09.10.2009 · Obama zeigt sich bescheiden. Staats- und Regierungschefs in aller Welt haben die Vergabe des Friedensnobelpreises an ihn gelobt. Der polnische Preisträger Lech Walesa sagte hingegen, Obama habe die Auszeichnung „zu früh“ bekommen.
Barack Obama hat noch geschlafen, als das Nobelpreiskomitee in Oslo bekanntgab, dass der amerikanische Präsident den Friedensnobelpreis 2009 bekommen soll. Erst um kurz vor sechs Uhr Ortszeit, also fast eine Stunde danach, wurde Obama durch einen Anruf seines Sprechers Robert Gibbs geweckt. Eine offizielle Stellungnahme blieb zunächst aus. Gibbs schickte dem Fernsehsender CBS aber eine E-Mail, die lediglich aus dem Wort „WOW“ bestand.
Als Barack Obama am frühen Abend mitteleuropäischer Zeit erstmals vor die Kameras trat, zeigte er sich bescheiden: „„Ich bin überrascht und zutiefst demütig“, sagte er im Rosengarten des Weißen Hauses. Um ehrlich zu sein, glaube er nicht, dass er es verdiene, sich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht hätten, sagte Obama wörtlich. Er betrachte den Preis nicht als eine Bestätigung für Erreichtes, sondern als eine Herausforderung, erklärte der Präsident.
In Deutschland wurde die Verleihung des Preises an Obama als Auszeichnung und Verpflichtung zugleich gewürdigt. „Sein Eintreten für eine atomwaffenfreie Welt ist ein Ziel, für das wir uns alle einsetzen sollten“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Obama habe mit seinem Bemühen um eine neue Gesprächsbereitschaft der Staaten ein „Fenster der Möglichkeiten eröffnet“. Die Verleihung des Nobelpreises sei ein Ansporn für den amerikanischen Präsidenten und „uns alle“, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen, sagte Merkel in Leipzig. „Wir alle sollten ihn unterstützen.“
Der scheidende Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte die Entscheidung des Nobelkomitees „ein wichtiges Signal der Unterstützung für die kooperative Politik des amerikanischen Präsidenten“. Obamas „mutige Politik der ausgestreckten Hand ist der richtige Weg, um die verhärteten Fronten in vielen Konflikten aufzubrechen und die friedliche Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu fördern“, sagte Steinmeier.
Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle, der als künftiger Außenminister gehandelt wird, sagte, der Friedensnobelpreis sei „weniger die Auszeichnung für bereits Erreichtes, sondern eine Rückenstärkung für eine Politik, die auf Kooperation statt auf Konfrontation und auf Abrüstung statt Aufrüstung setzt“. „Diese Richtschnur gilt nicht nur für Washington. Zusammenarbeit und Vertrauensbildung sind auch die beste Tradition deutscher Außenpolitik.“
Bundespräsident Horst Köhler schrieb Obama: „Ihr Name wird mit einer neuen, kooperativen Weltpolitik verbunden, die im fairen, partnerschaftlichen Miteinander den globalen Herausforderungen begegnet.“
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte, die Vergabe der Auszeichnung an Obama verdeutliche „die Rückkehr Amerikas in die Herzen der Völker“.
Der israelische Präsident Schimon Peres schickte Obama ein Glückwunschschreiben, in dem er ihm bescheinigte, „der ganzen Menschheit neue Hoffnung“ zu geben. Nur „sehr wenige“ Politiker hätten es geschafft, „den geistigen Zustand der Welt in so kurzer Zeit zu ändern“, schrieb Peres, der den Friedensnobelpreis 1994 zusammen mit Jassir Arafat und Izchak Rabin bekam.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, diese Auszeichnung für den Führer der größten Militärmacht der Welt spiegele die Hoffnungen, die sich an dessen Vision von einer atomwaffenfreien Welt knüpften.
Ein enger Berater des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad sagte, die Regierung in Teheran hoffe, dass die Auszeichnung Obama anspornen werde, „den Weg zur Gerechtigkeit in der Welt“ zu beschreiten.
Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed el Baradei, der den Friedensnobelpreis zusammen mit seiner Organisation im Jahr 2005 erhielt, zeigte sich begeistert. „Mir fällt niemand ein, der diese Ehre mehr verdient hätte“, sagte er in Wien. Der Präsident habe der Welt eine „neue Vision“ geschenkt, die auf „menschlichem Anstand, Fairness und Freiheit“ beruhe.
Der frühere polnische Präsident Lech Walesa, Friedensnobelpreisträger des Jahres 1983, sagte hingegen, Obama habe den Preis „zu früh“ erhalten: „Er hat bisher nichts geleistet.“
Obama ist der dritte amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, der den Friedensnobelpreis bekommt. Woodrow Wilson (Amtszeit 1913 bis 1921) wurde 1919 für seine Verdienste zur Beendigung des Ersten Weltkrieges und für die Gründung des Völkerbundes ausgezeichnet. Theodore Roosevelt, der zwischen 1901 und 1909 amtierte, bekam den Preis 1906 für seine Friedensbemühungen etwa im Konflikt zwischen Japan und Russland zuerkannt. Jimmy Carter bekam den Friedensnobelpreis erst 2002, lange nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, das er von 1977 bis 1981 bekleidete, für seinen „Einsatz zur friedlichen Lösung internationaler Konflikte, für Demokratie und Menschenrechte sowie für wirtschaftliche und soziale Entwicklung über mehrere Jahrzehnte“.