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Politische Treibjagd im HR Wir bilden eine Legende

05.11.2008 ·  Einseitigkeit scheint im Hessen-Fernsehen Trumpf zu sein. In der Sondersendung „Tag nach dem Scheitern“ zur hessischen Regierungsbildung setzte der HR zur politischen Treibjagd an. Die hessische SPD veröffentlicht derweil interne E-Mails der Abgeordneten Carmen Everts.

Von Michael Hanfeld
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Am „Tag nach dem Scheitern“ machte es das Hessische Fernsehen mit einer gleichnamigen Sondersendung zur gescheiterten Ministerpräsidentenwahl nicht wirklich besser. Hatten einige Berichterstatter des HR tags zuvor jedwede Distanz zu den Verbalinjurien der Parteigänger Andrea Ypsilantis vermissen lassen, mit denen diese die vier Abgeordneten eindeckten, die sich dem rot-rot-grünen Bündnis verweigern, setzte der HR am Dienstag zur Treibjagd auf Carmen Everts, Silke Tesch, Dagmar Metzger und Jürgen Walter an.

Reporter hörten sich in den Wahlkreisen und Ortsvereinen der Parlamentarier um und fanden fast ausschließlich die Meinung bestätigt, die Vier hätten im Landtag und in der Partei nichts mehr zu suchen. Nur aus einem SPD-Sprengel im Norden des Bundeslandes waren andere Stimmen zu hören, aus dem Örtchen Nieste, wo die SPD dreimal so stark ist wie die CDU. Einseitigkeit scheint im Hessen-Fernsehen im Augenblick Trumpf zu sein und das Fortschreiben der Verschwörungstheorien aus dem Hause Ypsilanti auch.

SPD veröffentlicht interne E-Mails

„Sind wir vielleicht alle Teil einer kleinen Legendenbildung“, fragte der Moderator Andreas Clarisse anfangs. Damit meinte er jedoch nicht die üble Nachrede, mit der die vier Abgeordneten verfolgt werden, sondern das Bild, das sie selbst von sich zeichneten als aufrechte Politiker (die, das nur nebenbei, den Mehrheitswillen der hessischen Wähler repräsentieren, aber eben nicht den ihrer Parteiorganisation). Damit war die Stoßrichtung klar.

Bezeichnend ist, dass der HR an diesem Abend darauf verzichtete, das ganze politische Panorama der hessischen SPD aufzuzeigen. Ursprünglich waren zwei SPD-Linke - der stellvertretende Landesvorsitzende Gernot Grumbach und der Abgeordnete Thomas Spies - und zwei konservative Sozialdemokraten - der ehemalige Innenminister Gerhard Bökel und der einstige Darmstädter Oberbürgermeister Günther Metzger - zu einem Streitgespräch geladen. Spies konnte nicht und Grumbach wollte sich nicht mit zwei Vertretern des anderen Parteiflügels auseinandersetzen. Also lud der HR Bökel und Metzger wieder aus, Grumbach wurde solo befragt.

Die hessische SPD stellt auf ihrer Internetseite inzwischen, um die Selbstdarstellung der vier gegen Ypsilanti opponierenden Abgeordneten zu konterkarieren, Auszüge aus internen Mails aus, die Carmen Everts an den SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt geschrieben haben soll. Hier von schlechtem Stil zu sprechen, wäre eine glatte Untertreibung. Beim Hessen-Fernsehen sollten sie sich derweil überlegen, wer hier eigentlich Teil welcher Legendenbildung ist.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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