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Interview: Bitkom-Präsident Scheer „Kalifornien brodelt“

 ·  Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer begründet im Interview, warum Kalifornien als Cebit-Partnerland ausgewählt wurde und wie man mit der Messe Hoffnung verbreiten will. „Unsere Branche ist längst nicht so gebeutelt wie Autoindustrie oder Banken.“

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Der Präsident der Bitkom, August-Wilhelm Scheer, begründet im Interview, warum Kalifornien als Partnerland für die Cebit ausgewählt wurde und wie man mit der Messe Hoffnung verbreiten will.

Herr Scheer, haben Sie mit Kalifornien das falsche Partnerland für die Cebit 2009 ausgesucht?

Nein. Kalifornien ist und bleibt Vorbild als Brutstätte für fortschrittliche Unternehmen. Arnold Schwarzenegger wird mit seinem Besuch sicher viel Aufmerksamkeit erzeugen.

Nur kämpft der Gouverneur daheim gegen die Pleite.

Den Kampf führt die Politik dort, nicht die Unternehmen. Die innere Kraft Kaliforniens leidet nicht. Dieses Brodeln dort befeuert Gründer, darum entsteht Google dort - und nicht bei uns.

Was macht dieses Brodeln aus?

Das Ineinandergreifen vieler Faktoren, die junge Unternehmen brauchen, von den Eliteuniversitäten bis zu der Investoren-Szene.

Wird die Cebit in diesen tristen Zeiten Signale der Hoffnung senden?

Unsere Branche ist längst nicht so gebeutelt wie Autoindustrie oder Banken. Wir rechnen immerhin mit einer schwarzen Null für den Umsatz im Jahr 2009 - die Informationstechnik mit einem leichten Plus, die Telekomunternehmen mit einem leichten Minus.

Worauf gründet diese Gelassenheit?

Unsere Firmen helfen den anderen Unternehmen, um schnell auf die Krise reagieren zu können. Wer Kosten senken will, muss zwangsläufig in IT investieren.

Was bedeutet das für die Jobs?

Nach den letzten Zahlen vom Herbst gab es in Deutschland 45 000 offene Stellen für IT-Experten. Mag sein, dass die Zahl inzwischen leicht gesunken ist. Generell jedoch bleibt die Lage stabil: Im Januar gab es weniger arbeitslose IT-Fachleute als noch vor einem Jahr. Viele Unternehmen sind vorsichtiger bei Neueinstellungen geworden, aber nur wenige planen einen Personalabbau.

Das kontrastiert mit dem öffentlichen Bild: Qimonda ist insolvent, die Infineon-Aktie ein Penny-Stock, selbst der Champion SAP kürzt Stellen.

Da mischen sich Konjunktur- mit Strukturproblemen. Halbleiter etwa sind Commodity, Massenware, zudem in der ganzen Welt stark subventioniert. Wenn die Europäische Union das nicht mehr zulässt, dann wird der Wettbewerb verzerrt. Qimonda wurde ein Opfer dieser Entwicklung. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass Infineon auf dem Erfolgspfad bleibt - und wir diese wichtige Technologie in Deutschland behalten.

Wen meinen Sie mit "wir"? Soll schon wieder der Staat als Retter eingreifen?

Nein. Das "wir" meint die Volkswirtschaft als Ganzes, Infineon ist von gesamtwirtschaftlicher Bedeutung. Die Dinge regeln muss das Unternehmen selbst, der Vorstand dort ist gefragt.

Fast jede Branche verlangt Hilfe von der Politik: Wo bleibt der Ruf nach einer Abwrackprämie für Computer?

Den werden Sie nicht hören. Wir missbrauchen die Krise nicht, um Forderungen zu stellen. Wobei wir schon darauf achten müssen, dass das Konjunkturprogramm für die Bildung nicht nur in Beton und Farbe der Gebäude investiert, sondern auch in die Köpfe. Computer, schnelle Internetanschlüsse und E-Learning-Software verbessern die Qualität des Unterrichts. Noch wichtiger sind mehr Lehrer, die mit neuen Medien umgehen können.

Das Gespräch führte Georg Meck

Quelle: F.A.S.
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