangsteil und Fernseher ist hier uninteressant.
Der Vollständigkeit halber: maxdome
Richard Lancelot (LarsSW)
- 03.09.2009, 10:50 Uhr
Alles ausser Satellitenfernsehen ist altmodisch, marode und ohne Zukunft:
Inanc Bardakcioglu (HurraTuerkiye)
- 03.09.2009, 11:01 Uhr
2 Gründe die dagegen sprechen
Max Mustermann (octopus_vulgaris)
- 03.09.2009, 11:29 Uhr
Lächerlich
Lars Köhler (LK670)
- 03.09.2009, 11:57 Uhr
Internet-Fernsehen
Gerhard Leipert (Trepiel)
- 03.09.2009, 14:04 Uhr
