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Im Gespräch: SAP-Finanzvorstand Werner Brandt „Zu hohe Kosten für Software via Internet"

03.03.2009 ·  SAP hält trotz Schwierigkeiten an der Mittelstandssoftware Business By Design fest. Um seine Liquiditätsziele zu erreichen und Schulden abzubauen, erwägt der Konzern eine Zwischenfinanzierung, sagt SAP-Finanzvorstand Werner Brandt.

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SAP hält trotz Schwierigkeiten an der Mittelstandssoftware Business By Design fest. Um seine Liquiditätsziele zu erreichen und Schulden abzubauen, erwägt der Konzern eine Zwischenfinanzierung, sagt SAP-Finanzvorstand Werner Brandt im Interview.

Herr Brandt, die Cebit rechnet mit einem Viertel weniger Ausstellern, SAP streicht zum ersten Mal seit der Gründung Stellen, die Krise hat offenkundig die Informationstechnik voll erfasst. Gibt es denn keinen Lichtblick?

Seit der Bekanntgabe unserer Zahlen vor einem Monat hat sich nichts geändert. Wir fahren immer noch auf Sicht. Wenn die Pipeline früher über vier Quartale hinweg eine einigermaßen zuverlässige Prognose möglich gemacht hat, übersehen wir heute kaum das nächste Quartal. Global erwarten Marktanalysten höchstens einen sehr moderaten Anstieg der IT-Ausgaben. Wie sich das auf das Softwaregeschäft in diesem Jahr auswirkt, ist heute schwer abzusehen.

Was erwarten Sie denn für das Gesamtjahr?

Wir haben bei unserer Prognose zunächst unterstellt, dass der Produktumsatz nicht wächst. Dabei müssen Sie berücksichtigen: Wir hatten im ersten Halbjahr 2008 eine sehr starke Performance. Im Gegensatz dazu wird das erste Halbjahr 2009 sehr schwierig, da es voll von der Finanz- und Wirtschaftskrise belastet sein wird. Außerdem ist die Akquisition von Business Objects erstmals praktisch vollständig in der Vorjahresbasis enthalten.

Wie reagiert SAP auf die Krise?

Wir werden 2009 sehr stark auf unsere Ausgaben schauen. Dazu gehört auch, dass wir 3000 Stellen abbauen, davon rund 600 in Deutschland. Dies wird unter konsequenter Ausnutzung der natürlichen Fluktuation geschehen.

Und wenn das nicht reicht?

Dann müssen wir auch aktiv Stellen abbauen - aber sozialverträglich über Aufhebungsvereinbarungen. In Deutschland sind wir derzeit in Verhandlungen mit dem Betriebsrat zu diesem Thema. Wir rechnen mit Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro im Jahr 2009. Ziel ist es, dadurch die Personalkosten nachhaltig um 300 bis 350 Millionen Euro im Jahr zu reduzieren.

Ausgerechnet die beiden SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp und Hasso Plattner haben lautstark gegen das Sparprogramm gewettert und dem Vorstand vorgehalten, er schüre damit nur unnötig Angst und verletze die SAP-Kultur.

Im Nachhinein haben eigentlich alle bestätigt, dass es richtig war, schon im Oktober konsequent auf die Krise reagiert zu haben. Ich denke, das sieht auch der Aufsichtsrat so.

Wie ernsthaft sind denn die Probleme mit der neuen Mittelstandssoftware Business By Design? In New York im Herbst 2007 schon als revolutionäre Software angekündigt, sieht es heute danach aus, als ob das Projekt tot sei.

Das ist definitiv nicht so. Wir gehen davon aus, dass Business By Design zum Erfolg kommt. Von einem Ende der Markteinführung kann keine Rede sein. Wir entwickeln Business By Design und das Geschäftsmodell in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden kontinuierlich weiter und liefern regelmäßige Updates aus. Mit dem anstehenden Feature Pack 2.0, das wir dieses Jahr anbieten werden, erweitern wir die Funktionalität deutlich. Wir sind davon überzeugt, dass das Produkt letztendlich erfolgreich sein wird.

Wo hakt es also?

Wir müssen noch daran arbeiten, dass es als Geschäftsmodell effizienter funktioniert. Das heißt, wir haben noch zu hohe Kosten, um die Software über das Internet zur Verfügung zu stellen und zu betreiben. Daran arbeiten wir, und das wird noch einige Zeit dauern. Das hat aber nichts mit dem Produkt selbst zu tun. Wir stehen hundertprozentig hinter Business By Design.

Die Tatsache, dass das Produkt nicht mit den Kostenstrukturen von SAP zusammenpasst, ist ja nicht neu. Wieso dauert das denn so lange?

Im Kern geht es um den Automatisierungsgrad, mit dem die Software auf SAP-Servern gewartet und betrieben wird, wir sprechen von Infrastruktur und Application Management. Das ist noch zu teuer.

Wann wollen Sie denn nun Ihr Umsatzziel von 1 Milliarde Dollar für das neue Produkt erreichen? Ursprünglich sollte das doch schon nächstes Jahr der Fall sein.

Wir können heute nichts über die zeitliche Dimension sagen. Wir brauchen einfach noch Zeit, um das Geschäftsmodell wie beschrieben zu optimieren.

Was bedeutet die Krise für Ihre Liquiditätssteuerung? Immerhin müssen Sie bis Jahresende noch 2,3 Milliarden Euro für den Kauf von Business Objects zurückzahlen. Außerdem hatten Sie mit Blick auf die vollen Kassen Ihrer Wettbewerber Microsoft und Oracle in der Vergangenheit auch noch 4 Milliarden Euro als Liquiditätsreserve angepeilt.

Wie für jedes Unternehmen in diesen Zeiten gilt auch für die SAP: Liquidität hat hohe Priorität. Dabei kommt uns zugute, dass wir eine tagesaktuelle Übersicht über unsere Konzernliquidität haben und einen sehr konservativen Ansatz auf der Geldanlageseite verfolgen. Wir haben vor einem Jahr Business Objects für 4,9 Milliarden Euro gekauft und haben noch, wie Sie richtig sagen, 2,3 Milliarden Euro Schulden in unserer Bilanz. Die wollen wir bis Ende des Jahres komplett abbauen. Außerdem müssen wir berücksichtigen, dass wir auch in diesem Jahr der Hauptversammlung eine Dividende in der Größenordnung von 600 Millionen Euro vorschlagen wollen.

Das können Sie doch unmöglich aus dem laufenden Geschäft bezahlen?

Zusätzlich zu den Mitteln in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, die uns am Anfang des Jahres zur Verfügung standen, haben wir den Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft im laufenden Jahr. Darüber hinaus können wir auf Kreditlinien über 1,6 Milliarden Euro zurückgreifen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass unser bisher nicht in Anspruch genommener syndizierter Kredit über 1 Milliarde Euro im November ausläuft. Wir arbeiten derzeit an diesem Thema.

Mit welchem Ziel?

Wir stellen damit sicher, dass wir auch in Zukunft immer eine aus unserer Sicht angemessene Liquiditätsreserve in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung haben.

Denken Sie denn auch an eine Kapitalerhöhung?

Nein, eine Kapitalerhöhung ist nicht angedacht. Wir werden uns voraussichtlich um eine Zwischenfinanzierung bemühen. Mehr kann ich dazu heute noch nicht sagen.

Bislang galt es unter Beobachtern als ausgemachte Sache, dass SAP das Ziel, im Jahr 2010 über mehr als 100 000 Kunden zu verfügen, nur über Akquisitionen erreichen kann. Geht das denn noch, bei diesen Finanzierungserfordernissen?

Wir hatten zum Jahreswechsel 82.000 Kunden, und wir werden das Ziel auch ohne Zukäufe erreichen. Aber ich schließe Zukäufe nicht kategorisch aus. Wenn sich Gelegenheiten ergeben, müssen wir die Finanzierung separat prüfen.

Das Gespräch führte Bernd Freytag.

Quelle: F.A.Z.
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