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Cebit 2009 Wenn das Navi ein Bahnticket bestellt

04.03.2009 ·  „Bitte jetzt links abbiegen“... Immer mehr Kunden verlassen sich auf die Dienste von Navigationsgeräten. Die werden immer günstiger - und immer ausgefeilter. Auf der Cebit wurde viel diskutiert über mögliche Zukunftsmodelle, die Parkplätze vorbestellen, Mietwagen buchen oder Bahntickets kaufen können.

Von Johannes Winkelhage, Hannover
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Die Anreise zur Cebit nach Hannover. Das Navigationssystem weist den Weg. Und dann kommt diese Ansage im Radio: „Autofahrer werden gebeten, nicht den Vorschlägen ihres Navigationssystems zu folgen. Bitte richten Sie sich nach der Beschilderung und den Anweisungen der Ordnungskräfte.“ Der Hintergrund ist einfach: Die Navigationsgeräte kommen mit der für die Cebit regelmäßig geänderten Verkehrsführung in Messenähe nicht zurecht. „Es wird auch noch einen Moment dauern, bis Navigationsgeräte so schnell auf Änderungen der Verkehrsführung reagieren können“, erklärt Olaf Meng vom Navigationsgerätehersteller Garmin. „Das ist aber eine Herausforderung für uns“, fügt er hinzu.

Abseits der Cebit allerdings verlassen sich immer mehr Kunden auf die Dienste der kleinen Lotsen. Allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres wurden international rund 8,8 Millionen Geräte verkauft, rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz allerdings ging um 21 Prozent zurück, was den kräftigen Preisverfall für die Geräte dokumentiert. Die Lagebeschreibung ist einfach: Navigationsgeräte können immer mehr und kosten immer weniger. Entsprechend haben in Hannover unter anderem Garmin und Navigon neue Einsteigergeräte vorgestellt, die mit Preisen von wenig mehr als 100 Euro auf den Markt kommen sollen. Für Deutschland rechnet Michael Hoffmann vom Hamburger Hersteller Navigon weiter mit einem guten Potential: „Wir haben hier erst eine Penetration von 25 Prozent. Da gibt es durchaus noch Möglichkeiten zu wachsen.“ Dabei laufen nach seinen Angaben auch die Spitzengeräte gut, die bei den meisten Herstellern etwas mehr als 450 Euro kosten.

Bestandteil einer ganz neuen Wertschöpfungskette

Die Entwicklung der Navigation aber, die sich in den heutigen Spitzenangeboten dokumentiert, steht noch am Anfang. Künftige Navigationsgeräte werden Dienste bieten, die weit über das hinausgehen, was heute zu sehen ist. Und sie werden Bestandteil einer ganz neuen Wertschöpfungskette sein, die viele Komponenten mobilen Lebens miteinander verknüpft. Davon ist auch Serge Bussat überzeugt, der als Europachef für das Unternehmen Navteq arbeitet, einen der zwei großen Hersteller von digitalen Karten. „Wir sind Aggregator von Inhalten, die wir dann auf der Karte abbilden und den Kunden zur Verfügung stellen“, erklärt er.

Zu diesen Inhalten gehören aber keineswegs nur statische Positionen wie Tankstellen, Parkhäuser oder Apotheken. Inzwischen werden auch dynamische Komponenten wie die Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs in die Systeme integriert. Das aktuelle Schlagwort lautet: Multi-Mode. Egal, ob als Fußgänger, Radfahrer oder im Auto – das Navigationsgerät hilft, das gewünschte Ziel zu erreichen. Egal, ob mit der Bahn, dem Auto oder auch zu Fuß. Navteq ist derzeit dabei, solche Informationen für 39 große Städte in Europa zu sammeln und in das Datenmaterial zu integrieren. Bussat rechnet damit, dass solche Lösungen schon im Jahr 2010 auf den Markt kommen werden. Garmin hat inzwischen Daten des öffentlichen Nahverkehrs schon für ausgewählte Städte integriert. Mit den City-Xplorer-Karten des Unternehmens kann sich der Nutzer die Fahrzeiten von Bussen, Zügen und U-Bahnen sowie die Entfernungen der jeweiligen Strecken anzeigen lassen.

Mit einem Mobilfunkmodul ausgestattet

Voraussetzung für solche Angebote ist allerdings, dass die Geräte mit einem Mobilfunkmodul ausgestattet sind, das dynamische Datenbestände wie Fahrpläne, Stauvorhersagen bis hin zur Verspätung von Zügen oder Flugzeugen ständig aktualisiert. „Wenn das gelingt, können künftige Geräte die schnellste oder die preiswerteste, die schönste oder die ökologischste Transportmöglichkeit vorschlagen und nicht nur eine Route für das Auto berechnen“, sagt Bussat und fügt nicht zufällig hinzu: „Zumindest als Fußgänger werden Sie für diese Navigation das Handy nutzen.“ Navteq wurde im vergangenen Jahr vom Handyhersteller Nokia übernommen. Schon jetzt werden international erheblich mehr Handys mit Navigationsfunktion verkauft als klassische Navigationsgeräte. Bis 2012 sollen nach Einschätzung der Marktbeobachter von Strategy Analytics rund 40 Prozent aller Mobiltelefone für Navigationsaufgaben gerüstet sein.

Mit solch vernetzten Navigationssystemen erweitern die Kartenhersteller ihre Wertschöpfungskette langfristig um völlig neue Einnahmequellen. Bussat nennt hier auf der einen Seite die mobile Werbung, die den Nutzern standortbezogen auf die Geräte gespielt werden kann – wenn diese einen Vorteil davon haben oder generell damit einverstanden sind. Auf der anderen Seite sind aber auch Modelle möglich, in denen der Kunde eine Bahnfahrkarte, ein Flugticket oder einen Mietwagen und einen Parkplatz über solche Geräte bucht und ein Teil des Umsatzes an Unternehmen wie Navteq, Garmin oder Nokia geht. Wenn der Kunde auch die Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr einfach per Klick auf seinem Gerät kaufen kann, entfällt zusätzlich der schon legendäre Kampf mit den Fahrkartenautomaten in fremden Großstädten.

Auch die aktuellen Agebote verbessern sich

Aber auch abseits dieser Zukunftsmusik verbessern sich die aktuellen Angebote der Hersteller kontinuierlich. Während die einen mit einer verbesserten Sprachsteuerung aufwarten, versuchen die anderen, mit der dreidimensionalen Darstellung der Umgebung zu punkten. Blaupunkt integriert eine Kamera in das Gerät und nimmt das aufgenommene Bild als Grundlage, auf der die Route abgebildet wird.

Ein ganz anderes Feld hat Garmin für seine Angebote entdeckt. So nutzen immer mehr Sportler GPS-fähige Geräte, um ihre Trainingsleistungen zu dokumentieren und zu verbessern. „Das ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte und zeigt zweistellige Wachstumsraten“, sagt Klaus-Peter Brück von Garmin. Sein Unternehmen arbeite unter anderem mit dem 1. FC Köln und der TSG Hoffenheim zusammen. „Die dokumentieren damit die Laufwege und Leistungsdaten der Spieler während des Trainings und analysieren das später. Da kann sich keiner mehr verstecken.“

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