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Funksysteme für Fernseher Schluss mit dem Kabelsalat

01.09.2009 ·  Hoch aufgelöste Bilder drahtlos zur Mattscheibe funken - das wird sich in Berlin auf der Ifa zu einem veritablen Techniktrend verdichten. Sony und Panasonic statten Fernsehgeräte schon mit Drahtlosempfängern nach dem Standard Wireless HD aus.

Von Wolfgang Tunze
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Der Guckkasten ist tot, es lebe der Flachbildschirm. Nach der Internationalen Funkausstellung in Berlin, die uns vom 4. September an in dieser Sache auf den neuesten Stand bringen wird, müssen wir voraussichtlich präzisieren: Es lebe die superdünne Wohnskulptur, die sich mit schwereloser Anmut auf einem postmodernen Sideboard breitmacht oder gleich wie ein Bild im Rahmen mit der Wand verschmilzt. Nichts wäre da der Ästhetik abträglicher als ein verworrener Kabelverhau, der desillusionierend unter dem Flachmann hervorquillt.

Deshalb sagen wir schon jetzt vorher: All jene Lösungen, die hoch aufgelöste Bilder drahtlos zur Mattscheibe funken, werden sich in Berlin zu einem veritablen Techniktrend verdichten. Sony und Panasonic statten ihre größten Fernsehgeräte schon mit Drahtlosempfängern nach dem Standard Wireless HD aus, Samsung, Toshiba und LG dürften in Berlin zumindest Prototypen mit solchen Funkeinbauten zeigen.

Wireless HD funkt in einem extrem hohen Frequenzbereich

Als Sender dienen in diesen Konstellationen externe Boxen, in denen die Fernsehtuner stecken und auf deren Rückseiten sich die üblichen Schnittstellen für weitere Zuspieler tummeln. Wir haben über Wireless HD schon mehrfach berichtet, deshalb beschränken wir uns hier auf die wichtigsten Eigenschaften des Standards: Wireless HD funkt in einem extrem hohen Frequenzbereich um 60 Gigahertz. Hier stehen Bandbreitenressourcen zur Verfügung, die es erlauben, selbst höchste Bildauflösungen, begleitet von datenintensivem Mehrkanalton feinster Güte, ohne jede Kompression in Richtung Bildschirm zu senden. Die gewählten Parameter bedeuten aber, dass die Signale nur zehn Meter weit kommen, und Wände sind für sie unüberwindliche Grenzen. Die Industrie setzt deshalb nicht nur auf diese Norm: Eine Reihe von Alternativen tritt an und funkt mit Wireless HD um die Wette.

Eine der aussichtsreichsten stammt vom israelischen Chipentwickler Amimon, der nach und nach Hitachi, Motorola, Samsung, Sharp, Sony und LG als Partner gewinnen konnte. So entstand eine potente Gruppe, die Amimons Ideen zu Beginn dieses Jahres zum Standard adelte. Seither sorgt es als Wireless Home Digital Interface (WHDI) in der Fachwelt für Aufsehen. Der Zubehörspezialist Belkin verwendet Amimon-Chipsätze bereits für ein Adapterset namens Flywire. Es besteht aus einer Sendeeinheit, an die sich Blu-Ray-Player oder Camcorder über HDMI-Kabel anschließen lassen, und einem Empfangsmodul, das die Signale über eine weitere HDMI-Drahtverbindung an den Fernseher weiterleitet.

Das System soll bis zu 30 Meter überbrücken

Der spezielle Charme von WHDI besteht in seiner Reichweite. Das System soll bis zu 30 Meter überbrücken und sogar durch Wände dringen. Amimon bewirbt es deshalb als Multiroom-Lösung, die alle digitalen Geräte im Haushalt einbezieht, also auch Notebooks und PCs. Auch WHDI überträgt die Bild- und Tonsignale unkomprimiert. Funkt das System mit einer Bandbreite von 40 Megahertz, so soll es bis zu drei Gigabit je Sekunde übertragen, was für Bildauflösungen bis 1080 Zeilen im Vollbildmodus (Fachkürzel: 1080p) mit 30 Bildern je Sekunde ausreicht. WHDI arbeitet im 5-Gigahertz-Bereich und hat einige Gemeinsamkeiten mit dem W-LAN-Standard 802.11n. Ihre dramatisch höhere Übertragungsbandbreite erzielt diese Art der Luftbrücke mit einer raffinierten Strategie der Informationsverarbeitung: WHDI nutzt die Tatsache, dass einzelne Bits in audiovisuellen Signalen unterschiedliche Wertigkeiten haben. Angenommen, ein Datenwort aus 10 Bits repräsentiert den Farbwert eines Pixels. Dann stellt ein Fehler des Most Significant Bit (MSB) den Bildpunkt auf dem Monitor in einer völlig falschen Farbe dar. Ein falsches Least Significant Bit (LSB) bewirkt dagegen lediglich eine Abweichung um eine winzige Farbnuance, die im Bild gar nicht auffällt. So vervielfacht WHDI die Übertragungseffizienz, indem es die Datenökonomie des Fehlerschutzes an die Wertigkeit der einzelnen Bits anpasst.

Andere Systeme, etwa der Wireless HDMI Extender von Gefen oder das Wireless HDMI-Gespann SWW1800, das Philips als Neuheit auf der Funkausstellung in Berlin zeigen wird, nutzen den Übertragungsstandard Ultra Wide Band (UWB), der im Funkspektrum 3,1 bis 10,6 Gigahertz auf der Basis einer Pulsmodulation Datenraten bis zu 1,3 Gigabit ermöglicht.

Ihr spezifischer Nachteil: Die begrenzte Bandbreite erfordert eine Kompression hoch aufgelöster Bildsignale. Kritiker wie die Verfechter des Wireless-HD-Lagers sehen darin Probleme: Zum einen verschlechtere sich damit die Qualität, zum anderen resultierten aus der unvermeidlichen Rechenarbeit gewisse Zeitverzögerungen. Ob daraus wirklich spürbare Nachteile resultieren, bleibt abzuwarten. Nur eines steht jetzt schon fest: Die Strippe zur nächsten Netzsteckdose bleibt uns erhalten, wahrscheinlich für immer.

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