03.03.2009 · Mit flotten Filmzitaten hat Arnold Schwarzenegger versucht, bei der Cebit-Eröffnung einen Hauch von Hollywood-Stimmung zu erzeugen. Denn die Messe, die Kanzlerin Merkel gemeinsam mit Schwarzenegger eröffnet hat, steht im Zeichen der Krise. Doch der Branchenverband versichert: Die IT-Unternehmen schlagen sich wacker.
Von Johannes Winkelhage und Holger SchmidtDie Branchen Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) kommen vergleichsweise gut durch die Wirtschaftskrise. „Der Umsatz im deutschen ITK-Markt wird 2009 nach bisherigen Schätzungen 144,6 Milliarden Euro betragen, genauso viel wie im Vorjahr“, sagte August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, auf der Computermesse Cebit in Hannover. Die Stagnation folgt auf zwei Jahre mit 2 beziehungsweise 1,2 Prozent Wachstum. Da viele Innovationen und Kostensenkungsprogramme auf dem Einsatz moderner Informationstechnik beruhen, sieht sich die Branche eher als „Problemlöser“ für andere Unternehmen denn selbst als Problemfall.
Die erwartete Stagnation in diesem Jahr soll zudem zu keinem Beschäftigungsabbau führen; die Zahl der Beschäftigten soll weiterhin 830.000 betragen. Nach einer Umfrage des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) sind weiterhin 18.000 Stellen für Informatiker unbesetzt. „Im Vergleich zum Vorjahr blieb diese Zahl auf konstant hohen Niveau“, sagte Dieter Westerkamp vom VDI in Hannover.
Bislang keine Auswirkungen
Nach Angaben von Scheer spüren 55 Prozent der Branchenunternehmen bislang keine Auswirkungen der Krise. Dieser Wert ist in den monatlichen Befragungen seit November zwar von 86 auf 55 Prozent gefallen, hat sich aber seit Jahresanfang stabilisiert. Nur 15 Prozent der Unternehmen erwarten einen starken Umsatzrückgang in diesem Jahr.
Allerdings entwickeln sich die verschiedenen Sparten unterschiedlich. Für IT-Dienstleistungen erwartet der Branchenverband in diesem Jahr noch 3,7 Prozent Wachstum, nach 5,7 Prozent im vergangenen Jahr. Auch die Software wird noch wachsen, allerdings nur um 2 Prozent statt mit 4,2 Prozent wie im Jahr zuvor. Dagegen werden die Investitionen in Hardware um 2,4 Prozent eingeschränkt. Ähnlich heterogen sieht die Situation in der Telekommunikation aus: Um 5,3 Prozent werden die Datendienste in diesem Jahr zulegen, während die Ausgaben für Infrastruktur um 1,5 Prozent und die Ausgaben für die Sprachtelefonie sogar um 4,9 Prozent zurückgehen werden.
Schwarzenegger: Eine Schlüsselindustrie
Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger bezeichnete die Informationstechnik als Schlüsselindustrie für Wirtschaft und Gesellschaft. „Die Technologie hilft uns auch, sauberere Autos zu entwickeln und gegen den Klimawandel zu kämpfen“, sagte der Gouverneur, der zu Beginn seiner Ansprache das Engagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Klimapolitik würdigte. Schwarzenegger gab ganz den Action-Helden: „Sieger schauen nach vorne“, erinnerte er die Hightech-Branche und rief sie auf, die aktuelle Wirtschaftskrise als Chance zu sehen. Am Ende seiner Rede verabschiedete er sich mit seinen berühmten Sätzen aus dem Film „Terminator“: „I'll be back. Hasta la vista, Baby.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte während der Cebit-Eröffnung das Ziel der Bundesregierung, dass drei Viertel der Deutschen bis zum Jahr 2014 Zugang zu einem Breitbandnetz mit mindestens 50 Megabit je Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit haben werde. „Im 19. und 20. Jahrhundert hat der Staat die großen Infrastrukturprojekte finanziert, heute sorgen private Unternehmen für den Ausbau der Breitbandversorgung in Deutschland. Aber: der Staat muss Anreize so setzen, dass wir eine flächendeckende Breiband-Versorgung in Deutschland hinbekommen“, sagte Merkel.
Die digitale Dividende, die durch die Digitalisierung des Rundfunks frei werdenden Funkfrequenzen, müsse umgeschichtet werden in Richtung der Unternehmen, die Breitbandanschlüsse anbieten. „Es gibt Frequenzen im Überfluss - aber nicht jeder rückt sie heraus“, sagte Merkel in Richtung der Landesmedienanstalten und Rundfunksender. An die Netzbetreiber richtete Merkel den Wunsch, sich doch „gnädigst auf eine Lösung zu einigen“. Im Gegenzug versprach die Bundekanzlerin, dass sie sich intensiv für eine zügige Freigabe der erforderlichen Frequenzen einsetzen werde. „Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung. Sonst sitzen wir noch in zehn Jahren hier und diskutieren über die digitale Dividende. Das will ich nicht“, sagte Merkel.
Yes we can't do
hami yildiz (hamiyildiz)
- 02.03.2009, 22:43 Uhr
Wer braucht 500 Mb/sec?
Peter Zentner (Caterwaul)
- 02.03.2009, 22:56 Uhr
50, nicht 500
Marcus Ballmer (Allbecon)
- 03.03.2009, 01:06 Uhr
@Peter Zentner
Tobias Müller (tobias_mueller25)
- 03.03.2009, 02:00 Uhr
@hami
Christoph Naumann (Anti-Journalismus)
- 03.03.2009, 02:14 Uhr