02.09.2009 · Die Haushaltsgerätebranche träumt von einer Abwrackprämie für ihre Erzeugnisse. Da rund 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf Privathaushalte entfallen, könnte durch effizientere Neugeräte eine große Menge an Energie eingespart werden.
Von Johannes WinkelhageEs war nur ein Nebensatz am Ende der Pressekonferenz. „Ich hoffe auch in Deutschland auf Fördermaßnahmen, wie es sie in anderen Ländern schon gibt.“ Was Reinhard Zinkann, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Hausgeräteherstellers Miele, dort über die Lippen kam, ist ein lang gehegter Traum der Branche: eine Abwrackprämie für die über alle Maßen Strom fressenden Kühlschränke – und am besten gleich auch für den Rest der bisher ohne Energieeffizienz im Haushalt werkelnden Elektrogeräte. Immer wieder ist aus Verbänden wie dem ZVEI zu hören, dass eine solche Förderung mit der derzeit amtierenden Bundesregierung praktisch schon fertig verhandelt gewesen sei – dann aber doch nicht kam.
Dabei macht die Messe IFA deutlich, dass die Potentiale der Energieeinsparung inzwischen beachtlich sind. So rechnet zum Beispiel Roland Hagebucher, der Geschäftsführer der Siemens Hausgeräte, vor, dass rund 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf die privaten Haushalte entfallen. Davon wiederum die Hälfte werde von den Haushaltsgeräten verbraucht. „Wenn in ganz Europa nur die energieeffizientesten Geräte eingesetzt würden, könnte der Stromverbrauch insgesamt um rund 44 Milliarden Kilowattstunden gesenkt werden. Das ist ungefähr der komplette Energieverbrauch von Portugal“, rechnet Hagebucher vor. Angesichts eines seit dem Jahr 2000 um rund 46 Prozent gestiegenen Strompreises hat aber inzwischen auch der Verbraucher ein manifestes Interesse an einem effizienten Umgang mit der Energie und damit einer Senkung seiner Stromkosten. Das gilt für die Waschmaschine ebenso wie für den Staubsauger.
Nur noch 7 Liter Wasser für einen Geschirrspülgang
Entsprechend richtet sich die gesamte Hausgerätebranche auf die nächste Welle der stromsparenden Geräte ein. So rechnet Siemens vor, dass die Kühlschränke des Herstellers heute 54 Prozent weniger Energie verbrauchen als 1994. Für die Kühl- und Gefrierkombinationen ermittelt das Unternehmen sogar ein Einsparvolumen von 63 Prozent in diesem Zeitraum. Immerhin hat sich die Branche inzwischen von der Kategorie B bis zur Kategorie A++ hochgearbeitet. Zinkann weist darauf hin, dass jetzt schon beschlossen sei, die Klassen „A -20 Prozent“ und „A -40 Prozent“ einzuführen. Offenbar ist das Sparpotential noch nicht ausgeschöpft. Mit ähnlichen Rechenexempeln warten auch andere Aussteller wie AEG, Bosch oder Liebherr auf.
Was die Kühlschränke vormachen, können natürlich auch die Waschmaschinen und die Geschirrspüler. Einen Verbrauch von 8 Liter Wasser für 14 Maßgedecke schreibt sich Miele auf die Fahnen und tritt damit in scharfe Konkurrenz zu Siemens. Dort sind es nach Angaben von Hagebucher nur noch 7 Liter Wasser für einen Geschirrspülgang – allerdings sind da nur 13 Maßgedecke in der Maschine.
Miele macht 71 Prozent des Umsatzes im Ausland
Die Sparpotentiale sind auch hier beträchtlich. Rund 12 Liter Wasser verbraucht bisher ein moderner Durchschnittsgeschirrspüler. Im Laufe eines Spülmaschinenlebens summiert sich diese Differenz von 5 Litern nach Angaben von Hagebucher auf rund 16.500 Liter oder etwa 117 Badewannenfüllungen. Im Vergleich zu älteren Geräten wachsen natürlich auch die potentiell zu sparenden Wassermengen. Eine Abwrackprämie könnte also auch hier für erwünschte Effekte sorgen. Die Branche selbst muss sich zumindest in Deutschland allerdings derzeit nicht um ihre Geschäfte sorgen.
So lag zum Beispiel der Umsatz von Miele nach Angaben von Zinkann im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. Juni) mit knapp 2,8 Milliarden Euro nur rund 1,3 Prozent unter dem des Vorjahres. Vor allem das deutsche Geschäft hatte kaum mit der Krise zu kämpfen, während es auf einigen Märkten im Ausland, wo Miele 71 Prozent des Umsatzes macht, durchaus härter zuging. Auch für das Geschäftsjahr 2009/2010 ist Miele optimistisch.
Ein wenig wie im Zirkus
Diese Einschätzung teilt Hagebucher, der auf die zyklische Entwicklung dieses Marktes hinweist. So seien bis Mitte der neunziger Jahre viele Hausgeräte verkauft worden, die oft eine Lebensdauer von knapp 15 Jahren aufweisen würden. Danach habe die Branche rund zehn magere Jahre erlebt. Seit 2006 sei dies aber wieder gekippt, und inzwischen habe definitiv die Ersatzbeschaffung für die im Boom der Neunziger angeschafften Geräte begonnen.
„Das Interesse an Hausgeräten ist gestiegen, und ich gehe davon aus, dass dies auch weiter so sein wird“, sagt Hagebucher. Besonders freut ihn, dass die Kunden offenbar bereit sind, für die neue Ausstattung mehr Geld auszugeben. „Der Wert der verkauften Ware entwickelt sich in allen Sparten besser als die Menge“, erklärt er. Dabei setzt die Branche große Hoffnungen auf die aktuelle IFA. Nach Angaben von Hagebucher hat die Branche hier eine „neue, tolle Plattform“ gefunden. Die Messe sei nicht nur Konjunkturbarometer, sondern Konjunkturmotor für die Branche. Entsprechend wird mit einem guten Auftragseingang gerechnet.
Ein Effekt der Messe steht allerdings schon jetzt fest. Die deutschen Spitzenrestaurants müssen in dieser Woche auf ihre Sterneköche verzichten. Die sind alle auf der IFA und betreiben wie Tim Raue bei Siemens das, was man heute in der Sprache der Eventveranstalter als „Frontcooking“ bezeichnet. Es ist ein wenig wie im Zirkus: Das Publikum staunt und sagt „aah“. Und wenn der Mund schon einmal auf ist, kann gleich probiert werden, was der Starkoch angerührt hat.