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Cebit 2009 Mit Hightech aus der Krise

03.03.2009 ·  Die Informationstechnik sieht sich als Schrittmacher auf dem Weg aus der Krise. Die Branchenriesen geben sich zuversichtlich, weil Sie von der Finanzkrise weniger stark betroffen seien als klassische Industrien wie Stahl, Autobau oder Chemie.

Von Stephan Finsterbusch
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Die Informationstechnik sieht sich als Schrittmacher auf dem Weg aus der Krise. Zwar haben auch Unternehmen wie Hewlett-Packard, Intel oder Cisco in den zurückliegenden Monaten teilweise heftige Umsatz- und Gewinnrückgänge verzeichnet, die Streichung von Tausenden von Arbeitsplätzen angekündigt und mit einer sinkenden Nachfrage nach Computern, Chips und Netzwerkausrüstungen auf allen wichtigen Märkten zu kämpfen. Doch die Branchenriesen geben sich auch zuversichtlich.

Sie sehen sich von den momentanen Verwerfungen in der Weltwirtschaft nicht nur weniger stark betroffen als klassische Industrien wie Stahl, Autobau oder Chemie. Sie rechnen auch damit, eine zentrale Rolle für die Überwindung der Krise spielen zu können. Denn einerseits schieben Regierungen in Washington, Berlin und London mit milliardenschweren Konjunkturhilfen heimische Wirtschaftszweige wie die IT-Industrie an, indem sie gezielt den Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur fördern und in die technische Aufrüstung öffentlicher Einrichtungen investieren. Andererseits haben Großkunden der IT-Ausstatter ihre Kostenblöcke zwar recht drastisch gekürzt, vielfach aber die Budgets für IT auf Vorjahresniveau belassen.

Der strategische Wert von IT-Technologien für sein Unternehmen

In Zeiten der Rezession erfordern Entscheidungen zu IT-Investitionen die ungeteilte Aufmerksamkeit der Unternehmensvorstände, sagt Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG. „Wer den strategischen Wert von IT-Technologien für sein Unternehmen verkennt, riskiert, angesichts schnellerer, agilerer Mitbewerber auf der Strecke zu bleiben.“ Nach Schätzungen des Analystenhauses Gartner werden auf den internationalen Märkten im laufenden Jahr für Produkte und Dienstleistungen der Informationstechnologie 2,7 Billionen Dollar ausgegeben. Das entspricht in etwa der jährlichen Leistungskraft der gesamten deutschen Wirtschaft. Konzerne wie der Handelsriese Metro, die Deutsche Bank oder der Autobauer Daimler investieren trotz Branchenkrise derzeit intensiv in ihre IT-Systeme. Während viele Unternehmen die Anschaffung neuer Hardware angesichts der Krise erst einmal auf die lange Bank geschoben haben, setzen sie auf eine bessere Auslastung ihrer bestehenden Strukturen.

Bedarf dafür sei da: Hu Yoshida, Technikchef von Hitachi Data Systems, sagt: „Daten sind für eine moderne Informationsgesellschaft wie Sauerstoff zum Atmen.“ Die Wettbewerber des Technologieriesen IBM gehen davon aus, dass die Menge der zu speichernden Daten in den kommenden Jahren stark steigt. Gründe seien moderne Geräte zur Kommunikation wie Laptops und Mobiltelefone. Mit ihnen können nahezu überall zu jeder Zeit über das Internet Informationen abgerufen, gesammelt und archiviert werden. Heute werden von Personen, Unternehmen, Institutionen an einem Tag Daten von 15 Petabyte gespeichert. Das entspricht 15 Milliarden Büchern mit jeweils eintausend bedruckten Seiten. Diese Mengen wollen gespeichert, verwaltet, analysiert und so wieder nutzbar gemacht werden.

Die steigende Nachfrage werde nicht gebremst

Gerade hier gibt es viel Spielraum für Verbesserungen. Stephen Brobst, Chief Technology Officer des Speicherspezialisten Teradata, geht davon aus, dass die Kapazitäten der Netzwerkrechner und Großspeicheranlagen in firmeneigenen Rechenzentren heute kaum zu 20 Prozent ausgelastet sind; entsprechend bleiben 80 Prozent ungenutzt. Das lasse auf einen gewaltigen Konsolidierungsbedarf schließen. Die Software AG verzeichnet ein seit Monaten wachsendes Interesse an den neuen, geschäftsorientierten Technologien für Infrastruktur-Software. Die steigende Nachfrage werde auch durch die aktuelle Wirtschaftskrise nicht gebremst. So würden in den Datenzentren der Unternehmen kostensenkende Methoden wie Cloud-Computing, Virtualisierung und Auslagerungen zahlreicher Prozesse ganz groß geschrieben.

Damit lassen sich teure Ressourcen besser nutzen und Kosten senken. Während beim Cloud-Computing mehrere Benutzer unabhängig voneinander auf vorhandene Infrastrukturen zugreifen, werden bei der Virtualisierung Ressourcen nach Bedarf zusammengefasst oder aufgeteilt. Die Analysten von Gartner rechnen damit, dass allein der Umsatz mit Software zur Visualisierung im laufenden Jahr um mehr als 40 Prozent auf insgesamt 2,7 Milliarden Dollar steigen wird. Darüber hinaus hat die Auslagerung bestimmter Daten- und Informationsprozesse in vielen Unternehmen während der vergangenen Jahre deutlich an Fahrt gewonnen. „Wir sehen, dass der Eigenanteil von Unternehmen aus den klassischen Industrien bei Entwicklung, Betrieb, Wartung und Pflege ihrer IT weiter sinkt“, sagt Uwe Dumslaff, Vorstand des Beratungshauses Capgemini.

80 Prozent lassen hausspezifische Software von Fremdfirmen entwickeln

Darüber hinaus werden in fünf Jahren die Firmen kaum noch die Hälfte der Infrastruktur ihrer elektronischen Datenverarbeitung in eigenen Händen halten. Heute sind es durchschnittlich noch mehr als zwei Drittel. Auch senken 60 Prozent aller Unternehmen ihre IT-Fertigungstiefe. 80 Prozent lassen hausspezifische Software von Fremdfirmen entwickeln. „Diese Entwicklung treibt die Industrialisierung der IT-Branche voran“, sagt Dumslaff. Vor allem in Deutschland werde sie Fahrt aufnehmen. „In den vergangenen Jahren hinkten viele große deutsche Industriekonzerne den internationalen IT-Trends hinterher“, erklärt er. „Der Grund war ganz einfach: Es war viel Geld da. Das ließ den Bedarf für Veränderungen auf der IT-Ebene relativ gering erscheinen.“

Mit der Verschärfung der Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich das geändert. Viele Unternehmen versuchten nun Kosten zu senken, wo sie nur könnten. Das würde auf der einen Seite Geschäftsmodelle wie Auslagerungen weiter nach vorn bringen. Hier spielten preiswerte und qualitativ hochwertige Anbieter aus Indien wie Tata Consultancy Service für Unternehmen wie Siemens oder die Deutsche Bank schon heute eine wichtige Rolle. In den kommenden Jahren dürfte sie noch größer werden. Auf der anderen Seite haben sich in den vergangenen Jahren westliche Hochtechnologiefirmen wie IBM, Oracle, SAP oder HP fit für die anstehenden Aufgaben gemacht, zahlreiche Anbieter von Analysesoftware übernommen und versuchen nun über tiefe Schnitte in der Personal- und Kostendecke die Ausgaben unter Kontrolle zu halten.

Auch wenn sich die amerikanischen und europäischen Hightech-Konzerne angesichts der allgemeinen Krisenstimmung mit detaillierten Prognosen für das laufende Jahr zurückhalten, sehen sie sich so doch gut im Rennen positioniert. Volker Smid, Deutschlandchef von Hewlett-Packard, sagt: „Wir gewinnen Marktanteile, haben einen guten Mittelzufluss, eine ordentlich gefüllt Kasse und werden als Gewinner aus der Krise hervorgehen.“ Das glauben andere auch. Die Konzernspitze von IBM legte für die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Staaten in Europa, Asien und Amerika eine eigene Strategie für riesige Investitionen in moderne IT-Infrastrukturen vor. „Die Infrastruktur wird intelligent“, fasst es Martin Jetter, Deutschlandchef von IBM, zusammen. Wer diesen Trend in den klassischen oder neuen Industrie- und Dienstleistungssektoren heute verpasst, wird es schwer haben, nach der Überwindung der Krise und im dann anstehenden Aufschwung ganz vorn in seiner Branche mitzuspielen. „Die Sachlage ist eindeutig“, erklärt der Vorstandschef der Software AG, Streibich. „Unternehmen, die frühzeitig in Softwaretechnologien zur Infrastrukturoptimierung investieren, erzielen tatsächlich Kostensenkungen, höhere Flexibilität und dadurch Wettbewerbsvorteile.“

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