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Consumer Lifestyle Philips will Konsumsparte stärken

02.09.2009 ·  Die Übernahme des italienischen Espressomaschinen-Herstellers Saeco ist Philips nicht genug: Der niederländische Elektronik-Konzern schließt weitere Akquisitionen in der Sparte Consumer Lifestyle nicht aus - im Gegenteil.

Von Johannes Winkelhage
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Der niederländische Elektronik-Konzern Philips schließt weitere Übernahmen in seiner Sparte Consumer Lifestyle nicht aus. Nach der Akquisition von Saeco, dem italienischen Hersteller von Espressomaschinen, für rund 200 Millionen Euro sucht Philips weiter nach Möglichkeiten, die Umstrukturierung des Segments Consumer Lifestyle durch Zukäufe zu stärken. Das erklärte Andrea Ragnetti, der Vorstandsvorsitzende der Sparte, im Vorfeld der Branchenmesse Ifa. Nach seinen Worten muss es dabei aber nicht allein um große Zukäufe wie bei Saeco gehen. Manchmal lange auch schon der Zukauf von Kompetenz oder Wissen, die in kleineren Unternehmen zu finden seien, um dem Ziel der Marktführerschaft in den von Philips favorisierten Gebieten näher zu kommen.

Parallel zu den Sparanstrengungen, die der Konzern angesichts der schlechten Wirtschaftslage in die Wege geleitet hat, baut Ragnetti die Traditionssparte der Unterhaltungselektronik, die Anfang des Jahres 2008 mit den Haushaltsgeräten zusammengelegt wurde, derzeit radikal um. Zum Beispiel das Geschäft mit den Fernsehgeräten: „Es geht uns nicht mehr darum, der größte Anbieter zu sein – das wollen alle anderen auch. Wir wollen uns durch besondere Angebote am Markt differenzieren“, sagt Ragnetti und meint damit zum Beispiel die Geräte im originalen Cinema-Format 21:9 oder die Ambilight-Hintergrundbeleuchtung. Der Grund für die neue Bescheidenheit im Geschäft mit den Fernsehern wird von Marktbeobachtern aber auch darin gesehen, dass Philips den beinharten Preiskampf, der auf diesem Markt tobt, nicht mehr mitgehen will oder auch nicht mehr mitgehen kann. So gibt auch Ragnetti zu: „Das Geschäft mit den Fernsehern ist schwierig. Alle Anbieter arbeiten mit niedriger Profitabilität.“ Sehr niedrige, einstellige Margen sind hier keine Seltenheit, ist in der Branche immer wieder zu hören. Darunter leidet auch Philips.

Konzetration auf „Gesundheit und Wohlfühlen“

Der Konzern hält dennoch an dem Geschäft fest, da es nach Meinung von Ragnetti sehr gut in die Strategie einer Konzentration auf „Gesundheit und Wohlfühlen“ oder „Health and Wellbeing“, wie Philips es nennt, passt. Vor dem Fernseher finde ein größerer Teil des Familienlebens statt, was besonders gilt, wenn die Geräte in Zukunft stärker mit dem Internet verbunden werden und ein Teil der bisher am Computer bewältigten Kommunikation am Fernseher erfolgt. Dennoch hat der Konzern sein Fernsehergeschäft in den Vereinigten Staaten gerade an einen Lizenznehmer abgegeben und sich aus anderen Märkten wie Australien oder Südafrika mit den Fernsehgeräten ganz zurückgezogen. Ganz aufgeben will er es aber offenbar nicht.

Insgesamt passt alles, was das Leben einfacher, gesünder oder angenehmer macht, zu der neuen Strategie der Sparte. „Wir haben uns aus einem adressierbaren Markt mit einem Volumen von rund 1,4 Billionen Euro jetzt Segmente herausgesucht, die rund 500 Milliarden Umsatz im Jahr erzeugen. Auf diese Märkte werden wir uns konzentrieren“, erklärt Ragnetti. Das sei zwar ungefähr das Volumen des adressierbaren Marktes, das auch vor dem Umbau bestanden habe. Aber: „Die alte Sparte Consumer Lifestyle war groß und weitgehend unprofitabel. Wir haben uns aus vielen unprofitablen Bereichen zurückgezogen und neue Felder hinzugefügt, die allesamt höhere Margen und vor allem nachhaltiges Wachstum versprechen“, sagt Ragnetti.

Schlaf, Hautpflege, Wasser und Luft

Nicht dazu gehören zum Beispiel digitale Kameras, Navigationsgeräte oder auch Mobiltelefone – ein Geschäft, aus dem sich Philips schon vor Jahren zurückgezogen hat. „Wir waren auf diesen Gebieten nicht in der Lage, nachhaltig erfolgreich zu sein.“ Als Felder, in die der Konzern nachhaltig investieren werde, nennt Ragnetti unter anderem das Thema Schlaf, die professionelle Hautpflege oder auch die häusliche Aufbereitung von Wasser und Luft. „Auf diesen Feldern haben wir zwar bisher keine oder nur wenig Produkte zu bieten, wir investieren aber eine Menge und werden mit Angeboten auf den Markt kommen.“ Diese Investitionen können nach seinen Angaben auch als Indiz dafür gelten, auf welchen Gebieten der Konzern weitere Zukäufe planen könnte.

Bis das so weit ist, muss die Philips-Sparte allerdings mit den Folgen der Krise und dem Preiskampf fertig werden, die beide tiefe Spuren in der Bilanz des ersten Halbjahres hinterlassen haben. So ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) erreichte 50 Millionen Euro nach einem Gewinn von 108 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Ebita-Marge lag entsprechend negativ bei 1,4 Prozent. Das aber soll sich nach der Krise wieder ändern. So rechnet Ragnetti dann mit einer Ebita-Marge von 8 bis 10 Prozent und einem zweistelligen Umsatzwachstum im Jahr. Vielleicht kann dies schon im Jahr 2010 erreicht werden, hofft er.

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