05.03.2009 · Ans Ziel führen sie alle, aber mit welchen zusätzlichen Diensten und Angeboten wird die elektronische Routenführung noch komfortabler? Navigon überzeugt mit Spracherkennung, Clarion bietet Zugriff auf das Fernsehprogramm und E-Mail.
Von Michael SpehrImmer mehr Autos sind auf der Cebit zu sehen, nicht nur spektakuläre Vorführungen wie das Fahrzeug ohne Fahrer, sondern auch die seit langem diskutierten Vorschläge für ein intelligentes Verkehrsmanagement, für die Erfassung und Steuerung der Verkehrsströme. Wireless-Lan soll ins Fahrzeug einziehen, das ist nicht neu, aber die Ideen und Ansätze werden zahlreicher. Volkswagen präsentiert „Auto @ Web“ in einem Tiguan, der sich ständig mit dem Internetportal „Wireless Wolfsburg“ austauscht, und der ADAC zeigt seine „Auto Diagnose Digital“.
In Sachen Navigation ist bei den beliebten Saugnapf-Navis für die Windschutzscheibe ein Ende der Fahnenstange erreicht: Ans Ziel führen sie alle, und was sich bereits im vergangenen Jahr deutlich ankündigte, ist heuer die Leitfrage schlechthin: Mit welchen zusätzlichen Diensten und Angeboten wird die elektronische Routenführung noch komfortabler, welche Funktionen sind sinnvoll, wie lassen sich die Produkte weiter optimieren? Stand auf der Cebit 2008 die Kartenaktualisierung im Vordergrund, bieten die in diesem Jahr vorgestellten Neuheiten vor allem ein Plus bei der Zusatzausstattung.
„Ich höre nichts“ erhöht die Lautstärke
Navigon beispielsweise rüstet seine neuen Geräte, allen voran das 7310, mit der Spracherkennung Professional Voice Comand aus, die von Nuance stammt. Ihr größter Vorzug: Sie erkennt frei formulierte Sätze, man muss nicht mehr bestimmte Kommandos auswendig lernen. „Ich höre nichts“ erhöht beispielsweise automatisch die Lautstärke der Ansagen. Ebenfalls ein klarer Gewinn: „Clever Parking“ mit der Angabe der Öffnungszeiten, Telefonnummern und Gebühren von Parkplätzen in Zielnähe. Nur fehlt noch die Abfrage der freien Plätze im Parkhaus.
Während Tom Tom auf der diesjährigen Cebit fehlt und bei seinen Navis auf intelligente Routenwahl durch die Berücksichtigung von Verkehrsinformationen setzt, heißt die Alternative bei Navigon „My Route“. Eine Art selbstlernende Funktion, die das individuelle Fahrverhalten auswertet (ob jemand beispielsweise schnell oder langsam auf der Autobahn fährt) und eine dazu passende Strecke zusammenstellt. Das Navigon 7310 kommt im zweiten Quartal in den Handel und ist eine Stufe unter dem Top-Gerät 8110 angesiedelt. Im mittleren Preissegment gibt es nun eine 4000er-Reihe (4310 max und 4350 max), die vom Sommer an zu Preisen von unter 250 Euro erhältlich sind.
Das braucht kein Mensch
Wenn es um Umwelt und Energie geht, meinen manche Hersteller ihre Fähnchen nach dem Zeitgeist zu hängen. Ohne Anschluss an den Bordcomputer des Fahrzeugs werden ungefähre Schätzungen der CO2-Emissionen einer Fahrt auf dem Display ausgegeben. Allerdings nur die des Autos, nicht die von Fahrer und Passagieren. Gleichermaßen grenzwertig ist die Foto-Navigation mit der Option, Ziele als geokodierte Bilder im Navi-System zu hinterlegen. Das braucht kein Mensch.
Blaupunkt zeigt, wie auf der CES im Januar, Autoradios mit UMTS für den Empfang des Internetradios, und was man beim missglückten Travelpilot 700 versprochen hatte, präsentiert nun Clarion mit seinem „Mind“: die eierlegende Wollmilchsau unter den Top-Navis mit Internetverbindung, wahlweise via Bluetooth und Handy, Wireless-Lan und UMTS. Das Gerät mit Touchscreen-Bildschirm und opulenter Auflösung von 480 x 800 Pixel ist wahlweise Surfstation oder Routenführer, es bietet Zugriff auf das digitale Fernsehprogramm, auf You Tube und E-Mail, hat einen Nachrichtenticker am unteren Bildschirmrand und so gut wie alles eingebaut, was man bei einem Mini-PC erwarten darf. Mit Linux-Betriebssystem reagiert der Mind flink auf Eingaben, wir sind auf das von April an erhältliche Gerät mehr als gespannt.
Merian koppelt seine tollen Reiseführer mit Tipps zum Ausgehen und Empfehlungen der „Feinschmecker“-Redaktion von der Hardware ab und bietet die Software künftig auch für Routenführer der Mitbewerber an. Sie soll für Geräte von Tom Tom und Garmin sowie demnächst auch für das iPhone von Apple angeboten werden. Zunächst sind 75 Städteführer für europäische Metropolen geplant.