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IFA 2009 Genussmittel der digitalen und der nahrhaften Art

03.09.2009 ·  In Berlin vereint die IFA zum zweiten Mal die High-Tech-Pretiosen von Wohnzimmer und Küche. Es gibt neue Empfangsgeräte für HDTV-Fernsehen, ipod-Docks und Navigationssysteme zu bestaunen. Und selbst Rührgeräte reklamieren jetzt Kult-Qualitäten.

Von Wolfgang Tunze
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Kaum sind die großen Ferien vorüber, da ruft in schöner Regelmäßigkeit die Internationale Funkausstellung zur Pilgerfahrt in die deutsche Hauptstadt - in diesem Jahr sogar schon zum zweiten Mal mit verschärften Argumenten: Die traditionelle Unterhaltungselektronik-Messe unter dem historischen Berliner Funkturm hatte anno 2008 auch jene Gerätschaften eingemeindet, die sich in Küche und Haushalt nützlich machen, feine Kaffee-Duftmarken hinterlassen und gern auch Status-Signale setzen. Seit dem vergangenen Jahr wissen wir: Die „Weiße Ware“, wie die Handelsleute in Verkennung der Farbenfreude moderner Sortimente sagen, hat in Berlin Wurzeln geschlagen, und bis zum nächsten Mittwoch werden wir erleben, wie gut sich das Dorado der Hobbyköche mit jenen Exponaten verträgt, die den Freunden audiovisueller Genüsse das Herz höher schlagen lassen.

Wenn erst einmal die Lafers, Lichters und Mälzers ihre Gurken in HDTV häckseln, werden die beiden Branchen noch näher zu_ein_anderrücken. Ebenso fest steht, dass der Generationswechsel des Fernsehens zu Beginn des kommenden Jahres endlich auch in Deutschland Realität wird. ARD und ZDF haben mit der hochzeiligen Übertragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaft schon eine glanzvolle Generalprobe hingelegt. Und so lohnt es sich, auf der IFA, wie sie in Kurzform heißt, nach passenden Empfangsgeräten zu fahnden. Die gute Nachricht vorweg: Die meisten größeren (und höherpreisigen) neuen Geräte haben im IFA-Jahr 2009 eingebaute digitale Universalempfangsteile, die sich auch auf HDTV verstehen. Damit klappt der Empfang aller hochzeiligen Angebote aus den Quellen der öffentlich-rechtlichen Sender, egal, ob sie aus der Kabeldose oder der Satellitenschüssel kommen.

Scheitern dieser Sorte Fortschritt auch vorhersehbar

Wenn sich so auch noch einfangen ließe, was aus den Häusern von Sat 1/Pro Sieben und RTL demnächst an HDTV-Programmen kommt, wäre der Spaß perfekt, aber das wäre wohl einfach des Guten zu viel: Die Privaten verordnen der Kundschaft eine Extra-Box, die genau steuert, was König Kunde mit den hochzeiligen Fernsehsignalen anfangen darf. Oder sie verlangen den Einsatz eines neuen Entschlüsselungsmoduls namens CI Plus, das man in entsprechend ausgerüstete neue Fernseher steckt. Auch diese elektronischen Wächter sollen aufpassen, dass sich kein einziges Bit der Kontrolle der Sender entzieht: Aufzeichnen oder nicht, eine Woche später noch angucken oder nur bis zum dritten Tag nach der Ausstrahlung - das digitale Sender-Regime maßt sich an, die Spielregeln im Wohnzimmer zu diktieren.

Und weil man zur Freischaltung der Entschlüsselungsfunktion eine Smartcard braucht, die im ersten Jahr als Lockangebot noch nichts kosten, danach aber voraussichtlich in jedem Monat mit fünf Euro zu Buche schlagen wird, hält sich die Vorfreude auf kostenpflichtige Bilder mit schön scharfer Unter_bre_cher_wer_bung samt Guck-Vorschriften in überschaubaren Grenzen. Ein plausibler Ausweg wäre, auf die High-Definition-Version von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ einfach zu verzichten. Es gibt trostlosere Formen der Enthaltsamkeit, und deshalb ist das Scheitern dieser Sorte Fortschritt auch vorhersehbar.

Interaktive Spezialangebote


Die Gerätehersteller lassen sich von solchen Spaßbremsen nicht davon abhalten, weiter um kontinuierlichen Qualitätszuwachs zu ringen. Sie setzen in diesem Jahr erstmals in allen gehobenen Fernsehern auf die Hinterleuchtung der LCD-Schirme mit Leuchtdioden, weshalb zum Beispiel Samsung seine Top-Neuheiten etwas missverständlich LED-Fernseher nennt. Die Vorteile dieser Technik überzeugen: LEDs brauchen weniger Strom, und weil die Elektronik sie in dunklen Bildpartien einfach abdunkeln oder ganz abschalten kann, ergeben sich höhere Kontraste und tiefere Schwarzwerte (Fachausdruck: „Local Dimming“). Aber LED-Hinterleuchtung ist nicht gleich LED-Hinterleuchtung: Vollflächige Hintergrund-Lichter machen sich besser als solche, die das Licht nur vom Bildschirmrand aus mit Leitfolien über die ganze Fläche verteilen, farbige LEDs bieten höhere Qualitätspotentiale als weiße, „Local Dimm_ing“ mit vielen kleinen Lichtzellen führt zu besseren Resultaten als gröbere Lichtraster. Uns bleibt also in den kommenden Monaten viel zu tun, all diese Kriterien genauer aufzudröseln und ihre Vorzüge abzuwägen.

Das gilt auch für Leistungsindikatoren wie 100 oder gar 200 Hertz. Gemeint sind jene Vervielfacher der Fernseh-Bildfrequenz, die bewegten Motiven auf LCD-Schirmen mehr Konturenschärfe verleihen sollen. 200 Hertz steht in diesem Jahr für die Königsklasse, und dabei wird es auch bleiben, weil noch höhere Bildfrequenzen keinen sichtbaren Fortschritt mehr bringen. Aber zwischen 200 Hertz und 200 Hertz gibt es eben auch Unterschiede. Es lohnt sich, genau hinzuschauen. Für eher inhaltliche Erweiterungen steht der jüngste Versuch, das Fernsehen endgültig mit dem Internet zu verheiraten. In diesem Jahr machen die Hersteller damit auf breiter Front Ernst: Panasonic, Sony, Philips, Samsung - sie alle haben viele Modelle im Messegepäck, die zusätzlich zu den klassischen Programmen auch interaktive Spezialangebote wie Youtube-Filme, Wetterdienste und sogar die ZDF-Mediathek auf die Mattscheibe bringen.

3D-Navigationslösungen

Die Unterhaltungselektronik hat auf der IFA freilich noch viel mehr zu bieten als die spektakulären Themen rund um die großen Bildschirme. iPod-Docks und Streaming sind zum Beispiel Stichworte, für die es früher das Syn_onym HiFi gab: Der Apple-Wicht gibt auch in Berlin den Ton an, und es gibt kaum noch neue größere Audio-Komponenten, die nicht in der Lage wären, Musikarchive auf Rechner-Festplatten anzuzapfen. Die interessanteste iPod-Neuheit ist übrigens zugleich die Unscheinbarste: Onkyo bietet einen höchst erschwinglichen Docking-Adapter, der dem Player das Signal digital entzieht und folglich völlig verlustfrei an die HiFi-Anlage weitergibt. Bisher verstand sich nur ein sündhaft teures Utensil der amerikanischen High-End-Schmiede Wadia auf diese Fähigkeit, die dem Klang deutlich hörbar zugute kommt. Zufall oder nicht? Onkyo zählt auch zu den ersten Herstellern, die Surround-Sound nach Dolby Pro Logic IIz anbieten - mit 9.1 Kanälen, die sogar die Raumhöhe mit speziellen Lautsprechern definieren, wenn es denn sein muss.

Spektakuläres gibt es auch unter den Navigationssystemen. Navigon etwa beeindruckt mit verblüffend realitätsnahen 3D-Darstellungen, die bis hin zur Verkehrsampel ein detailgetreues Abbild der Außenwelt liefern. Die neuen Navigationslösungen für das iPhone sind ebenso interessant: Sie werten das Kult-Handy noch um eine weitere Nutzungsdimension auf.

Heimwerkerkönig in der amerikanischen Fernsehserie Tooltime

Und was tut sich in der Haushaltsabteilung? Energie-Effizienz heißt hier die omnipräsente Parole, hinter der weit mehr steckt als nur Marketing-Geklingel: Die Branche drückt die Verbrauchswerte ihrer Geräte um derart eindrucksvolle Raten, dass sich allein schon deshalb Neuanschaffungen lohnen. Dass sie obendrein auch noch Pretiosen mit Spaß- und Genussfaktor bieten, versteht sich fast von selbst: Staubsauger-Roboter putzen autark, Toaster lassen sich aus Schubladen herausklappen wie Kai aus der Kiste, Side-by-side-Kühlschränke bieten Platz für krisenfeste Ernährungslagen ganzer Großfamilien - nicht ohne nebenbei auch noch mit allerlei Finessen für Langzeitfrische zu sorgen: Spezielle Lichtquellen halten Salate fit, Vakuum-Systeme saugen den Sauerstoff ab und bremsen so Zersetzungsprozesse aus, Klimazonen differenzieren Einlagerungen aus den Sparten Gemüse, Fisch oder Fleisch.

Die Vielzahl neuer Kaffee-Automaten kann man nur kollektiv erwähnen: Hier zeigt sich ein Trend zu höheren Genüssen, der einen ganzen Industriezweig prächtig ernährt. Und selbst Rührgeräte, Mixer und Gemüsezerkleinerer reklamieren neuerdings Kult-Qualitäten: Entweder glänzen sie in feinstem Edelstahl wie Laborinstrumente, oder sie heißen Philips Robust Collection und geben sich wie echte Männerwerkzeuge - mit Metallgehäusen, die den Geist von Gusseisen atmen und irgendwie an einen Herrn erinnern, der als Heimwerkerkönig in der amerikanischen Fernsehserie Tooltime selbst die Küche in eine Testosteron-Zone verwandelte.

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